Kulturpolitik 18.12.2018 Kultur für alle und überall

Staatsregierung verabschiedet landesweites Konzept Kulturelle Kinder- und Jugendbildung

 

Kulturelle Bildung ist Teil eines umfassenden Bildungsverständnisses. Alle Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit ihres Erwerbs bekommen. Das Kabinett hat daher in seiner Sitzung am 23.10.2018 das »Landesweite Konzept Kulturelle Kinder- und Jugendbildung für den Freistaat Sachsen« zur Kenntnis genommen und seine Umsetzung beauftragt.

Mit dem Konzept hat die Sächsische Staatsregierung einen gemeinsamen Rahmen zur Förderung und Entwicklung der Kulturellen Bildung in Sachsen erarbeitet. Die Verabschiedung des landesweiten Konzepts entspricht einem im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD formulierten Vorhaben der Regierungskoalition. Das Konzept wurde unter Führung des Kunstministeriums innerhalb einer interministeriellen Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Staatsministerien für Kultus, Soziales und Gleichstellung erarbeitet. Die Kulturräume, Kultureinrichtungen, zuständigen Dachverbände und weitere Partner der Kulturellen Bildung wurden in diesem Prozess umfangreich beteiligt. Alle treffen sich demnächst an einem Runden Tisch Kulturelle Bildung, um die konkrete Umsetzung des Konzeptes zu besprechen.

Ziel des landesweiten Konzepts ist es, kulturelle Bildungsangebote auch außerhalb der urbanen Zentren zu stärken, die schulische Kulturelle Bildung deutlicher zu akzen¬tuieren und die kulturelle und interkulturelle Kompetenz zu fördern. Für die Förderung von Maßnahmen der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung stehen aktuell jährlich über sieben Millionen Euro bereit. Die setzen sich zusammen aus der Musikschulförderung (6 Mill. €) und der Förderung von Projekten der Kulturellen Bildung (über eine Million Euro). Darin enthalten sollen im kommenden Doppelhaushalt erneut 300.000 € zur Förderung von Mobilitätsprojekten sein. Die Arbeit der Netzwerkstellen in den Kulturräumen – Mittler zwischen Kultur- und Bildungseinrichtungen soll mit 210.000 € gefördert werden. Dies bedarf noch der Zustimmung des Sächsischen Landtags.

Das Konzept folgt fünf Leitzielen, welche den Rahmen für die weitere Stärkung der Kulturellen Bildung in Sachsen setzen:

  • Herstellung von Teilhabegerechtigkeit,
  • Entwicklung bedarfsgerechter Angebote,
  • Existenz stabiler Kooperationen und Partnerschaften zwischen Kultur-, Jugend- und Schuleinrichtungen,
  • Qualitätssicherung der Angebote
  • qualifizierte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.

Diese als Zielperspektiven formulierten Arbeitsschwerpunkte werden mit 40 Einzelmaßnahmen untersetzt.

Preise & Stipendien 17.12.2018 Gustav-Wohlgemuth-Plakette für Rolf Schneider und Christfried Brödel

Außergewöhnliche Verdienste um Laien- und Kirchenchorwesen in Sachsen gewürdigt

 

Mit der Gustav-Wohlgemuth-Plakette zeichnete der Sächsische Chorverband e.V. jetzt den Chemnitzer Chorleiter und Dirigenten Rolf Schneider sowie den emeritierten Rektor und Professor für Chorleitung an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, Christfried Brödel, aus. Damit würdigt der Sächsische Chorverband die jahrzehntelangen außergewöhnlichen Verdienste der beiden Persönlichkeiten um das sächsische Laienchorwesen. Die Plakette wurde benannt nach dem Leipziger Chordirigenten und Komponisten Gustav Wohlgemuth (1863–1937). Er leitete u.a. die Leipziger Singakademie, war Festdirigent der Gesamtchöre bei den Sängerfesten des Deutschen Sängerbundes, gehörte dem Führungsgremium des Deutschen Sängerbundes an und leitete 20 Jahre die Zeitschrift »Sängerhalle«.

