Prosa| Проза (Musiktheater)

Mit „Prosa“ hat Regisseur und Komponist Vladimir Rannev ein eigenes Genre geschaffen. Diese Oper vermischt kunstvoll zwei Erzählungen des russischen Realismus zu einem neuen multimedialen Bühnenwerk.

Die comic-ähnlichen Animationen Marina Alexeevas visualisieren Yury Mamleevs „Der Bräutigam“. Nach dem Tod ihrer siebenjährigen Tochter bei einem Autounfall müssen die Kondratovs lernen, neu zu leben. Sie sehen ihre Rettung in der “Adoption” von Wanja Gadov, der unfreiwillig den Tod ihrer Tochter verursacht hat. Zunächst ängstlich auftretend, verwandelt sich dieser gedankenlose Lastwagenfahrer, ein Waisenkind, zunehmend in einen Tyrannen. Aus der zweiten Erzählung, Anton Tschechows „Die Steppe“, singt ein Vokalensemble Fragmente. Der Junge Jegoruschka verlässt sein Heimatdorf, um von entfernten Verwandten aufgezogen zu werden. Die Natur um ihn herum beginnt, seiner Mutter zu ähneln, während die neue Welt, die auf ihn wartet, unklar und erschreckend ist. Jegoruschka muss einen Weg finden, in dieser Welt zu leben und vielleicht sogar erfolgreich zu sein – das heißt, sich in Mamlejews Wanja zu verwandeln.

 

Beide Erzählungen zeigen ein Individuum inmitten einer traumatischen und gefährlichen Welt. Durch die künstlerischen Ebenen Bild und Gesang macht „Prosa“ die Komplexität von Beziehungen in unserer modernen Gesellschaft poetisch erfahrbar und entwickelt einen bild- und klanggewaltigen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

 
10.01.2020
20:00 Uhr

Dresden, Hellerau, Festspielhaus

Dresden

HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste
Mehr Informationen

Werbung