Kulturpolitik |

Zukunft der Kulturförderung

Zentrale Erkenntnisse aus der Fachtagung des Deutschen Musikrates im Rahmen seiner diesjährigen Mitgliederversammlung

Am 23. Oktober 2026 veranstaltete der Deutscher Musikrat in Berlin die öffentliche Fachtagung »Zukunft der Kulturförderung«. Im Mittelpunkt: aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Kulturfinanzierung. Synergien in der Kombination der Kulturfinanzierung durch Kommunen, Länder und Bund sowie durch Stiftungen bis hin zur Wirtschaft und nichtstaatlichen Förderern entwickelt und intensiviert werden.

Acht Thesen fassen die wichtigsten Punkte zusammen

1. Bisherige Gewissheiten geraten ins Wanken
»Wir spüren, dass die Welt nicht mehr so funktioniert, wie sie war«, stellte Musikratspräsidentin Lydia Grün fest. Angesichts knapper öffentlicher Kassen und gesellschaftlicher wie politischer Umbrüche gerät das Kulturleben zunehmend unter finanziellen Druck. »Das Erste, was in Krisen verloren zu gehen droht, sind Mut und Zuversicht, Zukunft zu gestalten.« (Martin Zierold).

2. Krisen erfordern Gestaltung statt Resignation
Zierold sprach von einer »Krise des Erwartbaren« und plädierte dafür, Herausforderungen mit dem richtigen Mindset und tragfähigen Strategien zu begegnen. Denn: »Krisenzeiten sind auch Zeiten der Gestaltung«. Man müsse klug überlegen, was man mit den verbleibenden Mitteln mache und welche Wirkung man dabei erzielen wolle (Kirsten Haß).

3. Nicht das Musizieren selbst, sondern seine Strukturen sind gefährdet
Aktuelle Zahlen etwa zum Amateurmusizieren zeigen, wie lebendig die musikalische Praxis ist. Unter Druck geraten jedoch zunehmend die Institutionen und Strukturen, die sie ermöglichen und fördern.

4. Kulturinstitutionen müssen sich neu ausrichten
Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen verlangen ein erweitertes Selbstverständnis und neue Aufgabenprofile. Kulturinstitutionen sollten sich auch als eine »Ressource der Stadt« verstehen – als Orte, die weit über das künstlerische Angebot hinaus gesellschaftliche Wirkung entfalten. Als Best Practice-Beispiel erläuterte Zierold die 2020 in Oslo eröffnete »Deichman Bibliothek«, die durch ihre Ausrichtung als visionärer »Dritter Ort« für eine moderne Transformation stehe. Sie habe zu einer Veränderung der gesamten Bibliothekenlandschaft in Norwegen beigetragen, die inzwischen bei den Menschen dort eine enorm hohe Wertschätzung erfahre.  

5. Es braucht neue Partnerschaften und überzeugende Argumente
Kulturinstitutionen müssen aktiv auf bestehende und neue Partner zugehen und dabei auch unkonventionelle Wege beschreiten. Entscheidend ist, politische Entscheidungsträger/-innen und weitere Akteur/-innen mit überzeugenden Argumenten dafür zu gewinnen, sich für ein vielfältiges Musikleben starkzumachen (Jörg Stüdemann). Zugleich betonte Stüdemann, dass in der Regel der Kulturetat in Städten nur etwa 1–3 % des Gesamthaushalts betrage: Man müsse deutlich machen, dass wirkliche Sparpotenziale eher in anderen Etats liegen.

6. Kulturförderung bedarf einer vernetzten Gesamtstrategie
Eine vorausschauende Kulturplanung bringt die unterschiedlichen potenziellen Förderer und Geldgeber zusammen. Die Grundlage hierfür ist »eine Vision und die Überlegung, wie kluge Strukturen aussehen können« (Stephanie Reuter). Dabei gilt es, die jeweiligen Rollen – etwa die von Stiftungen – und Möglichkeiten gemeinsam zu klären und aufeinander abzustimmen.

7. Finanzielle Resilienz wird immer wichtiger
Wo politische Entwicklungen die Kunstfreiheit, Vielfalt und gewachsene Strukturen der Kulturförderung infrage stellen, wächst der Handlungsdruck, das Kulturleben breiter aufzustellen und seine finanzielle Widerstandsfähigkeit zu stärken.

8. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Neue Wege der Kulturförderung zu entwickeln und tragfähige Partnerschaften aufzubauen, ist eine Aufgabe, die keinen Aufschub duldet. Auch unter schwierigen Bedingungen gilt: Es ist nie zu spät, damit anzufangen.


Quelle: Pressemitteilung des DMR vom 27.10. 2026

Blick von erhöhter Position in einen Konferenzraum. Im Hintergrund sind fünf Personen auf einem Podium sitzend zu erkennen. Davor ein mit Publikum gut gefüllter Saal
Bei der Fachtagung Zukunft der Kulturförderung am 23.10.2026 in Berlin
Foto: DMR © Kevin Fuchs

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