Christfried Brödel wirkte von 1992 bis zur seiner Emeritierung im Jahr 2013 als Rektor und Professor für Chorleitung an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden. Sein Weg dahin führte zunächst über die Mathematik. Denn dieses Fach studierte der aus einem sächsischen Pfarrhaus stammende Christfried Brödel zunächst in Leipzig. Während des Studiums prägten und förderten ihn musikalisch zwei Chorleiter entscheidend: der Thomaskantor und Leiter des Universitätschores Hans-Joachim Rotzsch und Erich Schmidt, der damalige Leiter der Meißner Kantorei. Eine akademische Laufbahn als Mathematiker war Christfried Brüdel aus politischen Gründen verwehrt. So wechselte er 1984 als Kirchenmusiker zur Evangelischen Landeskirche Sachsens. Dort arbeitete er zunächst als Landessingwart und später als Dozent und Direktor an der damaligen Kirchenmusikschule in Dresden. Von 1981 bis 2017 leitete Christfried Brödel die Meißner Kantorei. Dieser außergewöhnliche Chor ist ein Ensemble begabter und begeisterter Laiensängerinnen und Sänger, das seinen Schwerpunkt schon seit Jahrzehnten bei zeitgenössischen geistlichen Chorwerken des 20. und 21. Jahrhunderts setzt. Christfried Brödels musikalisches Wirken lebt von der Spannung zwischen alter und zeitgenössischer geistlicher Musik. Mit der Meißner Kantorei und dem von ihm gegründeten Ensemble »vocal modern« brachte er rund 80 Werke zur Uraufführung, unter anderem zahlreiche Kompositionen aus dem Kantatenzyklus »Das geistliche Jahr« des Dresdner Komponisten Jörg Herchet. Hinzukommen kommen zahllose Erstaufführungen. Christfried Brödel ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und Vorsitzender der Neuen Bachgesellschaft (NBG). Für die Verbreitung der Werke Bachs engagiert er sich besonders durch die Leitung von Bachakademien in Osteuropa (Rumänien und Ukraine). In seiner 30 Jahre währenden Tätigkeit als Dozent und Professor für Chorleitung hat er ganze Generationen von Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern entscheidend geprägt. In zahllosen Seminaren und Kursen arbeitet er in ganz Deutschland und z.T darüber hinaus mit Dirigenten und Chorleitern, wobei ihm die Arbeit mit Laien nicht weniger Freude bereitet als die Leitung eines Meisterkurses. Christfried Brödel begreift sich stets selbst als Lernenden. Von seinem Chorleitungslehrbuch »Dirigieren für Chorleiter«, das 2014 im Bärenreiter-Verlag erschien, sagt er selbst, es sei das Ergebnis dessen, was er von seinen Studierenden lernen durfte.

1992 initiierte der Chemnitzer Rolf Schneider die Gründung des Musikbundes Chemnitz e.V., dessen erster Vorsitzender er wurde und den er über viele Jahre profilierte. Heute ist der Musikbund Chemnitz mit seinen 24 Chören und 900 Mitgliedern in Chemnitz und dem Umland einer von vier Regionalverbänden des Sächsischen Chorverbandes e.V. Bereits 1948 gründete Rolf Schneider als Neulehrer seinen ersten Chor in Chemnitz, ein Jahr später kam ein Männerchor hinzu. 1961 übernahm er die Leitung des Orchesters des »Florian-Geyer-Ensembles« Karl-Marx-Stadt und 1962 die Gesamtleitung des Ensembles, das er zu einem der leistungsstärksten Laienensembles der DDR profilierte. Mit diesem trat er zu den Arbeiterfestspielen auf, nahm an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, reiste zu Konzerten durch die DDR und ins Ausland, war mehrfach in Fernsehsendungen wie »Alles singt!« zu sehen und zu hören. Das Ensemble wurde zudem für seine Uraufführungen von zeitgenössischen Komponisten wie Jürgen Golle und Gunter Erdmann gefeiert. Rolf Schneider leitete Jurys nationaler und internationaler Chorwettbewerbe oder gehörte diesen an. Als Dozent bildete er Chorleiter aus und weiter, unter anderem auch in Kuba. Auch den Eiskunstläuferinnen Gabi Seiffert und Katharina Witt sowie dem bislang einzigen europäischen Weltmeister auf der 400-Meter-Strecke von 1987, Thomas Schönlebe, brachte er als Musiklehrer an der damaligen Sportschule Karl-Marx-Stadt die Welt der Musik näher. Bereits ab 1985 engagierte sich der Chemnitzer im Bereich der Seniorenchöre. Von 1999 bis 2017 leitete er die Treffen von Seniorenchören künstlerisch. 2018 trafen sich in Chemnitz zum 33. Mal in Chemnitz Chöre aus Deutschland und Europa zum »Sängerfest«. Dieses geht ebenfalls auf das Engagement von Rolf Schneider zurück. Bereits 1983 regte er mit Blick auf die sängerische Tradition des »Deutschen Sängerbundes« das »Arbeitersängerfest« in Karl-Marx-Stadt an. 1989 nahmen erstmals Chöre aus Finnland, Österreich und der Bundesrepublik an diesem Treffen teil. Rolf Schneider, der in wenigen Tagen seinen 88. Geburtstag feiert, dirigierte letzmalig im Juni 2017 zum »Tag der Volkssolidarität« auf der IGA Berlin einen Chor von über 200 Sängerinnen und Sängern aus Berlin, Potsdam, Schwerin und Chemnitz.

Allgemeines 13.12.2018 »Wurzeln«

Internationale Messiaen-Tage 2019

Über das Festival

Dass Musik nicht trennt, sondern verbindet und über Schmerz und Elend hinweghelfen kann, bewies der französische Komponist Olivier Messiaen, als er während seiner Gefangenschaft im Stalag VIII A sein »Quatuor pour la fin du temps« komponierte und gemeinsam mit drei Mitgefangenen am 15. Januar 1941 in der Theaterbaracke zur Uraufführung brachte.

