Preise & Stipendien 01.12.2016 Sonderpreis für Jana Baumeister beim Bundeswettbewerb Gesang

Die Johann-Sebastian-Bach-Stiftung in Leipzig hat diesen Preis für Konzertengagements gestiftet.

 

Mit dem Finalkonzert am 28. November 2016 in der Berliner Staatsoper im Schillertheater ist der Bundeswettbewerb Gesang Berlin zu Ende gegangen. Der von der Johann-Sebastian-Bach-Stiftung (Leipzig) gestiftete Sonderpreis für Konzertengagements in der Höhe 5.000 € wurde an die Sopranistin Jana Baumeister vergeben, die zugleich den 1. Preis des Hauptwettbewerbs gewann. Mit diesem Sonderpreis ehrt die seit 2011 bestehende Johann-Sebastian-Bach-Stiftung eine Teilnehmerin des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin 2016, die sich im Konzertfach bei der Interpretation Bachscher Werke als besonders förderungswürdig herausgestellt hat.

Eine Besonderheit des Preises ist, dass er nicht an die Solistin ausgezahlt wird, sondern als unterstützende Finanzierung direkt an den Veranstalter geht, der sie zu einem Konzert mit Bachscher Vokalmusik (vorzugsweise Kantaten – nicht Passionen/Oratorien) verpflichtet. Konzertveranstalter können ab sofort mit der Johann-Sebastian-Bach-Stiftung in Kontakt treten, Aufführungsmöglichkeiten und Finanzierungswünsche kundtun. Vorstand und Kuratorium der Stiftung entscheiden dann über Höhe und Empfänger. Die Preisgelder von jeweils € 5.000 können in kleinere Beträge gestückelt werden, um möglichst viele Aufführungsverpflichtungen zu ermöglichen. Die Stiftung hofft, mit dem Preis und der sehr besonderen Preisgeldvergabe dazu beitragen zu können, jungen, hoffnungsvollen Sängerinnen und Sängern, die sich bei der Interpretation des Bachschen Kantatenwerk besonders ausgezeichnet haben, mehrere Konzertverpflichtungen zu ermöglichen und so einerseits das Kantatenschaffen Bachs weiter bekannt zu machen und andererseits junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern.

Jana Baumeister, 1988 in Herrenberg geboren und in Würzburg aufgewachsen, begann ihre musikalische Ausbildung während der Schulzeit. Sie studierte dann von 2007 bis 2012 an der Hochschule für Musik in Nürnberg und anschließend an der Frankfurter Musikhochschule. Die junge Sopranistin sang bei den Bregenzer Festspielen und dem Rheingau Musik Festival und gastierte unter anderem an den Opernhäusern in Wiesbaden, Frankfurt und Trier. Seit 2014 ist sie festes Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt. Sie war Preisträgerin beim Nürnberger Mozart-Wettbewerb und wurde mit mehreren Stipendien gefördert.

Preise & Stipendien 25.11.2016 Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik für Schütz’ »Johannespassion«

Der Dresdner Kammerchor und Hans-Christoph Rademann werden wird mit dem begehrten Preis ausgezeichnet.

 

Der Dresdner Kammerchor und Hans-Christoph Rademann erhalten den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2016. Der Chor und sein künstlerischer Leiter bekommen die Auszeichnung für die Einspielung der »Johannespassion« von Heinrich Schütz, die 2016 bei Carus als Koproduktion mit dem MDR erschienen ist.

Susanne Benda für die Jury: »Auf dem Weg zu einer Gesamteinspielung des Vokalwerks von Heinrich Schütz mit dem Dresdner Kammerchor, die er 2017 abschließen will, ist Hans-Christoph Rademann inzwischen bei CD Nummer 14 angekommen. Auch seine Einspielung der schlichten A-Cappella-Johannespassion, die hier von zwei Erstaufnahmen ergänzt wird, lebt von einem feinen musikalischen Geben und Nehmen zwischen den exzellenten Solisten und einem Chor, dessen gut homogenisiertes, vom Sprachgestus getragenes Singen als stilbildend gelten kann. Aus fein ausgestalteten Details heraus entsteht eine Klangwelt, die auch ohne aufgesetzten pathetisch-nachromantischen Zierrat eine starke Wirkung hat. Die Auszeichnung der Johannespassion mit dem Jahrespreis 2016 der Deutschen Schallplattenkritik würdigt zugleich Rademanns Schütz-Gesamteinspielung mit seinem Dresdner Kammerchor: eine Edition, die Maßstäbe setzt.«

