Corona-Krise 20.05.2020 Alarmstufe ROT

Der sächsischen Clubkultur droht eine Pleitewelle – Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann werden wir in Zukunft kaum mehr Orte haben, an denen das Ende des Ausnahmezustands gefeiert werden kann.

Die Interessensvertretungen der Clubs- und Spielstätten in Leipzig, Dresden und Chemnitz veröffentlichten dieses gemeinsame Positionspapier zur Lage derselben in der mittlerweile achten Woche der Corona-Krise.

 

Die Corona-Pandemie geht inzwischen weit über die Belastungsgrenzen hinaus, die die Dauerkrise der Kultur gesteckt und innerhalb derer man sich mit Müh und Not eingerichtet hat. Clubs und Livemusikspielstätten gehörten zu den ersten Einrichtungen, die im Zuge des Infektionsschutzes geschlossen wurden - aus gesellschaftlicher Verantwortung schlossen sie vielfach noch vor behördlicher Anordnung. Und sie werden höchstwahrscheinlich als letztes wieder in Betrieb gehen dürfen. Zu erwartende Lockerungen, die auch den Kulturbetrieb schrittweise wieder ermöglichen sollen, werden für die Clubkultur aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bzw. nur partiell für gewisse Außenbereiche gelten können. So lange durch Schnelltests und Impfungen die Gästeschaft nicht ausreichend geschützt wird, können Clubbing und Konzerte dynamischer Musikgenres im herkömmlichen Sinne nicht mit ausreichender Sicherheitsvorkehrung durchgeführt werden. Wir stellen uns hier also auf eine lange Zeit der Betriebsschließungen ein. Zudem wären Veranstaltungen mit einer notwendigerweise deutlich geringeren Publikums-Auslastung bei gleichzeitig höherem Personalbedarf (für die Umsetzung der Hygienevorschriften) nicht wirtschaftlich umzusetzen.

Waren die Aussichten der Clubs und Livemusikspielstätten angesichts des sogenannten Clubsterbens auch schon vor Corona nicht besonders rosig, so könnte das mit der Pandemie einhergehende Veranstaltungsverbot nun eine regelrechte Pleitewelle von Spielstätten bedeuten. Die ohnehin prekären Arbeits- und Existenzbedingungen der Clubkultur liegen einem Wechselspiel zwischen Verdrängung (Gentrifizierung), benachteiligender Rechtsgrundlage für Clubs und der mangelnden Anerkennung als eigenständige Kultur zu Grunde. Da eine Vielzahl der Clubs zudem in ihrer Kosten-/Erlösstruktur im Grenzkostenbereich rangieren, können diese im akuten Krisenfall auf kaum Rücklagen zurückgreifen. Je länger die Schließungen andauern, desto näher rückt die Zahlungsunfähigkeit – respektive Verschuldung.

Spenden? Darlehen? Zuschüsse!

Da die wenigsten Musik-Locations institutionell gefördert werden, waren sich die Betreibenden mit dem Shutdown der Clubs schnell ihrer wirtschaftlichen Eigenverantwortung bewusst und es wurden zahlreiche Spendenkampagnen in ganz Sachsen initiiert: für einzelne Kulturbetriebe ebenso wie für Zusammenschlüsse und Verbände. Die Spendenbereitschaft ist überwältigend. Dennoch wird inzwischen sehr deutlich, dass das Bestehen der Clubs ohne weitere Zuwendungen nicht sicherzustellen sein wird. Leider sehen die angebotenen Hilfspakete auf kommunaler Ebene ausschließlich Darlehen vor. Wie bereits erwähnt ist die Kulturproduktion in Livemusikspielstätten jedoch keine gewinnorientierte Unternehmung, daher können nur selten Rücklagen gebildet bzw. Kredite zurückgezahlt werden. Angesichts der ungewissen Zukunft, von der wir alle nicht wissen können, was Teil-Isolation, Social Distancing und rezessive Tendenzen an Einfluss auf das Ausgehverhalten haben werden, stellt die Aufnahme von Schulden eine unzumutbare Belastung für diese Kulturbetriebe dar. Nur weitere Zuschüsse können die Clubs über die Zeit der Betriebsschließungen und darüber hinaus retten. Was die wichtigen, aber nicht ausreichenden Hilfszahlungen des Bundes anbelangt, müssen wir vor allem gravierende Lücken in Bezug auf Clubbetriebe mit mehr als 10 Arbeitnehmer*innen bescheinigen. Eine Ergänzung staatlicher Hilfen auch für diese Unternehmensgröße sehen wir als unumgänglich an.