Der Meetingpoint Music Messiaen e.V. erinnert bereits seit 2008 jedes Jahr am 15. Januar am historischen Ort an dieses besondere Ereignis. 2017 erwuchs daraus ein mehrtägiges Festival, welches vom europäischen Friedensgedanken inspiriert, Menschen auf beiden Seiten der Neiße, sowie aus ganz Europa und der Welt an diesem einzigartigen Ort der (Musik-)Geschichte zusammenbringen will. Internationale Künstler treffen dabei auf Forschende zur jüngeren Geschichte der Region und das Publikum wird eingeladen Zeitgenössische Musik und Kunst im historischen Ambiente der Grenzstadt, Führungen, Vorträge und Diskurse zu erleben und sich so dem Spannungsfeld Kunst - Krieg zu nähern.

 

Vom 11. bis 15. Januar 2019 laden die dritten Internationalen Messiaen-Tagen Görlitz Zgorzelec ein. Das junge Festival beschäftigt sich auf künstlerischer Ebene mit einem besonderen Moment der Geschichte dieser Region und widmet sich 2019 dem Themenkreis »Wurzeln«. Durch zeitgenössische Konzerte, historisch- informierte Akzente in Form von Vorträgen und Führungen, sowie einer Ausstellungseröffnung soll den Menschen der Region, wie auch interessierten Gästen von außerhalb eine weite Palette an assoziativen Aspekten nähergebracht werden. Das Festival kehrt stets zu seinen musikalischen Wurzeln zurück und setzt das »Quartett auf das Ende der Zeit« als zentralen Anker. Die Leitfragen des Festivals für das kommende Jahr sind: Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Jeder Festivalbesucher hat individuell die Möglichkeit sich mit diesen Fragen, seiner Herkunft und seiner Geschichte über die Musik und Kunst auseinander zu setzen.

Die Sinfonietta Dresden eröffnet das Festival mit dem Sinfoniekonzert in der Annenkapelle Görlitz. Ein Orchester, das dem Görlitzer Publikum aufgrund seines abwechslungsreichen zeitgenössischen Repertoires bekannt ist und für den Freitag ein Konzert voller Naturbeobachtungen vorbereitet hat. Am Samstagvormittag finden historische Führungen statt und am Abend können Sie im Theater Görlitz beim Kammerkonzert »Fremde bin ich eingezogen« und im Atelier Kremser beim Nachtschwärmerkonzert »Ragtime polonais« den Tag auf eine besondere Art und Weise ausklingen lassen. Der Sonntag beginnt mit einer deutsch- polnischen Heiligen Messe in der Bonifatiuskirche Zgorzelec, anschließend folgen Lied und Lesung zu Mikis Theodorakis, eine Kurzführung auf dem Gelände des ehemahligen Stalag VIII A und am späten Nachmittag können Sie sich vom Liederabend in der Annenkapelle inspirieren lassen. Der Festivalmontag steht ganz unter dem Motto der Begegnung: Armin Mueller- Stahl eröffnet eine besondere Ausstellung in der Galerie Brüderstraße Görlitz und am Abend haben Sie die Möglichkeit an einer Podiumsdiskussion zum Thema Grenzidentitäten im Schlesischen Museum Görlitz teilzunehmen. Am letzten Tag erwartet Sie unter anderem der Höhepunkt unseres Festivals: das Kammerkonzert »Quatuor pour la fin du temps, Stalag VIII A« mit einer Erstaufführung.

Programm und Karten

Das detaillierte Programm für das gesamte Festival, wie auch für jedes einzelne Konzert finden Sie auf der Internetseite www.messiaen-tage.eu. Eintrittkarten bei Eventim

Preise & Stipendien 10.12.2018 Ehrung für Markus Rindt

Der Intendant und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker wurde mit dem Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet

 

Am 2. Dezember 2019 wurde Markus Rindt, Intendant und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker, mit dem Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet. Der Presseclub Dresden ehrte damit sein vielfältiges Engagement für eine bessere Verständigung der Völker, gegen Fanatismus und Abschottung und seinen unermüdlichen Einsatz für die Dresdner Sinfoniker, die nunmehr seit 20 Jahren das internationale Kulturleben mit einem positiven Signal aus der Stadt Dresden bereichern. Für Markus Rindt stellt diese Auszeichnung eine sehr große Ehre dar – vor allem unter dem Aspekt, dass der Erich-Kästner-Preis in der Vergangenheit so bedeutenden Persönlichkeiten wie Ignatz Bubis, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher oder Joachim Gauck verliehen wurde. Er dankte seiner Familie, seinem Team und den Musikerinnen und Musikern der Dresdner Sinfoniker, die in der Vergangenheit immer wieder mit viel Engagement und Idealismus bei seinen Projekten mitwirkten. Aus diesem Anlass möchten wir Ihnen das MDR-Klassik-Gespräch vom 29. Oktober 2018 zum Nachhören empfehlen, wo Markus Rindt mit Redakteur Thomas Bille über seine Biographie, seine Neugier auf andere Kulturen, über die politische Bedeutung von Musik und seine Arbeit mit den Dresdner Sinfonikern spricht: https://www.mdr.de/kultur/dresdner-sinfoniker-markus-rindt-100.html

Die 10.000 Euro Preisgeld spendet Markus Rindt übrigens in voller Höhe der Dresdner Initiative »Musaik – Grenzenloses Musizieren«, die im September 2017 von den Musikpädagoginnen Luise Börner und Deborah Oehler gegründet wurde und sich kostenlos an Kinder aus schwierigen ökonomischen oder familiären Verhältnissen richtet. Zudem wollen die Dresdner Sinfoniker eine Kooperation mit dem »neuen Orchester« im Stadtteil Dresden-Prohlis eingehen und die Kinder bei einem Konzert im nächsten Jahr in das Programm einbinden. Darauf dürfen Sie gespannt sein!