Der Dresdner Kammerchor und sein Chefdirigent Hans-Christoph Rademann verwirklichen seit 2011 gemeinsam mit dem Carus-Verlag Stuttgart, gefördert von der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, die erste Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung. Die Ehrung mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2016 zeigt den großen Erfolg dieses Projektes, das die Weltgeltung dieses Dresdner Kulturgutes herausarbeitet und Heinrich Schütz, dem Dresdner Hofkapellmeister und ersten deutschen Komponisten von europäischem Rang, zu internationaler Wahrnehmung verhilft. Insgesamt 11 Jahrespreise wurden vom »Preis der deutschen Schallplattenkritik« für 2016 vergeben. Aus verschiedenen Musikrichtungen wurden die besten Produktionen des zurückliegenden Jahres geehrt, die aus der Longlist der Gesamtjury von einem Jahresausschuss-Gremium aus 11 Juroren ausgewählt wurden.

CD Heinrich Schütz »Johannespassion«
Carus (2016)
Jan Kobow, Tenor (Evangelist)
Harry van der Kamp, Bass (Jesus)
Ulrike Hofbauer, Marie Luise Werneburg, Sopran
Friedemann Condé, Tenor
Lee Santana, Theorbe
Frauke Hess, Violone
Ludger Rémy, Orgel
Dresdner Kammerchor
Leitung: Hans-Christoph Rademann

Kulturpolitik 15.11.2016 CDU und SPD stärken Kulturförderung in Sachsen

Koalitionsfraktionen stocken Kulturetat um 9 Millionen Euro auf

 

Nachdem sich die Koalitionsfraktionen auf Ergänzungen am Haushaltsentwurf der Staatsregierung verständigt hatten, stellten am 14. November 2016 die kulturpolitischen Sprecherinnen von CDU und SPD, Aline Fiedler und Hanka Kliese, die Ergebnisse für ihren Bereich vor. Dazu sagt die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Aline Fiedler: »Sachsen ist geprägt von einem großen Reichtum an Kultur und die ist uns wichtig! Wir haben nicht nur Einrichtungen von weltweiter Ausstrahlung, wie die Semperoper in Dresden und den Leipziger Thomanerchor. Im Freistaat gibt es auch ein umfassendes kulturelles Angebot im ländlichen Raum. Wir haben mit den Koalitionsfraktionen im vorliegenden Entwurf des Doppelhaushaltes den Spagat zwischen beiden gefunden. Die Kulturausgaben Sachsens werden mit dem vorliegenden Entwurf deutlich steigen: von 200,7 Mio. Euro in diesem Jahr auf 213,3 Mio. Euro im nächsten und 216,1 Mio. Euro im Jahr 2018. Insgesamt haben die Koalitionsfraktionen 9 Mio. Euro mehr für die kommenden beiden Jahre geplant, als im Regierungsentwurf des Doppelhaushaltes vorgesehen waren. Mit gezielten neuen Maßnahmen ergänzen wir bestehende Kulturangebote und Institutionen, wie zum Beispiel durch die Anschaffung von Musikinstrumenten. Wichtig war uns eine stabile Finanzierung der Kulturräume. Hier wird es 6 Mio. Euro für Investitionen geben, die vor Ort gebraucht werden.«

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hanka Kliese, sagt: »Eine stabile Kulturförderung ist unerlässlich für den sozialen Zusammenhalt. Auch deshalb haben wir mit dem Koalitionsvertrag die Grundlage für eine stabile und verlässliche Kulturpolitik in Sachsen geschaffen. Schon der Regierungsentwurf des Kulturhaushaltes für die kommenden beiden Jahre schlägt sich dies nicht nur in Zahlen, sondern auch in den dahinter stehenden Projekten nieder. Diesen guten Entwurf haben wir als Koalitionsfraktionen weiter verbessert. Mit der Erhöhung des Etats für die Landeskulturverbände und die Zentralbücherei für Blinde geben wir gezielt mehr Geld an Institutionen, deren Personal seit vielen Jahren eine sehr engagierte Arbeit für Kultur und Teilhabe im Freistaat leistet. Diese Wertschätzung ist uns wichtig. Nicht nur die großen Flaggschiffe der sächsischen Kultur zu unterstützen, sondern auch die Arbeit der kleineren Kulturbetriebe wollen wir in den Fokus rücken und angemessen fördern.«