Die Liquiditätsengpässe der Clubs verschärfen auch die ohnehin oft problematischen Beziehungen zu Eigentümer*innen und Vermieter*innen und manch eine*r sieht nun die Chance gekommen, die unliebsamen, weil wenig lukrativen Mieter*innen loszuwerden. So werden trotz des erhöhten gesetzlichen Mieterschutzes in Krisenzeiten zurzeit vermehrt Drohungen ausgesprochen, Verträge zu kündigen oder nicht zu verlängern. Und ohne längerfristige Mietverträge können wiederum auch die offerierten Darlehen nicht beantragt werden.

Club – Kultur – Arbeit

Weitreichende Konsequenzen haben die Schließungen natürlich auch für die vielen hundert Kulturarbeiter*innen in sächsischen Clubbetrieben. Es muss befürchtet werden, dass sich die oftmals geringfügig Beschäftigten aufgrund anhaltender Verdienstausfälle einen anderweitigen Lohnerwerb suchen und bei einer Wiederinbetriebnahme nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Neues Personal müsste dann akquiriert und eingearbeitet werden, was eine erhebliche Schwierigkeit besonders in den bisweilen szenewirtschaftlich organisierten Kulturbetrieben darstellen dürfte. Anders als die geringfügig Beschäftigten erfahren die ebenfalls zahlreich in der Clubkultur aktiven Solo-Selbständigen dankenswerterweise finanzielle Unterstützung. Allerdings wird diese nicht nachhaltig sein, wenn deren Auftraggeber*innen im clubkulturellen Kontext keine oder unzulängliche Finanzhilfen erfahren und deswegen nach der Corona-Krise schlicht nicht mehr existieren. Dies gilt insbesondere für die zahllosen Künstler*innen. Und auch für die übrigen Beschäftigten sind Clubs zumeist mehr als nur ein bloßer Zuverdienst. Nicht selten spielen sie eine Schlüsselrolle als Inkubatoren für diverse Arbeitsbiografien in der Nachtökonomie und darüber hinaus; in den Bereichen Kultur- und Eventmanagement, Veranstaltungstechnik, Marketing, Grafikdesign, etc. und nicht zuletzt für Musikproduktion und DJing. Insbesondere den viel umworbenen »Jungen Kreativen« bietet die sächsische Clubkultur nicht nur ein breites Angebot zur Freizeitgestaltung, sondern auch zur Vernetzung und Betätigung.

Standort-Faktor »Freiraum«

Ein Verlust dieser zumeist kleinen und mittleren Clubs und Livemusikspielstätten mit ihrem äußerst ausdifferenzierten Angebot würde der sächsische Kulturlandschaft erheblich und nachhaltig schaden. Diese soziokulturellen Orte und die Szenen, die sich um sie herum bilden, spielen eine immense identitäts- und gemeinschaftsstiftende Rolle für eine Vielzahl längst nicht nur jugendlicher Menschen. Viele dieser Clubs stellen auch unentbehrliche geschützte Räumen für in unserer Gesellschaft marginalisierte Menschen dar. Sie bieten die Möglichkeit, sich und die Musik leiblich zu erfahren und dem Alltag zeitweise in einen Zwischenraum zu entfliehen, in dem Herkunft, Geschlecht und Lebensweise keine übergeordnete Rolle spielen.

Nicht zu vernachlässigen ist jedoch auch die kultur- und kreativwirtschaftliche Dimension dieser Freiräume. Das betrifft weniger die Umsätze der Clubbetriebe selbst, zumal hier vor allem die Umgebungsökonomie zu Buche schlägt, also Gewerbe im Kontext der Clubkultur wie etwa Marketing, Veranstaltungstechnik, Getränkehandel, Zulieferer, Nah- und Fernverkehr, Gastronomie, Hotellerie, etc.

