Personalia 19.05.2017

Mozartpreis 2017 geht an Václav Luks

Wolfgang Amadeus Mozart in Sachsen, das ist eine lange Geschichte. Der Meister aus Salzburg ist in Dresden gewesen, er war in Leipzig und ist mehrfach durch Sachsen gereist. Nur in Chemnitz ist er nie gewesen – aber ausgerechnet dort gibt es das Sächsische Mozartfest!

Seit nun schon mehr als einem Vierteljahrhundert kommen hier Mozart-Freunde und -Interpreten auf ihre Kosten. Im aktuellen Jahrgang, der am 12. Mai eröffnet worden ist, überwindet das Mozartfest sogar Staatsgrenzen und klingt über Sachsen hinaus in die ganze Region, denn das Motto ist »Mozart und Böhmen«.

»Meine Prager verstehen mich!«, freute sich Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1787 nach der gefeierten Uraufführung seines »Don Giovanni« in Prag. Genau 230 Jahre sind seitdem vergangen und in Prag ist Mozart nach wie vor höchst beliebt. Grund genug für das Sächsische Mozartfest, das nahe Böhmen als Schwerpunkt des diesjährigen Programms anzulegen.

Neben Mozarts Prager Erfolgen werden im aktuellen Programm auch böhmische Komponisten wie etwa Josef Myslivecek und Jan Dismas Zelenka zu hören sein. Ein Höhepunkt im Eröffnungskonzert war aber die Vergabe des Sächsischen Mozart-Preises an den tschechischen Dirigenten Václav Luks. Ein äußerst vielseitiger Künstler: Cembalist, Hornist und Dirigent, der stets auch musikwissenschaftlich von sich reden macht.

Václav Luks, Gründer und Leiter des Prager Barockorchesters Collegium 1704, hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Salzburger Meister: »Mozart ist für mich ein Mysterium. Ich habe nur bei Mozart derartige Erlebnisse gehabt, dass man eine Melodie, ein Thema hört, und sofort denkt, das ist ja wie vom Himmel abgeschrieben. Ein Thema, das einen so berührt, und man weiß eigentlich gar nicht, warum. Die einfachste Melodie hat so viel Geist, unglaublich Menschliches und Göttliches zugleich. Das ist ein Mysterium, das man überhaupt nicht erklären kann.«

Der 1970 in Böhmen geborene Musiker verfügt durchaus über etwas, das getrost als ganz persönliches Verhältnis zu Mozart bezeichnet werden darf: »Meine erste wichtige Begegnung mit Mozart war ganz schicksalshaft. Das war der Moment, in dem ich mich als Kind entschieden habe, Musik zu meiner Lebensaufgabe zu machen.« Václav Luks war etwa zwölf Jahre alt, als er im Fernsehen den ersten Satz der »Kleinen Nachtmusik« erlebte. »Das war damals wirklich ein Schlüsselaugenblick für mich. Und wiederum, so einfach: Ein Quintakkord.«

Was ganz gewiss mit daran lag und liegt, dass man Musik eben überall versteht! Für Václav Luks ist dies auch der Grund dafür gewesen, sein künstlerisches Projekt »Musikbrücke Prag – Dresden« ins Leben zu rufen. »Diese tschechisch-deutschen, böhmisch-sächsischen Beziehungen habe ich mir zur Aufgabe genommen. Beide Länder waren sich kulturell immer sehr nah. Wenn Mozart nach Deutschland gereist ist, musste er stets über Prag fahren. Also hat schon er diese Musikbrücke gebaut.«

Wie Europa zu Mozarts Zeiten wahrgenommen wurde und Nationalitäten weniger wichtig gewesen sind, das sieht Václav Luks als »gute Inspiration« auch noch im Heute. Er nimmt diese Inspiration auf und lebt sie mit seiner künstlerischen Arbeit, das ist für ihn selbstverständlich – und für die Sächsische Mozart-Gesellschaft Grund genug zu dieser Ehrung, über die sich der vielseitig tätige Künstler sehr freut: »Das ist natürlich eine großartige Sache, ich bin sehr dankbar, weil das ein Zeichen ist, dass meine Aktivitäten ein Echo gefunden haben, und dass das willkommen ist. Für jeden Menschen, der sich künstlerisch betätigt, ist es doch wichtig, eine Resonanz zu spüren. Unser Tun soll sinnvoll sein.«

Václav Luks hat den Sächsischen Mozartpreis während des Eröffnungskonzerts zum diesjährigen Mozartfest entgegengenommen. Damit hat er einen fulminanten Auftakt gesetzt. Dieses Fest unter dem Titel »Mozart und Böhmen« währt dieses Jahr bis zum 28. Mai und wird zwischen Chemnitz und Zschopau, in Sachsen und Böhmen noch viele künstlerische Höhepunkte im Zeichen des Salzburger Wunderkinds bieten.

Michael Ernst

Václav Luks und Simona Houda-Šaturová
Foto: Wolfgang Schmidt

 

Werbung