Allgemeines 21.10.2016 25 Jahre, vier Zupforchester und eine Uraufführung

Jubiläumskonzert des Landesverbandes Sachsen im Bund Deutscher Zupfmusiker

 

Sachsens Zupfmusiker laden zu einem Jubiläumskonzert am 30. Oktober 2016 um 15 Uhr in den Bürgersaal des Rathauses Zwickau ein. Der Landesverband Sachsen im Bund Deutscher Zupfmusiker ist seit Januar 1991 im Vereinsregister verzeichnet und begeht damit sein 25jähriges Bestehen. Die drei überregionalen Ensembles des Verbandes, das Landesjugendzupforchester (Leitung: Katja Wolf), das Sächsische Gitarrenensemble (Leitung: Barbara Löffler) und das Landeszupforchester (Leitung: Annette Schneider) sowie aus der gastgebenden Stadt das 1958 von Erhard Fietz gegründete »Zupforchester des Robert-Schumann-Konservatoriums der Stadt Zwickau« (Leitung: Andreas Ebert a.G.) werden dieses Konzert gestalten. Als Solisten wirken Annette Schneider (Mandoline), die Sängerin Anne K. Taubert und an der Gitarre Rostislav Uciteli mit.

Auf dem Programm steht neben Werken von Erhard Fietz, Franziska Henke, Christopher Kirsch, Maximo Diego Pujol, Henry Purcell und Antonio Vivaldi auch die Uraufführung einer Suite von Rolf Thomas Lorenz, einem ehemaligen Schüler des Zwickauer Konservatoriums. Diese Komposition wurde vom BDZ LV Sachsen über den Komponistenverband in Auftrag gegeben und von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

Bund Deutscher Zupfmusikere.V., Landesverband Sachsen

Landesjugendorchester 20.10.2016 Zu Gast in Peru

Ein ganz besonderes Projekt des Landesjugendorchesters Sachsen

 

Das 50. Projekt des Landesjugendorchesters im Oktober 2016 war in jeder Hinsicht ein besonderes Projekt. Im Gegensatz zu den üblichen Arbeitsphasen, die zweimal im Jahr hauptsächlich in der Landesmusikakademie Sachsen stattfinden, waren die 55 jungen Musikerinnen und Musiker in diesem Herbst nur 4 Tage im Leipziger Land. Dort wurde ein buntes, abwechslungsreiches Programm in intensiver Probenarbeit vorbereitet, um dann auf eine weite Reise mitgenommen zu werden. Diese führte das LJO Sachsen nach Trujillo, die zweitgrößte Stadt im südamerikanischen Peru. Nach der langen Hinreise im Flugzeug von Frankfurt über Madrid nach Lima und von dort aus mit dem Bus in das nördlich gelegene Trujillo wurde die Probenarbeit in Kooperation mit den peruanischen Jugendlichen Musikern des »Orquesta de Barro« des sozialen Musikprojektes »Arpegio« aufgegriffen. Die folgenden vier Tage voller intensiver Proben gestalteten sich als äußerst interessant und lehrreich für alle Beteiligten und voll von positiven Eindrücken. Das Zusammenspiel mit den peruanischen Musikern, welche den deutschen Jugendlichen in musikalischer Hinsicht absolut auf Augenhöhe begegneten, obwohl sich die materielle Grundausstattung der Peruaner mit Instrumenten in teilweise katastrophalen Zustand befand, funktionierte auf Anhieb. Trotz mancher organisatorischer Probleme, welche alle mit peruanischer Gelassenheit gelöst wurden, herrschte eine sehr freundliche, offene Atmosphäre und ein reger Austausch zwischen den Musikern.