Entscheidend ist jedoch vielmehr der weiche Standort-Faktor »Clubkultur«, insofern nämlich Musik-Locations zur kulturellen Aufwertung ihrer Umgebung beitragen, das Nachtleben ergänzen und die Lebensqualität und das Image urbaner Gebiete verbessern. Zwar profilieren sich Städte wie Leipzig und Dresden lange schon als Musikstädte. Doch dazu gehört neben den prestigeträchtigen Opern und anderen renommierten Konzerthäusern auch die quirlige freie Clubkultur, die die urbanen Nächte mit einem modernen und mannigfaltigen kulturellen Angebot belebt. Diese lebendigen Clubkulturen – wie wir sie in den sächsischen Großstädten vorfinden – stellen einen noch immer vernachlässigten Wettbewerbsvorteil in der Standortkonkurrenz regionaler, nationaler und internationaler Metropolen dar, der großen Einfluss auf die Stadtentwicklung und den Tourismus hat.

Rettungspaket – Now Or Never

Wir fordern Sie auf, sich im Landtag dafür einzusetzen, dass ein sächsisches Club-Rettungspaket nach dem Vorbild von etwa Köln, Hamburg und Berlin auf den Weg gebracht wird. Der Erhalt der Club- und Livemusikspielstätten bedarf Zuschüsse statt Darlehen und erfordert, dass diese Hilfe unbürokratisch und schnell an die Betreffenden gelangt. Wenn nötig, sehen wir es als geboten an, zu diesem Zwecke bestimmte Etats und Fördertöpfe umzuwidmen, die für Leuchtturmprojekte vorgesehen waren. In dieser historischen Situation sollte der Deichschutz oberste Priorität haben, damit wir eine lebendige Kulturlandschaft vorfinden, sobald das Leben unbeschränkt weitergehen kann.

Der aktuellen Umfrage der LIVEKOMM (Bundesverband für Musikspielstätten) mit Zahlen von April 2020 zufolge, reichen die beantragten und zugesagten Mittel für knapp ein Drittel der Clubbetreibenden bis Mitte Mai 2020 und für 46,6% der befragten Livemusikspielstätten reichen die bisher getätigten staatlichen Hilfen bis Mitte Juni 2020. Obwohl schon alle notwendigen Maßnahmen getroffen wurden (70% der Clubbetreibenden haben Kurzarbeitergeld beantragt, 48% lassen ihr Personal in Homeoffice arbeiten und knapp 30% mussten sogar Arbeitnehmer*innen entlassen), erwarten 75,6% der Clubbetreibenden, 60,3% de Konzertveranstalter*innen und 55,9% der Festivalorganisator*innen in den kommenden drei Monaten die Insolvenz. Die zahlreichen solidarischen und kreativen Selbsthilfe-Kampagnen samt innovativen Angeboten der Online-Kulturvermittlung können allenfalls eine gewisse Verlängerung dieser Galgenfrist darstellen. Von der LIVEKOMM wurde ein bundesweiter Schaden von knapp 44 Mio. € allein für die Clubkultur und kleinere Festivals ermittelt.

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann werden wir in Zukunft kaum mehr Orte haben, an denen das Ende des Ausnahmezustands gefeiert werden kann. Bitte helfen Sie uns und tragen Sie dazu bei, dass die sächsische Clubkultur dieser Pandemie nicht zum Opfer fällt!

Corona-Krise 11.05.2020 Private Kulturveranstalter fordern Hilfsangebote zum Überleben der Szene

Demonstration am 13. Mai um 11 Uhr auf dem Filmnächte-Gelände am Elbufer in Dresden

Kontakt: Kilian Forster, Intendant Jazztage Dresden & freischaffender Musiker




 

Der Freistaat Sachsen hat mit den Musikschulen und Hochschulen eine hervorragende Ausbildung für kreative Künstler geschaffen. Was nützt jedoch die beste Ausbildung, wenn jetzt die Auftrittsmöglichkeiten verboten werden und danach die freien Veranstalter reihenweise in der Insolvenz oder im Konkurs landen. Wir bitten daher um sofortige Weichenstellung für allgemeine, oftmals auch maßgeschneiderte Hilfsangebote in den Dimensionen, die die freie Veranstaltungsbranche und die Künstler zum Überleben benötigen.