Personalia 03.12.2018 Axel Köhler ist neuer Rektor der HfM Dresden

Erweiterter Senat stimmt mehrheitlich für 58jährigen Sänger und Regisseur

 

Axel Köhler ist neuer Rektor der Dresdner Hochschule für Musik. Der 58jährige setzte sich am 3. Dezember in der Wahl durch den Erweiterten Senat im ersten Wahlgang gegen Prof. Stephan Froleyks (Prodekan Universität Münster) durch. Köhler hat bereits erklärt, die Wahl annehmen zu wollen.

Zu Beginn seiner Amtszeit wolle er, so Köhler, als Einstieg in eine gut funktionierende Kommunikation, jeden Mitarbeiter des Hauses kennenlernen und Kontakt zu den Studierenden aufnehmen. »Eine Bestandsaufnahme zum internen mentalen Zustand der Hochschule halte ich für einen gelingenden Start für besonders wichtig.« In der Folge werde er zügig die gemeinsame Diskussion um Leitlinien zur weiteren Ausrichtung und Profilierung der Hochschule eröffnen.

Axel Köhler wurde 1960 in Schwarzenberg im Erzgebirge geboren. Er studierte an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Violinpädagogik und Gesang. Seine musikalische Karriere führte ihn zunächst ins Ensemble der Oper Halle, im Verlauf seiner künstlerischen Karriere als Gast u.a. an die Semperoper Dresden, die Bayrische Staatsoper, die Staatsoper Hamburg, das Royal Opera House London, die Staatsoper Wien sowie zu den Salzburger Festspielen. 1994 wurde er mit dem Händel-Preis geehrt und 1998 zum Kammersänger ernannt. Von 2009 bis 2016 war Axel Köhler künstlerischer Direktor und später Intendant der Oper Halle. Seit 2000 ist Köhler auch als Regisseur tätig, inszenierte u.a. in München, Bayreuth, Innsbruck, Dresden, Palermo und Graz. Seit der Spielzeit 2016|2017 ist er Mitglied des Ensembles der Staatsoperette Dresden.

Wann der neu gewählte Rektor sein Amt tatsächlich antreten kann, wird derzeit noch verhandelt. Die Hochschule für Musik wird nach dem Rücktritt von Amtsvorgängerin Judith Schinker im März dieses Jahres derzeit interimistisch von Rebekka Frömling, Prorektorin für Studium und Lehre, geleitet.

Preise & Stipendien 23.11.2018 Robert-Schumann-Preis 2019

Ragna Schirmer und Janina Klassen erhalten den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau

 

Die Pianistin Prof. Ragna Schirmer und die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Janina Klassen erhalten den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau 2019 zu gleichen Teilen. Die Jury würdigt damit ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung besonders mit Clara Schumann, deren 200. Geburtstag im kommenden Jahr gedacht wird.

Janina Klassen wurde 1953 in Bad Salzuflen geboren. Sie studierte Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Italienisch in Freiburg, Wien und Kiel. Nach ihrer Magister-Prüfung arbeitete sie zunächst im Christians-Verlag Hamburg und als Dozentin für Musiktheorie. 1988 wurde sie in Kiel mit einer Dissertation »Clara Wieck-Schumann: Die Virtuosin als Komponistin: Studien zu ihrem Werk« promoviert. Für die Recherchen zu dieser Arbeit kam sie noch zu DDR-Zeiten zu Forschungsaufenthalten ins Robert-Schumann-Haus Zwickau. Seit 1999 lehrt sie als Professorin an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau, wo sie Clara Schumann regelmäßig in Lehrveranstaltungen einbezieht. Ihre 2009 erschienene Clara-Schumann-Biographie erreichte ein weites Leserpublikum. Neben zahlreichen Artikeln hat sie sich auch als Notenherausgeberin mit dem Werk Clara Schumanns, auch durch Erstveröffentlichungen, intensiv auseinandergesetzt.

