Allgemein 23.10.2019

300 Jahre europäische Kulturgeschichte aus der Musikstadt Leipzig

Breitkopf & Härtel präsentiert Chronik zum Verlagsjubiläum

Von Leipzig aus schrieb Breitkopf & Härtel europäische Musik- und Kulturgeschichte! Die anlässlich des 300-jährigen Verlagsjubiläums erschienene Chronik (herausgegeben von Verlagslektor Thomas Frenzel, VÖ: 18.10.2019, 504 Seiten) lässt die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, charakterisiert durch zahlreiche Pionierleistungen und anekdotische Begebenheiten, lebendig werden. Die Entstehung der gesamten Musikverlagsbranche sowie die Entwicklung Leipzigs zur Musikstadt und zum »Mittelpunkt des Weltbuchhandels« wird dabei ebenso illustriert wie die Tatsache, dass Breitkopf & Härtel wesentlich zu beidem beigetragen hat. Historische Bild- und Textdokumente, Aufsätze zur thematischen Vertiefung sowie Anekdoten zeichnen ein abwechslungsreiches Bild von dem Unternehmen: Es steht  u.a. für die Erfindung des Notentypendrucks, die ersten postumen Drucke der Werke Johann Sebastian Bachs, die Veröffentlichung der ersten Gedichte Goethes. Außerdem verfügte Breitkopf & Härtel zeitweise über den größten verlagseigenen Druckereibetrieb weltweit, brachte die ersten Musikalienkataloge mit Werkincipits auf den Markt und bildete zahlreiche Verleger wie C. F. Peters, Giovanni Ricordi und Ernst Rowohlt aus.

Auf fast 200 Jahre Zusammenarbeit blicken dabei der älteste Musikverlag der Welt und das älteste bürgerliche Orchester der Welt, das Gewandhausorchester. Zur Präsentation der Chronik im Gewandhaus verdeutlichten Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz und Verlagsleiter Nick Pfefferkorn die gemeinsame historische Bedeutung beider Leipziger Protagonisten. »In der Entwicklung Leipzigs als Musikstadt spielen Breitkopf & Härtel als Uraufführungsverlag und das Gewandhausorchester als Uraufführungsorchester seit jeher eine essenzielle Rolle. Wir schauen heute auf eine in der Musikwelt einzigartige historische Verbindung, die einen großartigen Rahmen für die Präsentation der Chronik zum 300. Verlagsjubiläum bildet«, so Prof. Andreas Schulz. Uraufgeführt wurden Beethovens Tripelkonzert op. 56 (1808), Schuberts Große Sinfonie C-Dur (1839), Mendelssohns Violinkonzert op. 64 (1845) u.a. Zudem erfuhren die Konzerte und Werke durch Rezensionen in der ersten deutschen Musikzeitschrift, der von Gottfried Christoph Härtel 1789 gegründeten »Allgemeinen musikalischen Zeitung«, große Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Verleger waren u.a. Mitglied der Direktion des Gewandhauses und Mitbegründer der Bach-Gesellschaft zu Leipzig.

2019 knüpfen der Verlag und das Orchester an erfolgreiche Zeiten an. Den Beginn macht ein Grosses Concert am 18. Oktober 2019 mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons und dem Cellisten Gautier Capuçon. Auf dem Programm stehen Werke von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner, die sich alle im Verlagsprogramm befinden. Zu Beginn erklingt Gustav Mahlers 2. Satz (Blumine) aus der 1. Sinfonie, gespielt aus der neuen Mahler-Edition von Breitkopf & Härtel. Eine weitere Kooperation folgt zum Mahler-Festival in Leipzig (13.–24. Mai 2021).

Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig Dr. Skadi Jennicke: »Der Verlag Breitkopf & Härtel hat die Entwicklung Leipzigs zur Musikstadt und die europäische Kulturgeschichte auf außergewöhnliche Weise geprägt: Er ist der älteste Musikverlag der Welt. Der Verlag publizierte die erste wissenschaftliche Gesamtausgabe der Werke von Johann Sebastian Bach sowie Gesamtausgaben etwa von Felix Mendelssohn Bartholdy und Hanns Eisler. Ich bin stolz und dankbar, dass sich der Verlag seit 2017 mit einer Außenstelle wieder am Gründungsort Leipzig befindet. Ich gratuliere voller Hochachtung zum 300-jährigen Gründungsjubiläum!« 