Die Forderungen sind am Beispiel der Jazztage Dresden, die ohne direkte Hilfe von mindestens 20% des Vorjahres-Nettoumsatzes nicht mehr überlebensfähig sind, ein Anfang zum kreativen Ideenaustausch mit dem Ziel, eine tatsächliche Substanzsicherung der freien Veranstalter, der Veranstaltungswirtschaft und der freien Künstler zu realisieren. Manche Forderungen ergänzen sich oder greifen ineinander. Überförderungen sind natürlich auszuschließen.

Die Jazztage Dresden mit jährlich rund 40.000 Besuchern stehen vor dem sicheren Schicksal, nach aktuellem Insolvenzrecht ab September 2020 einfach von der Bildfläche zu verschwinden. Um dies bei den Jazztagen und bei vielen anderen zu verhindern, starten die Jazztage Dresden diese Initiative. Die Forderungen werden die Branche, auch in wöchentlichen Demonstrationen, unter dem Motto »Stumme Künstler« zusammenbringen und weitere Fälle von unvermeidlichen Insolvenzen zum Vorschein bringen, wenn nicht umgehend geholfen wird. Die erste Demonstration wird unter voller Einhaltung der Hygienevorschriften am Mittwoch, den 13. Mai um 11 Uhr auf dem Filmnächte-Gelände am Elbufer mit den überlebensgroßen Konzertfotografien der Künstler stattfinden.

Der Freistaat Sachsen hat mit seinen immensen kulturellen Schätzen aus Jahrhunderten hier die Möglichkeit, als lebendiges und kulturell leuchtendes Beispiel gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Für unsere Gesellschaft und mit einer florierenden freien Kulturszene, die weitreichende positive Auswirkungen auf unser soziales Miteinander kreiert, den Tourismus nachhaltig befördert und damit mittelfristig auch wirtschaftlich wieder erfolgreich ist.

Forderungen:

  • Aufnahme von gemeinnützigen Veranstaltern in den Bereich der Empfangsberechtigten des SAB Sofortkredites »Sachsen hilft sofort« über 50.000 bzw. 100.000 Euro.
  • Einführung eines Grundeinkommens für freie Künstler in Sachsen analog Bayern für den Zeitraum, in dem keinerlei Konzerte stattfinden durften (Mitte März bis ...). Danach Erweiterung des Grundeinkommens auf die Monate, in denen der Konzertbetrieb eingeschränktem stattfinden kann analog den geltenden Einschränkungen.
  • Anerkennung der persönlichen Lebenshaltungskosten für Soloselbstständige und Personengesellschaften in Höhe von 1.180 Euro je Monat/Person im Corona Soforthilfeprogramm des Bundes analog Baden-Württemberg. Ausweitung auf die noch folgenden Monate ohne Auftrittsmöglichkeiten. Unternehmerlohn muss möglich sein!
  • Staatlich gezahlte Ausfallhonorare der freien Künstler in Höhe des Kurzarbeitergeldes für vertraglich gesicherte und wegen Corona stornierte Auftritte.
  • Umgehend Richtlinien die nachvollziehbar machen, nach welchen Kriterien Veranstaltungen wieder erlaubt sind. Inklusive der Vorgaben, wann und wie die Abstandsregeln aufgehoben werden. Dies ermöglicht eine erhebliche Schadensminimierung von Seiten der Veranstalter.
  • Sofortige Schaffung rechtlicher Möglichkeiten für Veranstalter, Verträge, die vor der Corona-Krise geschlossen wurden, wegen höherer Gewalt zu stornieren oder nachzubessern.
  • Erlass der KSK Zahlungen für Veranstalter in 2020
  • Umsatzsteuersenkungen um 12 % (analog Gastronomie) für alle Veranstalter, unabhängig vom derzeitigen Umsatzsteuerstatus. Weitere Senkung um 0,33% für jeden weiteren Tag, an dem ab dem 1. Juni Veranstaltungen verboten bleiben oder wegen der Hygieneregeln wirtschaftlich nicht zu betreiben sind.
  • Sofortige kostenlose Insolvenzberatung zur schadensminimierenden Überlebensstrategieplanung.
  • Die Kulturpolitik und die Kulturförderung muß alle Sparten und insbesondere auch die freien Künstler berücksichtigen. Gerade in der freien Szene ist die grundlegende Finanzierung viel zu niedrig. Dies ist eine der Ursachen dafür, dass durch geringe Honorare keine Rücklagen gebildet werden konnten und somit viele, auch hochrangige freien Künstler und Veranstalter gezwungen wären, langfristig in die Grundsicherung zu gehen oder, wenn möglich, die Branche zu wechseln. Im Moment geht ohne Berücksichtigung der oben genannten Forderungen bei Vielen pro Monat Auftrittsverbot mindestens ein Jahr Altersrückstellungen zugrunde, sofern dies überhaupt möglich war.