Ragna Schirmer wurde 1972 in Hildesheim geboren. Sie studierte Klavier in Hannover bei Karl-Heinz Kämmerling sowie in Paris bei Bernard Ringeisen. Sie war Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1996 lebt sie in Halle an der Saale. 2001 bis 2011 wirkte sie als Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim/Heidelberg. Unter ihren mehr als ein Dutzend veröffentlichten CD-Produktionen nimmt die Musik von Clara und Robert Schumann eine besondere Stellung ein. Sie spielte nicht nur Soloklavierwerke, sondern auch das orchesterbegleitete Klavierkonzert Clara Schumanns ein. Für die im Bärenreiter-Verlag erscheinende Ausgabe der Klavierwerke Robert Schumanns steuert sie die Fingersätze bei, wobei sie sich an den Fingersätzen Clara Schumanns orientiert. Im Vorfeld des Clara-Schumann-Jubiläumsjahrs 2019 hat sie sich auf besondere Weise für die Komponistin und Pianistin engagiert, z. B. durch das Clara-Schumann-Projekt des Puppentheaters Halle oder durch Auseinandersetzung mit der im Robert-Schumann-Haus Zwickau erhaltenen Programmzettelsammlung Clara Schumanns, wofür sie vor Ort recherchierte.

Der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau wird seit 1964 von der Stadt verliehen. Ausgezeichnet werden damit hochrangige Dirigenten, Wissenschaftler, Instrumentalisten, Sänger, Klangkörper oder Institutionen des deutschen und internationalen Musiklebens, denen ein besonderer Verdienst um die Verbreitung der musikalischen Werke Schumanns und der Erforschung seines Lebens und Schaffens zukommt. Bis 2002 wurde die Auszeichnung jährlich vergeben, seit 2003 erfolgt die Vergabe alle zwei Jahre. Die Auszeichnungsvorschläge unterbreitet die Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e.V. Der Preis ist mit einer Gesamtsumme von 10.000 Euro dotiert, die bei mehreren Preisträgern geteilt werden kann. Weiterhin gehören eine Bronzemedaille und eine Urkunde zur Auszeichnung.

Zwar wurden auch früher schon Musiker und Musikwissenschaftler für ihre besonderen Verdienste um Clara Schumann mit dem Preis ausgezeichnet, so 1993 der belgische Pianist Jozef De Beenhouwer und 1996 die amerikanische Biographin Nancy Reich, doch steht im kommenden Jahr erstmals Clara Schumann ganz im Zentrum der Preisvergabe. Die Verleihung erfolgt in einer öffentlichen Fest-Veranstaltung im Robert-Schumann-Haus Zwickau am Freitag, dem 12. April 2019.

Kulturpolitik 16.11.2018 Mehr Geld für Kultur

Sachsen plant ab dem Jahr 2019 eine Aufstockung des Kulturetats des Landes

 

Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD haben heute die Pläne für den Kulturetat des Freistaates für den Doppelhaushalt 2019/2020 vorgestellt. Nach Aussagen der beiden kulturpolitischen Sprecherinnen von CDU und SPD, Aline Fiedler und Hanka Kliese wird dieser um 28,5 Mio. Euro, d.h. um 13 Prozent, auf dann 244 Mio. Euro ab dem Jahr 2019 steigen.

»Kern des neuen Kulturhaushalts ist die Kulturraumförderung. Nachdem die Mittel mit den vergangenen beiden Doppelhaushalten bereits auf 94,7 Mio. Euro angehoben wurden, werden sie nun auf 104,7 Mio. Euro erhöht. Mit zusätzlichen sieben Mio. Euro pro Jahr können wir so die Theater und Orchester beim Einstieg in eine tarifgerechte Entlohnung der Künstlerinnen und Künstler in den nächsten vier Jahren unterstützen. Zudem werden die Kulturraummittel um drei Mio. Euro pro Jahr aufgestockt und die Kulturräume erhalten weiter jährlich drei Mio. Euro für kleinere Investitionen, zum Beispiel für neue Licht- und Tontechnik oder auch neues Inventar,« so Aline Fiedler. Mit gezielten Maßnahmen werden bestehende Kulturangebote vor Ort unterstützt, aber auch Neues ermöglicht. Ein Schwerpunkt ist die Kulturelle Bildung und hier zentral die Erreichbarkeit von Kultureinrichtungen im ländlichen Raum. Mit zusätzlich 265.000 Euro pro Jahr stehen dann insgesamt 1,5 Mio. Euro jährlich zur Verfügung. Damit werden Mobilitätsangebote für Kinder und Jugendliche beim Besuch von Kultureinrichtung unterstützt, als auch die Mobilität der Künstler und Kultureinrichtungen in die Regionen hinein. Weiterhin erhalten die Musikschulen in Sachsen in den kommenden beiden Jahren jeweils 6,7 Mio. Euro, ein Plus von 700.000 Euro pro Jahr. Mit dem neuen Trägerverein für das Schostakowitsch Festival und des Festival Sandstein und Musik, der Sächsischen Mozartgesellschaft, den Dresdner Sinfonikern und der Leipziger Schaubühne Lindenfels werden vier Einrichtungen neu in die institutionelle Förderung aufgenommen. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hanka Kliese, sagt dazu: »Mit jedem Euro, den wir in Kultur investieren, stärken wir das Fundament für den sozialen Zusammenhalt. Für uns heißt Kulturförderung nicht nur, bestehende Strukturen zu sichern, sondern auch Raum für Neues zu eröffnen. So haben wir uns in der Koalition u.a. darauf verständigt, die Mittel für die Freie Kunst und Kulturförderung um ca. 2,4 Mio. Euro jährlich aufzustocken.« Dies kommt auch dem Instrumentenfonds des Sächsischen Musikrates zugute, der auf 600.000 Euro anwächst und nunmehr auch damit die Musikschulen in Sachsen in diese Förderung einbeziehen kann.