Die Unterbringung der sächsischen LJO Mitglieder in peruanischen Gastfamilien stellte viele vor eine sprachliche Herausforderung, aber spätestens nach den ersten gemeinsamen Abendessen, bei denen alle kulinarischen Spezialitäten Perus vorgestellt und probiert wurden, entwickelten sich die ersten Gespräche auf englisch, spanisch und deutsch. Neben den vielen Proben blieb dennoch genug Zeit für die deutschen Musiker gemeinsam mit den peruanischen Orchestermitgliedern die Stadt und die Gegend zu erkunden. So gab es zum Beispiel eine gemeinsame Besichtigungstour in eine antike Siedlung der Chan Chan, einen Ausflug an den Pazifikstrand von Huanchaco und einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt in Trujillo, von dem aus sowohl die Anden als auch das Meer zu sehen sind.

Der musikkulturelle Austausch wurde nach verschiedensten Workshops und kleineren Schulkonzerten, bei denen die Deutschen Teilnehmer die großen gesellschaftlichen Unterschiede in den einzelnen Stadtteilen Trujillos erfahren durften, mit erfolgreichen Konzerten in Trujillo, Chimbote und Lima abgerundet.

Johannes Kürschner, Jakob Then Berg, Matthias Denecke

Das Landesjugendorchester Sachsen ist ein Projekt des Sächsischen Musikrates.

Kulturpolitik 20.10.2016 Soziales Spannungsfeld Musikhochschule – Billigbildung und die Folgen

Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an deutschen Musikhochschulen in Dresden

 

Die Lehrbeauftragten aller bundesdeutschen Musikhochschulen kommen am 22.und 23. Oktober 2016 in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden zu ihrer 7. Bundeskonferenz zusammen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Situation der Lehrbeauftragten zunehmend unsicher geworden. Sie übernehmen einen wachsenden Teil der regulären Lehre an den Hochschulen. Sie leisten in der Lehre die gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kolleginnen und Kollegen, erzielen jedoch nur einen Bruchteil von deren Einkommen. Allgemeingültige Zahlen liegen dazu nicht vor. Doch lässt sich am Beispiel der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass ihr Honorar heute im Vergleich zum Jahr 1970 fast doppelt so hoch wäre, wenn es – wie beim Entgelt für fest angestellte Lehrkräfte üblich – an die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst gekoppelt wäre. Sozial sind Lehrbeauftragte kaum abgesichert. Die kollektive Wahrnehmung der Interessen von Lehrbeauftragten ist bislang schwierig, da sie im Gegensatz zu anderen Hochschulangehörigen kaum über Wahl- und Mitbestimmungsrechte verfügen.

Seit Verabschiedung der Frankfurter Resolution 2011 und der Berliner Resolution 2013 ist man bereits kleine Schritte vorangekommen. Grundlegendes hat sich jedoch an der prekären Situation der Lehrbeauftragten nicht geändert. In einer Podiumsdiskussion sollen die drängendsten Fragen mit Landespolitikern sowie je einem Mitglied der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen und der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) diskutiert werden.

Trotzdem in einigen Bundesländern in den vergangenen Jahren Honorarerhöhungen für die Lehrbeauftragten der Musikhochschulen erwirkt werden konnten, ist man von einer geforderten Angleichung an die Tarifentwicklungen im TV-L nach wie vor weit entfernt. Die Lehrbeauftragten fordern die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse vor allem für den Kernbereich der Lehre. Das durchschnittliche Missverhältnis von ca. 45% der Gesamtlehre, die von Lehrbeauftragten erbracht wird zu 55 % erbrachte Lehre durch Professoren und Mittelbaustellen hat sich bisher kaum verändert. Des Weiteren müssen die Wahl- und Mitbestimmungsrechte in allen Bundesländern gleichermaßen gestärkt werden. Insbesondere für die rund 50 % Freiberufler unter den Lehrbeauftragten besteht unter diesen Voraussetzungen nach wie vor großer Handlungsbedarf durch Politik und Hochschulleitungen.

Die Bundeskonferenzen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm), tritt seit ihrer ersten Konferenz im Januar 2011 auf Bundes- und Landesebenen für die Interessen der jeweiligen Lehrbeauftragten ein. Die Deutsche Orchestervereinigung e.V. (DOV) ist der Berufsverband und die Gewerkschaft für Mitglieder in professionellen Orchestern, Rundfunkchören und -Bigbands sowie für Lehrbeauftragte und freie Musiker in Deutschland.