Corona-Krise 06.05.2020 Finanzhilfen für die musische Bildung

Sachsens Kulturministerium unterstützt freiberufliche Musikpädagogen und Musikschulen ab heute mit einem neuen Sofortprogramm in Höhe von rund 6 Millionen Euro

 

Mit dem Programm sollen die Einnahmeverluste der Musikschulen aus Unterrichtsgebühren aufgrund der Corona-Pandemie ausgeglichen werden. Zudem werden 60% der Honorarausfälle von freien oder privaten Anbietern von außerschulischem Musikunterricht ersetzt. »Ich freue mich sehr, dass wir die Musikschulen jetzt in dieser schwierigen Zeit unterstützen können. Denn wir wissen, dass derzeit ein Drittel des Unterrichts an den Musikschulen ausfallen muss. Diese fehlenden Einnahmen wollen wir ausgleichen und so die Musikschulen bestmöglich unterstützen«, betont Kulturministerin Barbara Klepsch. Ausfallen müssen in den Musikschulen derzeit Ensemblearbeit, Gruppenunterricht und der gesamte Bereich der musikalischen Früherziehung. Entsprechend sinken die Einnahmen durch Unterrichtsgebühren um ein Drittel der geplanten Summen.

Der Sächsische Musikrat begrüßt die Finanzhilfen des Freistaates Sachsen für nicht-kommunale Musikschulen sowie für freie und private Anbieter von Musikunterricht. »Das Programm ist eine Wertschätzung gegenüber den vielen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen in Sachsen.
Wir haben uns gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und Abgeordneten des Sächsischen Landtages in den letzten Wochen erfolgreich für solch ein Programm eingesetzt und sind jetzt froh starten zu können«
, sagte Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates.

Die Anträge für Hilfen aus dem Sofortprogramm können beim Sächsischen Musikrat gestellt werden. Die Beantragung ist ab sofort online möglich:

Finanzhilfen für freie und private Anbieter von Musikunterricht
Finanzhilfen für nicht-kommunale Musikschulen

Corona-Krise 04.05.2020 Ein unverzichtbares Kulturgut der Gesellschaft und somit systemrelevant

Offener Brief der Generalmusikdirektoren- und Chefdirigentenkonferenz e.V. zur aktuellen Situation der Opernhäuser und der Orchester in der Corona-Krise

 

Sehr geehrte Frau Staatsministerin für Kultur und Medien Professor Monika Grütters,
sehr geehrte Ministerpräsident*innen,
sehr geehrte Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestages!

Die GMD- und Chefdirigentenkonferenz e.V. fordert klare Vorgaben für eine schrittweise Wiederaufnahme des Opern- und Konzertbetriebes in Übereinstimmung mit den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen und den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Nicht nur Baumärkte, Möbelhäuser und die Fussball-Bundesliga haben eine klare Perspektive und klare Regeln für einen Neuanfang verdient.

Wir sind uns der Risiken eines zeitigen Starts sehr bewusst – glauben jedoch, dass bei weiterer Ausdehnung der Schließungen ohne zeitliche Perspektive einer Lockerung der Spiel- und Probeverbote das deutsche Musikleben und die weltweit einzigartige Stadttheaterlandschaft einen irreparablen Schaden nehmen wird. Dieses einmalige Netzwerk aus öffentlich getragenen Musikinstitutionen und freiberuflichen oder privat organisierten Musiker*innen ist nicht nur ein wirtschaftlich bedeutender Zweig der Kreativwirtschaft, sondern auch ein unverzichtbares Kulturgut der bundesdeutschen Gesellschaft und somit systemrelevant. In diesem Zusammenhang unterstützen wir mit Nachdruck die Forderung der freischaffenden Musiker nach angemessener Hilfe. In der jetzigen Situation sehen wir auch das Bemühen seit 2018 der Bundesrepublik Deutschland um die Aufnahme unserer Orchester- und Theaterlandschaft in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO als gefährdet.