Kinder & Jugend 06.11.2018 10 Jahre Landesjugendchor Sachsen

In einem Festkonzert mit Werken von Bernstein, Brahms, Martin und Poulenc feiert das Ensemble sein Jubiläum

Samstag, 10. November 2018
20 Uhr Thomaskirche Leipzig
Festkonzert »10 Jahre Landesjugendchor Sachsen«

Frank Martin: Messe für Doppelchor
Johannes Brahms: Fest- und Gedenksprüche, op. 109
Leonard Bernstein: Chichester Psalms
Francis Poulenc: Gloria

Shira Patchornik (Sopran)
Landesjugendchor Sachsen
Jugendsinfonieorchester Leipzig
Ron-Dirk Entleutner (Dirigent)

Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, Restkarten ab 60 Minuten vor Konzertbeginn an der Abendkasse.

 

Mit der »Messe für Doppelchor (Frank Martin), den Fest- und Gedenksprüchen von Johannes Brahms, Leonard Bernstein »Chichester Psalms« und Francis Poulenc »Gloria« wird der Landesjugendchor Sachsen des Sächsischen Chorverbandes e.V. am kommenden Samstag, 10. November 2018, in der Thomaskirche zu Leipzig sein 10-jähriges Jubiläum feiern.

Im Landesjugendchor Sachsen singen aktuell 55 der besten jungen Chorsängerinnen und -sänger Sachsens. Vor zehn Jahren war der Chor von dem damaligen Jugendreferenten des Sächsischen Chorverbandes und heute national und international bekannten Chorleiter, Sänger, Kirchenmusiker und Dirigenten Marcus Friedrich gegründet worden. Der Landesjugendchor Sachsen nahm unter Friedrichs Leitung und seit 2015 unter der von Ron-Dirk Entleutner eine eindrucksvolle Entwicklung zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Klangkörper junger Chormusik und zu einem der besten Chöre in Sachsen. Der Chor repräsentiert zugleich die lebendige sächsische Chorszene über die Grenzen des Freistaates hinaus. Sechs Mal im Jahr trifft sich der Landesjugendchor zu Arbeitsphasen in verschiedenen Regionen des Freistaates. Die jungen Sängerinnen und Sänger reisen zu diesen Treffen aus ihren Heimatchören an. Über die Aufnahme in das Auswahlensemble entscheidet ein Vorsingen, das jederzeit an ausgewählten Musikschulen in ganz Sachsen möglich ist (Anmeldung hier). Das Festkonzert am kommenden Samstag, 10. November 2018, 20 Uhr, in der Thomaskirche verspricht ein eindrucksvolles und emotionales Klangerlebnis zu werden. Der Chor wird zu diesem Konzert verstärkt durch 15 ehemalige Sängerinnen und Sänger. Zugleich wird es für einige ChorsängerInnen das letzte Konzert in ihrer Karriere im Landesjugendchor. Sie werden zum Jahresende den Chor aus beruflichen und Altersgründen verlassen, aber weiterhin dem Chorgesang in ihren Heimatensembles treu bleiben. Die jungen Sängerinnen und Sänger sind übrigens in allen Berufsgruppen tätig und singen aus Passion, Lust und Freude in Chören und Ensembles. Ein wichtiger Partner für chorsinfonische Projekte, wie sie auch zum Festkonzert zu hören sein werden, ist das preisgekrönte Jugendsinfonieorchester der Musikschule Leipzig »Johann Sebastian Bach«. 2015 führten beide Klangkörper das erste Mal gemeinsam Edward Elgars »The Dream of Gerontius« erfolgreich auf. Im Herbst 2016 entstand eine gemeinsame CD mit der europäischen Ersteinspielung zu Samuel Barbers »The Lovers« die im Mai 2017 beim Label Rondeau erschienen ist. Ein wichtiger Höhepunkt der Kooperation war die von der Presse umjubelte Aufführung des »Verdi-Requiems« im November 2017 in der Thomaskirche. Die Aufnahmen dazu wird es zum Jubiläum auf CD geben. Das beide Ensembles nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sehr gut harmonieren, wird dieses Jubiläumskonzert zeigen: Das Jugendsinfonieorchester, knapp 23 Jahre »älter« als der Jubilar, wird als Gratulant den Landesjugendchor Sachsen musikalisch begleiten.

Personalia 29.10.2018 Prof. Dr. Christoph Krummacher ist Ehrenmitglied des Deutschen Musikrates

Im Rahmen ihrer Generalversammlung haben die Mitglieder des Deutschen Musikrates dem Präsidenten des Sächsischen Musikrates die Ehrenmitgliedschaft verliehen

 

Im Rahmen ihrer Generalversammlung haben die Mitglieder des Deutschen Musikrates Prof. Dr. Christoph Krummacher am 20. Oktober 2018 in Berlin die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes verliehen.