Öffentliche Podiumsdiskussion »Soziales Spannungsfeld Musikhochschule – Billigbildung und die Folgen«
22. Oktober 2016, 17 Uhr, Senatssaal der Hochschule für Musik Dresden, Wettiner Platz 13
Podiumsteilnehmer: Aline Fiedler MdL CDU, Dr. Claudia Maicher MdL GRÜNE, Martin Ullrich Vorsitzender RKM, Martin Majewski DOV

V.i.S.d.P.: Bettina Preusker

Kulturpolitik 19.10.2016 TiSA: Öffentliche Dienstleistung Kultur ist in Gefahr!

Wikileaks hat neue Unterlagen zu TiSA ins Netz gestellt

 

Die EU-Kommission und auch die deutsche Bundesregierung haben bislang immer behauptet, öffentliche Dienstleistungen seien von den TiSA-Verhandlungen ausgenommen. Das stimmt nicht, das zeigen jetzt von Wikileaks ins Netz gestellte Unterlagen. Im allgemein gehaltenen Haupttext des geplanten Abkommens werden öffentliche Dienstleistungen so verstanden, dass sie hoheitlich ausgeübt, nicht auf kommerzieller Grundlage bereit gestellt und nicht im Wettbewerb zu anderen Dienstleistungsanbieter stehen dürfen (siehe hierzu TiSA-Core-Text). Doch solche Dienstleistungen gibt es im Kulturbereich so gut wie gar nicht mehr. In vielen Bereichen wurden ehemals öffentliche Kultureinrichtungen in eine privatrechtliche Form überführt, sie sind nicht kostenfrei und bei vielen gibt es auch privatwirtschaftliche Mitbewerber. Im Kulturbereich muss in der Regel eine Eintrittskarte beim Besuch eines öffentlichen Theaters oder eines Museums gelöst werden. Auch ist der Besuch im Kommunalen Kino oder Konzert nur selten kostenfrei. Auch die Leseausweise in Bibliotheken gibt es nur in Ausnahmefällen kostenlos.

Das Trade in Services Agreement (TiSA), das Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen, ist eine sich gerade in Verhandlung befindliche Sammlung von Vereinbarungen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags zwischen 23 Parteien einschließlich der USA und der Europäischen Union. Das TiSA-Abkommen soll weltweit Dienstleistungen liberalisieren und stärkerem Wettbewerb aussetzen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: »Können die Marktregulierer eigentlich nie genug bekommen, offensichtlich nicht. CETA steht vor der vorläufigen Anwendung, TTIP wird trotz anders lautender Ansagen weiter verhandelt und jetzt zeigt auch TiSA sein gefährliches Gesicht. Es ist ein schmutziger Trick, wenn nur öffentliche Dienstleistungen vor TiSA geschützt werden sollen, wenn sie für den Verbraucher völlig kostenfrei sind. Das heißt nichts anderes, dass so gut wie keine öffentliche Kulturdienstleistung, da in der Regel immer ein Entgelt zu zahlen ist, von der Anwendung durch TiSA geschützt ist. Der Privatisierung und der Deregulierung sollen im Kulturbereich Tür und Tor geöffnet werden.«

Allgemeines 19.10.2016 Bandstand 2016 // Dresden’s Finest

mehr als 20 Künstler und Bands im Festspielhaus Hellerau

 

An zwei Abenden verwandelt sich das Festspielhaus Hellerau zum nunmehr vierten Mal in ein überdachtes Festivalgelände, auf dem über 20 Künstler und Bands zeigen werden, was ihre Definition von Musik im Jahr 2016 ist. Der Grund: der BANDSTAND öffnet seine Türen.