Die weltweite Beeinträchtigung des Lebens und die Beschädigung der Kunst- und Kulturszene ruft uns dazu auf, mit Fantasie, Kreativität und Energie den Menschen gerade in diesen schwierigen Zeiten kulturelle Angebote in Oper und Konzert zu machen. Es versteht sich von selbst, dass dies verantwortungsvoll und sensibel im Einklang mit dem Schutz der Gesundheit der Musiker*innen, Sänger*innen und unseres Publikums geschieht. Wir befinden uns dazu im Gespräch mit der Arbeitsgruppe Gesundheit der Deutschen Orchestervereinigung (DOV).

Wahrscheinlich ist an reguläre Opernaufführungen und Konzerte, wie wir Sie gewohnt sind, noch länger nicht zu denken. Aber es gibt sicher eine Vielzahl alternativer Möglichkeiten für Live-Aufführungen selbst unter Corona-Bedingungen, wie konzertante Opernaufführungen – Open Air – oder Formen in speziellen Regie-Konzepten, die die notwendigen Abstandsregeln einhalten. Klein besetzte Werke, zum Beispiel aus dem Barock und der Klassik, stellen einen riesigen Fundus dar, bei denen Streicher*innen und Dirigent*innen mit Mundschutz arbeiten könnten, ein kleiner Chor und wenige Bläser auf der Bühne im notwendigen Abstand, eventuell mit Plexiglas-Wänden geschützt, agieren können. Für das Publikum kann man Regeln adaptieren, wie sie jetzt schon in anderen Lebensbereichen gelten und funktionieren.

Aber für solche und ähnliche Lösungsansätze braucht es jetzt dringend klare und belastbare Rahmenbedingungen und Vorgaben seitens der Politik bzw. der Gesundheitsämter. Die GMDs und Chefdirigent*innen und ihre Orchester stehen bereit sich einzubringen, um in engem Austausch mit Bühnenverein und der DOV auch neue kreative, überraschende und spannende Formate für unser Publikum, das uns vermisst, zu finden. Schon jetzt gibt es aus den Orchestern heraus unzählige Initiativen sichtbar zu bleiben, zu helfen und die Lebensnotwendigkeit zu Musizieren nach außen zu tragen und zu erhalten.

Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere analoge Kunst, gerade in diesen Zeiten und in der wachsenden digitalen Welt einen steigenden Wert besitzt und ein wichtiger Bestandteil des Menschseins darstellt!

Der Vorstand der GMD- und Chefdirigentenkonferenz e.V.

Corona-Krise 23.04.2020 Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden ...

... Künstler reden ja nur übers Geld – über beides und den Wunsch, diesen Aphorismus obsolet zu machen spricht Prof. Milko Kersten, Präsident des Sächsischen Musikrates

 

Als größter sächsischer Dachverband im Kultursegment trägt der Sächsische Musikrat (SMR) Verantwortung für tausende im Musikbereich tätige Mitbürger/-innen, denen die Corona-Krise über Monate geplante Einkünfte nimmt. Wie alle anderen Institutionen sehen wir aus Respekt vor der Gesundheit vieler Menschen die Notwendigkeit von Priorisierungen ein – gleichzeitig zeichnet sich die Not der Kulturlandschaft mit all ihren Akteuren immer schärfer ab. Aus ihren Problemen werden neue Aufgaben und Pflichten für uns. Einige unserer Aktivitäten sind sichtbar. Auf den ersten Blick eher weniger sichtbar ist die Tätigkeit in Gremien und Konferenzen, in denen langfristige Lösungen für Betroffene erarbeitet werden. Überall dort sprechen wir für sächsische Musiker/-innen und bringen ihre Projekte und ihre Lebensrealität ins Gespräch. Es geht um kreative Menschen, die einen wesentlichen Teil unseres bisher gewohnten, alltäglichen Lebens prägen.