Nachfolgend finden Sie den Wortlaut der Laudatio von Prof. Eckard Lange (Weimar) auf den Preisträger:

»Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist mir eine besondere Ehre und Freude, hier eine kurze Laudatio für Herrn Prof. Dr. Christoph Krummacher vortragen zu dürfen. Wir kennen uns seit vielen Jahren und arbeiten seit zwölf Jahren als Landesmusikratspräsidenten in Mitteldeutschland eng zusammen. Es gab und gibt regelmäßige Treffen, bei denen wir vergleichbare Strategien beraten und wo ich Ihren vorsichtigen Rat, lieber Herr Krummacher, besonders schätzen gelernt habe. Und wir arbeiten seit Jahren auch unmittelbar bei den Musikratsprojekten zusammen, beispielsweise bei Jugend musiziert oder in gemeinsamen Projekten unserer Landesjugendensembles. Ich kenne ihn schon viel länger, aber ich weiß nicht, ob ich ihm das mal verraten habe. Er ist Jahrgang 1949, wurde ist Berlin geboren und ist in Greifswald aufgewachsen, wo er ersten Orgelunterricht bei Hans Pflugbeil erhielt. Nach dem Abitur studierte er Kirchenmusik (und der Theologie im Nebenfach) in Dresden (Orgelschüler von Hans Otto), Greifswald und Leipzig (u. a. bei Wolfgang Schetelich und Hannes Kästner). Nach seinem Staatsexamen 1975 war er zunächst Domkantor in Brandenburg an der Havel und von 1980 bis 1992 Universitätsorganist und Dozent an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock. Und aus dieser Zeit kennen wir uns, d.h. ich kenne ihn. Ich habe nämlich in dieser Zeit die älteste und schönste Dorforgel in Mecklenburg-Vorpommern, in Basedow, betreuen dürfen und dort hat er u.a. auch einmal konzertiert und ich habe bei ihm registriert. Er beschäftigte sich schon früh mit der Aufführungspraxis Alter Musik, besuchte internationale Meisterkurse von namhaften Organisten, so dass es kein Wunder war, dass ihn sein Weg auch zu dieser Orgel führte, die mitteltönig gestimmt ist und im Chorton steht. Christoph Krummacher promovierte 1991 auf dem Gebiet der Theologie und erhielt im gleichen Jahr den Kulturpreis der Hansestadt Rostock, gehörte er doch bereits in dieser Zeit zu den namhaftesten Organisten im Osten und konnte auf eine internationale Konzerttätigkeit verweisen - so gut das eben möglich war. 1992 erhielt er die Professor für Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und wurde Direktor des dortigen Kirchenmusikalischen Instituts. Er war dann nach Siegfried Thiele der zweite freigewählte Rektor der Hochschule in den Jahren 1997 bis 2003.

Zusätzlich zu seiner umfangreichen Konzerttätigkeit verfasste er zahlreiche Publikationen zu Interpretationsfragen, zu grundsätzlichen Problemen der Kirchenmusik und zum Verhältnis von Musik und Theologie. Sein neustes Buch wird gerade fertig.

Seit 2002 ist Christoph Krummacher ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und seit 2004 außerdem Universitätsorganist der Universität Leipzig. Er ist qua Amt Mitglied im Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks.

In seine 12 Amtsjahre als Präsident des Sächsischen Musikrates fällt die Eröffnung der Landesmusikakademie als Projekt des Musikrates und die Evaluierung der Arbeit des Dachverbandes durch den Freistaat Sachsen im Jahr 2010, wo es im Evaluationsbericht heißt: »Im Grunde steht der SMR konkurrenzlos in der sächsischen Musik- und Kulturlandschaft. Seine Aufgaben und Arbeitsinstrumente sind klar definiert und seine Vernetzungen und Kooperationsstrukturen sind komplex und effektiv aufgestellt..« Der inhaltliche Schwerpunkt von Präsident Christoph Krummacher war und ist die musikalische Bildung von Kindern im Vorschulalter und in der Grundschule und da werden wir ihn, auch wenn er 2019 nicht wieder als Musikratspräsident kandidieren wird, mehr als je zuvor brauchen. Ich gratuliere herzlich zur Ernennung!«

Allgemeines 26.10.2018 Musik gegen den Krieg – auch jenseits des Äquators

Südafrika-Reise von Singakademie Dresden und Landesjugendorchester Sachsen

 

Am vergangenen Wochenende ging die Südafrika-Reise der Singakademie Dresden, ihres Kinderchores und des Landesjugendorchesters Sachsen zu Ende. Mit dem erfolgreichen Konzert in der Dresdner Kreuzkirche am 11. Oktober startete die Tournee, die weiter ins Leipziger Gewandhaus und danach nach Südafrika führte. Mit der Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst« erklang dabei erstmals ein Werk des Kreuzkantors jenseits des Äquators. Hauptwerk der Konzerte war das War Requiem von Benjamin Britten. An den Aufführungen waren insgesamt vier Chöre, vier Kinderchöre und vier Orchester mit insgesamt ca. 400 Mitwirkenden unter der Leitung von vier Dirigentinnen und Dirigenten beteiligt:

