Allgemein 29.04.2014

Nach Schokolade und Seife nun Harz und Pferdehaar

Sieben Jahre ist es her, dass Kim Baker nach Dresden zog. Nach Stationen in England, Asien und – natürlich! – Cremona hat die Geigenbaumeisterin ihr berufliches Glück in der Neustadt gefunden: Die Werkstatt, die sie sich mit dem Gitarrenbauer Jost von Huene teilt, liegt im Seitentrakt der hundert Jahre alten »Blauen Fabrik« auf der Prießnitzstraße, einer ehemaligen Schokoladenfabrik und späteren Wäscherei.

Mit neunzehn hatte Kim Baker 1993 ihre dreijährige Ausbildung im Fach Geigenbau an der "Newark School of Violin Making" begonnen, arbeitete direkt im Anschluss in der Werkstatt von Sandra Wagstaff in Hongkong. "Aber ich war eigentlich schon immer interessiert an der deutschen Handwerkstradition, und wollte das unbedingt aus der Nähe erleben!" So schrieb sich die Geigenbauerin 2003 erneut für das Studium ein, in Markneukirchen; diesmal für vier Jahre. Sie lernte die letzten Feinheiten des Instrumentenbaus kennen, lernte das Holz zu verstehen und komplexe Lacke zu mixen. 2008 hielt Kim Baker ihr Abschlusszeugnis, 2009 ihren Meisterbrief in der Hand. 

Während des Studiums hatte sie den Gitarrenbauer Jost von Huene kennengelernt, der lud sie nun ein, ob sie mit ihm in einer Gemeinschaftswerkstatt arbeiten wolle. "Jost war nach Dresden gezogen, hatte diese wunderschöne Werkstatt hier gefunden, in den Räumen war früher eine Schokoladenfabrik, dann eine Wäscherei. Da wir uns schon während des Studiums gut verstanden hatten, habe ich ja gesagt und bin 2007 hergezogen." Dass in Dresden schon viele renommierte Kollegen ansässig sind, schreckte sie nicht: "ich dachte, die Stadt gibt das doch her. Und gerade hier in der Neustadt, mit ihrer jungen, auch alternativen Musikszene, haben nur wenige Kollegen ihre Werkstatt."

Ohne, dass sie groß Werbung machen musste, fand Kim Baker in den folgenden Monaten ihre Kundschaft, "ein bisschen von allem": Streicher aus den größeren Orchestern, der Musikhochschule und dem Konservatorium, aber auch aus privaten Musikschulen und dem Amateurbereich. Sie mag Abwechslung bei der Arbeit, restauriert, repariert, auch neue Instrumente entstehen. Ob sie in Dresden alt wird? Kim Baker lacht. "Altwerden passiert mir leider jeden Tag. Klar, man weiß nicht, was hinter der nächsten Ecke ist. Aber gerade jetzt bin ich hier sehr, sehr glücklich..."

Foto: Martin Morgenstern

Foto: Martin Morgenstern

Kim Baker
Meisterwerkstatt für Geigenbau
Prießnitzstr. 44 (HH, Eingang über die Prießnitzstraße 48 durch den Hinterhof)
01099 Dresden

Öffnungszeiten:
Freitag 9-12 Uhr, 14-18 Uhr
und nach Vereinbarung
Tel: 0351 8023126

www.kim-baker.de

 

Werbung