Die tagesaktuellen Maßnahmen der Regierung sind weiterhin mit Bedacht getroffen und man darf den Eindruck haben, dass alle Verantwortlichen anfangen, miteinander (statt übereinander) zu reden und Fachkompetenzen in hohem Maße eingebunden werden. Parteiengezänk und Spaltungsenergien sind wohltuend abwesend und beweisen damit ihre Überflüssigkeit einmal mehr. Dennoch bleiben gravierende Verteilungsverwerfungen in unserer Gesellschaft Realität, die sich in einer aus unserer Sicht partiell unheilvollen Diskussion um »Systemrelevanz« darstellen. Mein Kollege Prof. Ekkehard Klemm hat erst letzte Woche in seiner Funktion als Präsident des Verbandes Deutscher KonzertChöre mahnend geschrieben: »Notwendiger denn je scheint der solidarische Gedanke, sorgen wir dafür, dass die aktuelle Diskussion nicht dazu führt, den Pfarrer, Philosophen und Musiker als im Prinzip entbehrlich einzustufen.«

Die aktuelle Situation des Lockdown hat die Notsituation tausender freischaffender Musiker/-innen und Musikpädagogen/-innen nicht erst hergestellt, sondern den Zustand einer bereits Jahrzehnte andauernden Unterfinanzierung nur neuerlich erschreckend deutlich gemacht. Denn die von der Bundesregierung in gutem Willen aufgelegten Förderprogramme gehen von finanziellen Ausstattungen und Rücklagen aus, von denen die übergroße Mehrheit der oben genannten Berufsgruppe weit entfernt ist. Wenn wir ehrlich hinschauen, muss eingestanden werden, dass eine ganze Berufsgruppe sehenden Auges auf eine Altersarmut zusteuert, weil ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 14.500 € weder Rücklagen für die private Altersvorsorge noch eben für Krisensituationen wie die momentane möglich machen.

Unser aller Anliegen muss es sein, dieses Problem jetzt zukunftsweisend anzupacken, um die Corona-Krise zu einem Anlass zur Kurskorrektur umzuwerten! Pädagogen/-innen an sächsischen Musikschulen sind in ihrer Tätigkeit (dem Lehren musikalischer und tänzerischer Fertigkeiten, der Sensibilisierung für das Musizieren und Bewegen sowie der Auseinandersetzung mit Musik, der Förderung von Persönlichkeitsentwicklung, Kreativität, Leistungsbereitschaft, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit für Menschen mit und ohne Behinderung, unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft, sowie kultureller Identität) ebenso relevant, wie ihre Kollegen/-innen an den Grund- und Oberschulen. Ihre gesellschaftliche Anerkennung ist aber selbst in Konjunkturzeiten eine lediglich verbal hohe, in Krisenzeiten eine sich sehr schnell umfassend verflüchtigende.

Gleiches gilt für sächsische freischaffende Künstler/-innen, die neben den institutionellen Leuchttürmen des Landes den ideellen, und, nicht zu unterschätzen, auch wirtschaftlich relevanten (!) Ruf des Musiklandes Sachsen durch ihr Tun wesentlich mitbegründen. Wir müssen von hier aus in eine Diskussion über verbindliche Standards zum Mindestlohn auch im Kulturbereich finden. Und welches Land, wenn nicht der Freistaat Sachsen könnte da beispielgebend für die Bundesrepublik werden.

Beiden Seiten, den politisch Verantwortlichen wie den freischaffenden Künstlern und Musikpädagogen, ist in der Diskussion der letzten Wochen zu bescheinigen, dass man den ernsthaften Willen hat, sich zuzuhören. Für beide Seiten wird es hilfreich und notwendig sein, weiterhin sachlich strittige Positionen der gegenüberliegenden Seite verstehen zu wollen, um dann zu guten Lösungen zu kommen. Die Petitionen der Kollegen David Erler (Leipzig) und Sebastian Haas (Dresden) verdienen unbedingt Wahrnehmung und die Einbeziehung in Lösungsansätze, beschreiben sie die momentane Situation klar
und in aller Dramatik, dabei bewundernswert unpolemisch, obwohl beide direkt Betroffene sind.