  • die Singakademie Dresden
  • der Symphony Choir Johannesburg
  • der Philharmonia Choir Cape Town
  • die Chanticleer Singers Johannesburg
  • der Kinderchor der Singakademie Dresden
  • der Mädchenchor des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden
  • der St. John’s College Choir Johannesburg
  • die St. Cyprian’s Singers Cape Town
  • das Landesjugendorchester Sachsen
  • Sinfonietta Dresden
  • Mitglieder des Johannesburg Festival Orchestra
  • Mitglieder des Cape Town Festival Orchestra

Der südafrikanische Dirigent Richard Cock, Direktor des Johannesburger Chores und auf afrikanischer Seite verantwortlicher Initiator des Projekts leitete in den Aufführungen jeweils das Kammerorchester, Claudia Sebastian-Bertsch die Kinderchöre. Ekkehard Klemm dirigierte in Dresden und Johannesburg, Milko Kersten in Leipzig und Cape Town. Die Sopranistin Andiswa Makana und der Tenor Siyabonga Maqungo stammen selbst aus Südafrika, Bariton Daniel Ochoa aus Leipzig, wenngleich auch er einen afrikanischen Vater hat.

Finanziell wurde die Reise zunächst durch einen erheblichen Eigenanteil der Mitwirkenden getragen, daneben durch die Unterstützung des Goethe-Instituts, des Sächsischen Musikrates, des Förderkreises der Singakademie, der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Der Singakademie übernahm dabei die Rolle des Antragstellerin.

Der Gedanke von Versöhnung, Vergebung und Verständigung prägte die Reise in vielerlei Hinsicht. Es fanden neben den großen Aufführungen weitere Konzerte in Schulen der Townships statt. Während die Singakademie beeindruckt war von 250 schwarzen Gymnasiasten der Vuleka School JoBurg, die u. a. Schütz’ »Verleih uns Frieden« und Mauersbergers Motette mit gebannter Stille verfolgten, begeisterten das Landesjugendorchester und der Kinderchor der Singakademie Hunderte Grundschüler der St. Matthew’s School in Soweto, die sich ihrerseits mit vitalen Gesängen und Tänzen bedankten! Die deutschen Jugendlichen besuchten ebenso Unterrichtsstunden.

Ein Großteil der deutschen Mitwirkenden – die bereits in Dresden ca. 70 afrikanische Chorsängerinnen und -sänger selbst beherbergt hatten – wurden in Johannesburg und teilweise auch in Cape Town privat untergebracht. Ungezählte Begegnungen wurden dadurch ermöglicht. Auch die Jugendlichen des Orchesters übernachteten in Johannesburg mit Unterstützung der Deutschen Schule privat.

Wenig Gelegenheit war bei den ständig notwendigen Proben mit den jeweils neu hinzukommenden Ensembles für Sightseeing. Der Schwerpunkt lag auf dem Kennenlernen jener Orte, die auch inhaltlich zum Thema des Projekts – »Musik gegen den Krieg« – passten. So standen Soweto, das Geburtshaus von Nelson Mandela sowie das Apartheid-Museum auf dem Programm. Der Besuch der Gefängnis-Insel Robben Island fiel leider dem stürmischen Wetter zum Opfer – die Fähren konnten nicht ablegen. Dafür rückte das 2017 eröffnete »Zeitz MOCAA«, ein atemberaubendes Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst ins Programm. Hier waren in einem umgebauten Getreidespeicher des Hafens Bilder, Skulpturen, Installationen, Videokunst und vieles mehr zu bewundern, die in besonderer Weise mit dem Geist der Konzerte korrespondierten – zeigten sie doch Kunst, die sich ganz existenziell mit Fragen der Zeit, der Gesellschaft, des Leids durch Gewalt und Krieg auseinandersetzt.

Die kurze Zeitspanne zwischen letztem Auftritt und Abflug nutzten viele zu einem kurzen Ausflug ans Kap der guten Hoffnung, das zunächst »Kap der Stürme« hieß. Bei Windstärke sieben erlebten dort alle die Kraft der Natur am südlichen Ende Afrikas – eine Kraft, die auf die Menschen abzufärben scheint. Mit Energie, Tatendrang und oft genug mit Verzweiflung packen sie die Probleme des Kontinents an. Und mit Begeisterung nahmen sie die europäischen Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker auf, feierten sie mit standing ovations. Mit bewegenden Worten bedankte sich inzwischen Richard Cock: »I want to thank you all for a fantastic two weeks of friendship and music making. It has been one of the great highlights for us in our choir, and a very special moment in our history. We have never tackled a project of this size before, and I am happy that it went as smoothly as it did. The memories of these performances will be with us forever, and it should make us more determined than ever that Peace should prevail in the world, and that war should not be an option. Really all I can say is thank you very much indeed for your wonderful cooperation, for your willingness to join us in this adventure, and for your generosity in all things.«

Diesen Dank können alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur zurückgeben – tief beeindruckt von einer Gastfreundschaft, die uns ins Herz eines Kontinents im Aufbruch blicken ließ, trotz und gerade wegen seiner Probleme und Herausforderungen.

Ekkehard Klemm

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