Und das klingt nicht nur nach einer Ansage, sondern vor allem nach zwei sehr facettenreichen und höchst unterhaltsamen Konzertnächten. Bekannte Namen und neue Gesichter gestalten eine Werkschau, die sich die Vielseitigkeit ganz oben auf die Agenda geschrieben hat. Ein Blick ins Programm unterstreicht dies. Als da wären am Freitag unter anderem zu Gast: Tarentatec, Rummelsnuff, Goldner Anker und Sir Robin and the Longbowmen. Allesamt erfahrene und erprobte Lokalmatadore aus unterschiedlichen Genres. Darüber hinaus gibt Hecht Stuy anspruchsvollen und intelligenten Hip Hop zum Besten, während Ogrom -Circus Psychedelic Rock und Satzgesang mit dem Publikum verschmelzen lässt. Ebenfalls am ersten Tag des BANDSTAND 2016 dabei: Tourette Boys, Brie, Marathon und Dikloud. Eine Mischung, die nicht nur den ersten Tag abrunden, sondern vor allem Lust auf eine Fortsetzung entstehen lassen wird. Diese folgt dann direkt am Sonnabend. Und auch hier wurde im Programm nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ganz vorn im Konzertreigen dabei: Pianist, Organist und Komponist Jochen Aldinger mit seiner Band DOWNTOWNBEAT¬CLUB (Gitarre: Konni Behrendt/Schlagzeug: Matthias Macht). Stilistisch in ähnlichen Gefilden beheimatet, dennoch ganz eigene Wege einschlagend, ist der Sound von Seraleez. Zudem gibt es ein Feature der besonderen Art zu hören, denn Alex Stolze, seines Zeichens Mitgründer von Bodi Bill und Unmap, sowie Christian Grochau, bekannt durch seine Arbeit bei Polarkreis 18, werden gemeinsam auf der Bühne stehen. Außerdem im Programm: Bates Mo¬tel, Ghost Radio, Sojus 1, Ätna, Stjarna, qrauer und Ansa. Abermals sind also unzählige Bands und Musikprojekte der Dresdner Musikszene unter einem Dach versammelt. Und zugleich wagt der BANDSTAND zum vierten Mal das spannende Experiment, so viele unterschiedliche Musikstile und professionelle Musiker unter ein gemeinsames Label zu bringen und mit dem Publikum zusammenzuführen. Zudem sei verraten, dass neben aller musikalischer Pracht auch das Auge nicht zu kurz kommen wird, der HELLERAU-Technikcrew sei Dank.

Das Rahmenprogramm des BANDSTAND wird am Freitag übrigens von keinem Geringerem als dem künstlerischen Multitalent Max Rademann geboten, der auch die im Festspielhaus Hellerau monatlich stattfindende Konzertreihe Dienstagssalon moderiert. Am Sonnabend werden dann die stadtbekannten Helden von Banda Internationale das Messing im Sound ihrer Musik glänzen lassen. Darüber hinaus wird es weitere Überraschungen abseits des angekündigten Programms geben. Wir können also gar nicht anders, als jedem einfach nur dringlich zu raten, zum BANDSTAND 2016 zu kommen. Ganz ehrlich!

Thomas Natzschka

Das Line up am Freitag, 25.11.2016
• Brie
• Dikloud
• Goldner Anker
• Hecht Stuy
• Marathon
• Ogrom Circus
• Rummelsnuff
• Sir Robin and the Longbowmen
• Tarentatec
• Tourette Boys
Rahmenprogramm: Max Rademann

Das Line up am Samstag, 26.11.2016
• Alex Stolze (Bodi Bill)/Christian Grochau (Woods of Birnam)
• Ansa
• ÄTNA
• Bates Motel
• ghost radio
• J. Aldingers DOWNBEATCLUB
• qrauer
• Seraleez
• Sojus1
• stjarna
Rahmenprogramm: Banda Internationale

Bandstand 2016

Kulturpolitik 13.10.2016 CETA: Kultur muss jetzt bei vorläufiger Anwendung ausgenommen werden

Bundesregierung werden durch Bundesverfassungsgericht Fesseln bei CETA-Zustimmung angelegt

 

 

Berlin (13.10.2016) Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass das Bundesverfassungsgericht der Bundesregierung Fesseln bei der Zustimmung zum CETA-Abkommen im Handelsministerrat und der vorläufigen Anwendung angelegt hat. Das Bundesverfassungsgericht hatte heute in einem Eilverfahren aufgrund der anhängigen Verfassungsbeschwerden u.a. von Campact, Foodwatch und Mehr Demokratie zu entscheiden, ob die Bundesregierung im EU-Handelsministerrat am 18. Oktober dieses Jahres dem CETA-Abkommen und der vorläufigen Anwendung zustimmen kann.

Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass die Bundesregierung dem CETA-Abkommen und seiner vorläufigen Anwendung zustimmen darf, wenn gewährleistet ist,
• dass ein EU-Ratsbeschluss über die vorläufige Anwendung nur die Bereiche von CETA umfassen wird, die unstreitig in der Zuständigkeit der Europäischen Union liegen,
• dass bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Hauptsache eine hinreichende demokratische Rückbindung der im Gemischten CETA-Ausschuss gefassten Beschlüsse gewährleistet ist, und
• dass die Auslegung des Art. 30.7 Abs. 3 Buchstabe c CETA eine einseitige Beendigung der vorläufigen Anwendung durch Deutschland ermöglicht.
Das Bundesverfassungsgericht hat in seine Entscheidung insbesondere außenpolitische Erwägungen einbezogen. Auch hat das Bundesverfassungsgericht noch nicht entschieden, ob CETA überhaupt verfassungskonform ist. Für diese Entscheidung wird das Gericht voraussichtlich noch zwei Jahre brauchen. Damit Deutschland nach einer grundlegenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch eine Ausstiegsoption hat, muss die Bundesregierung jetzt sicherstellen, dass sie die vorläufige Anwendung einseitig kündigen kann.

Bislang hat die Bundesregierung erklärt, dass sie folgende Bereiche von der vorläufigen Anwendung ausnehmen will:
• Regelungen zum Investitionsschutz, einschließlich Gerichtssystem (Kapitel 8 und 13 CETA)
• Regelungen zu Portfolioinvestitionen (Kapitel 8 und 13 CETA)
• Regelungen zum Internationalen Seeverkehr (Kapitel 14 CETA)
• Regelungen zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsqualifikationen (Kapitel 11 CETA)
• Regelungen zum Arbeitsschutz (Kapitel 23 CETA).
Den Kulturbereich wollte die Bundesregierung bislang von der vorläufigen Anwendung nicht ausnehmen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: »Die gute Nachricht ist, dass das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil letztlich auch gesagt hat, dass die im CETA-Vertrag vorhandenen Bestimmungen zur Kultur von der vorläufigen Anwendung ausgenommen werden müssen, da die EU in der Kultur nur subsidiär handeln darf und die Zuständigkeit für Kultur in den Mitgliedstaaten liegt. Hiervon sind verschiedene Unterkapitel im CETA-Vertrag betroffen. Die Bundesregierung muss jetzt dafür sorgen, dass alle Bereiche im CETA-Vertrag, die die Kultur betreffen von der vorläufigen Anwendung strikt ausgenommen werden. Sollte sie das nicht sicherstellen können, ist eine Zustimmung zur vorläufigen Anwendung ausgeschlossen.«

Wettbewerbe 04.10.2016 Viel Musik, ein Jubiläum und intensive Begegnungen

Internationaler Chorwettbewerb in Jirkov feiert Jubiläum, Oktet Prag gewinnt den Grand Prix

 

Es gab Grund zum Feiern beim Internationalen Chorwettbewerb „Jirkovský Písňovar“ auf Schloss Červený Hrádek (Schloss Rothenhaus) in Jirkov / Tschechien am vergangenen Wochenende. Zum 10. Mal organisierte Luboš Hána, Chorleiter an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem den Chorwettbewerb, der sich in Tschechien großer Beliebtheit erfreut - die Anmeldungen sind jedes Jahr zahlreich. Im grenzüberschreitenden Kooperationsprojekt „Viva la musica – Kultur in den Partnerstädten Chemnitz – Ústí nad Labem und deren Regionen“, das von der Europäischen Union im Kooperationsprogramm Freistaat Sachsen-Tschechische Republik 2014-2020 gefördert wird, ist auch die Sächsische Mozart-Gesellschaft e. V. am Wettbewerb beteiligt. Nach der erfolgreichen Teilnahme des Universitätschores Chemnitz im Jahrgang 2015 war auch diesmal mit den „Poptales“ ein Chemnitzer Ensemble vertreten.