Verlagsleiter Nick Pfefferkorn: »Der international geschätzte Verlag mit seinen wertvollen Archivbeständen, einer Backlist von 25.000 lieferbaren Titeln und seiner bedeutenden europäischen Kulturgeschichte sucht seinesgleichen. Mit der Chronik heben wir einen Schatz, der uns Ansporn zur Fortführung dieser Tradition liefert und gleichzeitig Energie für neue Wege freisetzt – getreu unserem richtungsweisenden Leitmotiv First in music.« Zu den aktuellen herausragenden Projekten bei Breitkopf & Härtel zählen die Edition sämtlicher Sinfonien von Gustav Mahler und die neue Reihe »Breitkopf Originals« – Kostbarkeiten des Verlagsprogramms, vorrangig im Bereich Kammermusik, sind als hochwertige und originalgetreue Reprintausgaben erhältlich.

Das 1719 in Leipzig von Bernhard Christoph Breitkopf gegründete Unternehmen, basierend auf einer kleinen Druckerei aus dem Jahre 1542, etablierte sich schnell zu einem Fachverlag für schöngeistige und wissenschaftliche Literatur. Dem erstaunlichen Erstwerk, einer hebräischen Bibel (1725) folgten Johann Christoph Gottscheds wichtige theoretische Schriften und Zeitschriften sowie Schemellis Musicalisches Gesang-Buch (1736). Der von Johann Gottlob Immanuel Breitkopf 1755 entwickelte Notentypendruck mit beweglichen Lettern revolutionierte die bisherige Notendrucktechnik und legte damit den Grundstein für den Musikverlag. So setzte der Verlag Maßstäbe mit der ersten wissenschaftlichen Gesamtausgabe der Werke von Johann Sebastian Bach sowie den Gesamtausgaben u.a. von J. Haydn, W.A. Mozart, L.v. Beethoven, F. Schubert, R. Schumann, J. Brahms, F. Mendelssohn Bartholdy (1997), J. Sibelius (1998) und H. Eisler (2002). Mit der 1798 gegründeten »Allgemeinen musikalischen Zeitung« prägte der Verlag den Kanon der Wiener Klassik. Als einer der ersten Klavierbauer in Leipzig produzierte das Unternehmen  von 1806–1872 Instrumente, von denen u.a. Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt schwärmten.

Zu seiner Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts waren knapp 1000 Mitarbeiter bei Breitkopf & Härtel angestellt. Das neue Verlagshaus in der Nürnbergerstraße verfügte über einen der weltweit größten und modernsten Buchdruck-Maschinenesaal der Welt (1880 m2).  Auch in den Niederlassungen in Brüssel, London und New York florierte das Geschäft.

Die noch heute lieferbaren Titel der Orchester- und Kammermusikbibliothek gleichen einem Streifzug durch die Epochen. Viele Standardwerke liegen in »Breitkopf Urtext«-Neuausgaben vor. Hinzukommen die Schwerpunkte »Neue Musik« »Soloinstrumente«, »Pädagogik«, »Musikwissenschaft«, »Musiktheater« und »Imprints«.

Die Gedenktafel in der Leipziger Universitätsstraße 18
Foto: Christian Kern

Breitkopf & Härtel: 300 Jahre europäische Musik- und Kulturgeschichte
Herausgegeben und kommentiert von Thomas Frenzel
BV 485 | 504 Seiten | 24,5 x 30,5 cm | ISBN: 978-3-7651-0485-5 | Leinen, Fadenheftung
Erscheinungsdatum: 18. Oktober 2019

Bis zum 31.12.2019 ist die Chronik zum Jubiläumspreis von 78 Euro, ab 1.01.2020 zum Preis von 98 Euro erhältlich

Thomas Frenzel, geboren 1957. Studium der Musikwissenschaft in Leipzig. Dramaturg an der Oper Leipzig (1990–1992), Lektor für Musikbuch und/oder wissenschaftliche Gesamtausgaben an Musikverlagen in Leipzig (Deutscher Verlag für Musik 1986–1990), Mainz (Schott Music 1992–2004) und Wiesbaden/Leipzig (Breitkopf & Härtel 2008ff.). Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen und beim Göttinger Bach-Katalog (2005–2008). Seit 1980 als Autor und Herausgeber tätig.

 

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