Unter der Leitung des Cellisten Jan Vogler haben sich die Dresdner Musikfestspiele in den letzten Jahren zu einem genreübergreifend kontaktfreudigen Festival entwickelt, das auch Fans verwandter Musikwelten die Hand reichen will.
So bietet Jan Vogler Entdeckungen außerhalb des üblichen ästhetischen Schubladendenkens an - und tappte dabei aus der Sicht alteingesessener Hochkultur-Verteidiger auch schon einmal saftig in ein Crossover-Fettnäpfchen.
Indessen lässt sich der Intendant nicht abschrecken, die Grenzen des Festivals offener zu gestalten. Drei Termine ragen da aus dem 2013er Jahrgang heraus. Zuerst zu nennen wäre da der Auftritt der Geigerin Viktoria Mullova mit dem Matthew-Barley-Ensemble am 25. Mai im Kleinen Schlosshof des Residenzschlosses. Mullova schert mit ihrem Projekt „The Peasant Girl“ aus dem klassischen Konzertzirkus aus, mixt Bartók und Kodály mit Jazz, Volks- und Zigeunermusik. Zweitens spielt das „Ukulele Orchestra of Great Britain“ am 26. Mai in der Semperoper; die Briten balancieren mit ihren kleinen Ukis humorvoll über Genrezäune, interpretieren David Bowie, Schuberts „Forelle“, auch Wagners Walkürenritt.
Mindestens ebenso spannend aber dürfte drittens das große Abschlusskonzert werden, das dieses Jahr im akustisch ertüchtigten Lichthof des Albertinums stattfindet. Zu Gast ist ein musikalischer Tausendsassa, einer, der Musik im Blut hat, ein genialer Grenzgänger. Der in New York geborene Rufus Wainwright ist eigentlich ein Club-Künstler, ein sympathischer Singer-Songwriter, der sich mit Gitarre oder Klavier begleitet und wundervolle, an Ideen schier überbordende Lieder schreibt. Seine Einladung zu den Festspielen hat er sich wohl mit einer anderen Leidenschaft verdient: seine erste Oper „Prima Donna“ war ursprünglich ein Auftrag der Metropolitan Opera New York, feierte in Manchester Premiere und wird nun in Ausschnitten auch in Dresden erklingen.
Und schon am Eröffnungsabend blitzte der Brücken-Gedanke der Festspiele auf: die zweite Zugabe der New Yorker Philharmoniker grüßte launig in Richtung Diexieland-Festival. Die Semperoper-Gäste jubelten...
Martin Morgenstern, DRESDNER Kulturmagazin