Der Wettbewerb begann mit einem Eröffnungskonzert am 30. September auf Schloss Červený Hrádek, bevor am Sonnabend zwei Blöcke mit Wertungssingen im großen Festsaal - der in diesem Jahr für den Andrang des Publikums fast zu klein erschien - stattfanden. Eine international besetzte Fachjury beurteilte mit gespitzten Ohren das Können der Ensembles streng, jedoch ist das gemeinsam verbrachte Wochenende für die Sänger das eigentliche Ereignis. Viele Teilnehmer kennen sich untereinander und tauschen sich hier über Musik und Performance aus - dazu wurde auch am Sonntag ein Workshop angeboten. Letztes Jahr formierte sich aus den Teilnehmerchören sogar ein eigenes, neues Vokalensemble namens „Ch-tdž“, das diesmal ebenfalls im Wertungssingen antrat, und wenn man durch den nahen Schlosspark spazierte, traf man die Sänger oftmals beim Üben ihrer Arrangements oder einem spontanen, gemeinsamen  Singen an.

Die Auftritte wurden vom zahlreich erschienenen Publikum und den anderen Chören bejubelt, und am Samstagabend kam dann doch enorme Spannung auf, denn natürlich wollten alle wissen, wer die beste Performance gegeben oder das anspruchsvollste Arrangement gesungen hatte. In der Kategorie der Erwachsenenchöre belegte „Ch-tdž“ den 1. Platz, während bei den kleinbesetzten Vokalensembles „Crashendo“ aus Prag siegte; der einzige angetretene Kinderchor „Korálek“ aus Most erhielt ebenfalls eine Auszeichnung. Unter den fünf bestplatzierten Ensembles wurde schließlich in einem weiteren Live-Auftritt der „Grand Prix“ ausgelobt, den „Oktet“ aus Praha für sich entscheiden konnte - somit der diesjährige Sieger des Jirkovský Písňovar. Diese Auszeichnung erhielt Oktet schon zum vierten Mal - zu Recht, wie viele Zuhörer und natürlich auch die Juroren meinten.

Nancy Gibson, Leiterin der Städtischen Musikschule in Chemnitz, war in diesem Jahr in der vierköpfigen Jury besetzt und lobte das außerordentlich hohe Niveau des Wettbewerbes. Die oft in der Freizeit selbständig geleistete, gemeinsame musikalische Arbeit sei sehr hoch zu schätzen - die Interpretationen und Showacts der auch in den Punktwertungen eng beieinander liegenden Ensembles waren eindrucksvoll. Zusätzlich zu den Diplomen - die niedrigste Auszeichnung „Bronze“ kam bei diesem Wettbewerb gar nicht vor - wurden auch einige Sonderpreise vergeben, um etwa die beste Bühnenshow (dieser Preis ging ebenso wie ein Silberdiplom an „Poptales“ aus Chemnitz!), spezielles Repertoire, Ausstrahlung oder Individualität zu würdigen. Schließlich kommt es bei den Pop-Arrangements nicht nur (aber auch) auf die richtigen Töne an - die Freude an der Performance steht ebenfalls im Vordergrund, und wenn die Lebendigkeit der Aufführung sich im Saal entzündete, war der Beifall am größten.

Gemeinsames Feiern stand dann nach der musikalischen „Arbeit“ selbstverständlich auch auf dem Programm. An der Live-Musik im Festsaal wirkten spontan Sänger aus allen Chören mit und Organisator Luboš Hána war in der spontanen Band am Keyboard zu erleben. Viele Gespräche und Kontakte entstanden an diesem Wochenende auf Schloss Červený Hrádek, und „Poptales“ wird sicher intensive Eindrücke mit nach Chemnitz nehmen - beim 11. Jirkovský Písňovar vom 6.-8. Oktober 2017 könnte es durchaus mehr musikalischen Austausch zwischen Sachsen und Böhmen geben. Die herrliche Schlossumgebung in Jirkov ist zudem ein hervorragend geeigneter Ort, um intensiv und gemeinsam zu musizieren, das zeigten auch die Ensemble-Konzerte, die am Sonntag das Jirkovský Písňovar beendeten - ein Chorfestival mit Zukunft, das an nur einem Wochenende das erstaunliche Potenzial und die Kreativität vieler junger Vokalensembles zeigte.

Alexander Keuk

Jirkovský Písňovar - www.jirkovskypisnovar.cz/en/
Ergebnisliste und Rückblick 2016: www.jirkovskypisnovar.cz/en/historie/jp-2016
Sächsische Mozart-Gesellschaft e. V. mozart-sachsen.de

Werbung