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Der Dolmetscher

Am Samstag ist der Journalist und Musikkritiker Peter Zacher in Dresden gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Die letzten dreißig Jahre war Peter Zacher ein kluger Chronist der kulturellen Zeitläufte. Freundlich, notfalls auch beharrlich stritt er als Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen zwei Legislaturperioden lang für kulturelle Initiativen und Projekte im Dresdner Stadtrat. Der »Sächsischen Zeitung« und den »Dresdner Neuesten Nachrichten« war er jahrzehntelang ein verlässlicher Rezensent, ernstgenommen von den nicht selten deutlich, aber immer fair und vor allem fundiert kritisierten Musikern, in seinem prägnanten Urteil geschätzt auch von den Lesern.
Das heißt nicht, dass Peter Zacher keine musikalischen Vorlieben gehabt und die auch deutlich benannt hätte. Seine musikalische »Erweckung« fand in der Folk- und Singebewegung der DDR statt; er engagierte sich für verschiedene Gruppen und Ensembles unter anderem an der Technischen Universität, veröffentlichte zwei Bücher (»Din don deine. Lieder der Völker Europas« und gemeinsam mit Klaus-Georg Jockel Eulitz »Sing a Song. Lieder der Völker Nordamerikas.«). Vielleicht ist in diesen Ursprüngen auch der Grund dafür zu suchen, dass Peter Zacher die unterschiedlichsten musikalischen Genres wertschätzte und Laienprojekten dieselbe Aufmerksamkeit und journalistische Gründlichkeit zukommen ließ wie den etablierten Orchestern.
»Was ihm wichtig war: die musikalische Ehrlichkeit«, erinnert sich Zachers langjähriger Weggefährte Herbert Lappe. Durch seine Kenntnisse des Hebräischen, die Zacher während seines Studiums der Evangelischen Theologie vertiefte, begann er sich für jüdische Themen zu interessieren. Aus dem auf Zachers Anregung hin gegründeten Arbeitskreis »Begegnung mit dem Judentum«, angesiedelt an der Annenkirche, der bei seinen Veranstaltungen bis zu siebenhundert Gäste anzog, erwuchs 1991 die »Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit«.
Zuletzt zum wohl wichtigsten roten Faden in Peter Zachers beruflichem Leben, das neben Rezensionen, Plattentexten und Portraits auch Übersetzungen, Moderationen etc. umfasste. In Herbert Lappes Worten: »Ein Nobody nimmt mit dem großen Komponisten Mikis Theodorakis Kontakt auf: vielleicht sein größter Verdienst für die Musikwelt der DDR!« Sieben Uraufführungen waren es am Ende, die auf Peter Zachers Vermittlung hin zustande kamen.
Lieder von Mikis Theodorakis werden auch auf der Trauerfeier für Peter Zacher erklingen. Für ihn, den gründlichen Dolmetscher mehrerer Sprachen, vor allem aber den geduldigen Dolmetscher zwischen Musiker und Publikum.

Martin Morgenstern

Peter Zacher 2010, bei einem Vortrag auf dem Grafenegg Festival
Foto: Matthias Creutziger

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