Preisträger im Fach Violoncello
(gd/cs) – Nachdem einen Tag vorher die Preisträger des Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen im Fach Viola gekürt wurden, stand am darauffolgenden 10. Mai 2013 das Violoncello im Finale. Drei junge Cellisten von ursprünglich 76 aus 26 Ländern, die diesen Wettbewerb begonnen hatten, wetteiferten nun um die begehrten Preise, unterstützt wurden sie wieder von der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach unter der Leitung von Jiří Malát, der es wie am Vorabend wieder verstand, die jungen Solisten mit viel Einfühlungsvermögen sicher durch die drei Sätze (Allegro, Adagio ma non troppo, Finale. Allegro moderato) des berühmten Konzertes für Violoncello und Orchester h-moll op. 104 von Antonín Dvořák zu führen. Dieses Konzert ist geradezu prädestiniert für ein Orchesterfinale, denn zum einen verlangt es dem Solisten alles ab, zum anderen kann dieser aber auch alles zeigen.
Als erster Finalist kam Bruno Delepelaire, geboren 1989 in Frankreich, auf die Bühne. Er begann bereits mit 5 Jahren Cello zu spielen und studierte dann ab 2009 am Pariser Konservatorium bei Prof. Muller. Zudem besuchte er Meisterklassen von Jens Peter Maintz, Wolfgang-Emanuel Schmidt, François Salque, Wen-Sinn Yang und Wolfgang Böttcher. Erste Preise errang er beim Wettbewerb der Internationalen Musikakademie in Flaine, beim Léopold-Bellan-Wettbewerb und beim internationalen „Karl Dividoff Cellowettbewerb“. Als Solist war er in Deutschland bereits mit dem Münchner Rundfunkorchester zu hören. Seit Oktober 2012 ist Delepelaire Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philhar-moniker und seit 2013 Student an der UdK Berlin bei Jens Peter Maintz.
Bruno Delepelaire überzeugte mit einem wunderbaren Klang und einer sehr reifen Interpretation dieses wunderbaren Konzertes. Er entlockte seinem Instrument besonders im 2. Satz die zartesten Töne, er lässt es förmlich singen. Mit seiner etwas introvertierten Gestaltung hatte er es allerdings gelegentlich etwas schwer, sich gegen den starken Orchesterklang durchzusetzen.
Der nächste Anwärter auf einen der drei Preise ist Sol Daniel Kim. Er wurde 1990 in Wien geboren und bekam im Alter von 6 Jahren seinen ersten Cellounterricht. Entschlossen, den Weg eines Cellisten einzuschlagen, ging er im Jahr 2000 an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und wurde dort von Christine Vitoux-Erben und Valentin Erben in die Vorbereitungsklasse aufgenommen. Nach 9 gemeinsamen Jahren wechselte er schließlich zur Klasse von Heinrich Schiff, bei dem er von 2009 bis 2012 studierte und mit Auszeichnung den 2. Studienabschnitt (Bachelor) absolvierte. Derzeit studiert er im Masterstudiengang bei Jens Peter Maintz an der Universität der Künste in Berlin. Im Jahr 2007 wurde er mit 16 Jahren als jüngstes Mitglied des UBS Verbier Festival Orchestras aufgenommen und hatte die Möglichkeit, mit berühmten Dirigenten wie Manfred Honeck, Charles Dutoit, Esa-Pekka Salonen, Sir Andrew Davis und renommierten Solisten wie Anne Sophie Mutter, Joshua Bell und Evgeny Kissin zu musizieren. Es folgte eine Tour mit dem UBS VFO mit Martha Argerich und Charles Dutoit durch die USA und Europa, wo er in berühmten Sälen, wie der Walt Disney Hall in Los Angeles, Avery Fisher Hall in New York und der Züricher Tonhalle, um nur einige zu nennen, spielte.
Sein Vortrag des Konzertes war leidenschaftlicher und temperamentvoller, doch leider manchmal auf Kosten einer sauberen Intonation. Sein 2. Satz strahlte Sanftheit und Melancholie aus. Er schöpfte die Klangvielfalt seines Instrumentes voll aus und bekam für seinen Vortrag viel Beifall von den zahlreichen Zuhörern.
Edward King aus Neuseeland beendete mit seinem Vortrag diese Finalrunde und somit auch Wertungsspiele innerhalb des Wettbewerbes. Er gab in seinem Heimatland zahlreiche Konzerte, u.a. mit dem New Zealand Symphony Orchestra, dem Kammerorchester Opus und dem Christchurch Symphony Orchestra sowie Solo- und Kammermusikkonzerte. Als Mitglied des Leonari Trio, bereiste Edward King 2010 Großbritannien und gab Konzerte an Orten wie St-Martin-in-the-Fields, St. James Piccadilly sowie beim Budleigh Salterton Summer Festival und dem Edinburgh Festival Fringe. Er ist Preisträger bei internationalen Wettbewerben, u.a. beim 43. NZ Nationale Concerto Competition (1. Preis), beim 19. Gisborne International Music Competition (3. Preis), beim Johann Andreas Stein-Wettbewerb (1. Preis) und beim Internationalen Lutosławski-Wettbewerb in Warschau (3. Preis).
Edward King belegte Meisterkurse bei Franz Helmerson, Uzi Wiezel, Philippe Muller, Gautier Capuçon, und Ralph Kirshbaum. Derzeit studiert er bei Prof. Julius Berger am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg. Auch er zeigte eine sehr differenzierte Gestaltung in den drei Sätzen. Leider wurde seine sehr feinfühlige Interpretation des 2. Satzes vom Orchesterklang etwas zugedeckt. Im 3. Satz bewies er ebenfalls große Virtuosität und Leidenschaft.
Es waren drei Finalisten und drei verschiedene, aber auch überzeugende Interpretationen des Cellokonzertes. Sie standen am Ende eines außerordentlich anspruchsvollen und hochklassigen Wettbewerbes. Einigkeit herrschte unter den Juroren, Prof. Josef Schwab (Deutschland – Vorsitz), Prof. Claudio Bohórquez (Deutschland/Peru/Uruguay), Prof. Danjulo Ishizaka (Japan), Prof. Zdzisław Łapiński (Polen), Prof. Jelena Očić (Kroatien), Prof. Csaba Onczay (Ungarn), Prof. Jeffrey Solow (USA) und Prof. Torleif Thedéen (Schweden) unter der Präsidentschaft von Prof. Julius Berger, dass der Wettbewerb auf höchstem internationalen Niveau stattfand und mit eben diesen Maßstäben auch die Preisvergabe erfolgte:
1. Preis: Bruno Delepelaire (Frankreich)
3. Preis: Sol Daniel Kim (Österreich
3. Preis: Edward King (Neuseeland)
Foto: Ellen Liebner