Andererseits ist es aus Sicht des SMR ebenso geboten in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Kulturministerin, Barbara Klepsch, im Konzert mit all ihren angeschlossenen Institutionen den Dialog zu den Dachverbänden und Kulturschaffenden aktiv sucht und glaubhaft darstellen kann, dass die Regierung des Freistaates die Problemlage erkennt und ernsthaft um Lösungen ringt.

An Sofortmaßnahmen sind aus unserer Sicht notwendig:

  • Stornokosten, die im Zusammenhang mit der Corona Pandemie entstanden sind, müssen als für das Haushaltsjahr 2020 grundsätzlich als zuwendungsfähige Ausgaben anerkannt werden. Die Verweise einzelner Förderebenen der öffentlichen Hand auf Ermessensspielräume genügen hier nicht.
  • Die Zahlung von Ausfallhonoraren in Höhe von min. 60 % (vgl. zum Kurzarbeitergeld) der vereinbarten Beträge im Falle des Vorliegens einer schriftlichen Vereinbarung, die vor dem 13. März 2020 abgeschlossen wurde.

Freischaffende Künstler haben, um ihren Vertragsverpflichtungen nachkommen zu können, bereits beträchtliche Vorleistungen getätigt! Sie müssen auch in Corona-Zeiten dafür sorgen, dass sie ihre Qualifikation permanent erhalten. Ihre Arbeit besteht beileibe nicht nur im Konzert am Abend oder in der Unterrichtsstunde.

Beide Musikhochschulen haben beispielgebend dafür Lösungen gefunden. In Dresden werden 100%, in Leipzig 80% der vereinbarten Honorare an die ca. 650 Honorarlehrkräfte weitergezahlt. Eine einheitliche Regelung, auch für alle VDM-Musikschulen! ist dringend notwendig. Es geht uns u.a. um Honorare an 800 Honorarlehrer an den öffentlich geförderten Musikschulen und ca. 2.500 Kollegen/-innen in den Bereichen Pädagogik, Komposition, Arrangement, Libretto; Arrangeure, Gesangssolisten, Orchestermusiker, Sänger, Kirchenmusiker, die sich im auch GTA-Bereich und im Projektbereich unserer Fachverbände und Institutionen ihren Lebensunterhalt als Soloselbständige oder in Teilzeit verdienen.

In den ländlichen Räumen ist die Kirchenmusik, die sonst zu den vitalsten Anbietern von kulturellen Angeboten in Sachsen gehört, besonders betroffen. Es wurden Konzerthonorare für ca. 60 Veranstaltungen in Höhe von 237.000 Euro im Zeitraum vom 14. März bis 20. April 2020 (5 Wochen / 6 Sonntage) nicht ausbezahlt. Hochgerechnet auf ein Jahr sprechen wir von über 1 Mio. Euro allein in der Sächsischen Landeskirche, die dadurch freiberuflichen Musikern nicht zur Verfügung steht. Hier sind vor allem die Kulturräume gefragt, die wir gesondert ansprechen werden.

Langfristige Maßnahmen müssen ermöglichen, dass:

  • die Lebenshaltungskosten über einen Unternehmerlohn gedeckt werden können. (der durchschnittliche Gewinn dieses Berufsstandes liegt unter den für einen Zuschuss notwendigen 5.000 Euro (4/12 des Vorjahreseinkommens). Wir sprechen hier von einer Berufsgruppe, die über ein durchschnittliches Jahresarbeitseinkommen (lt. Angaben der Künstlersozialkasse für das Jahr 2019) in Höhe von 14.491 Euro (vor Steuern) verfügt!
  • Standards zum Mindestlohn für freischaffende Künstler/-innen und Musikpädagogen/-innen eingeführt werden. In diesem Zusammenhang unterstützen wir den offenen Brief des Berufsverbandes für Musik – DTKV Sachsen e.V. vom 24. März, welcher zur Milderung dieses Tatbestandes ein sogenanntes Residenzprogramm vorschlägt.

Ein weiterreichender Lösungsansatz für die Zukunft wäre eine bundeseinheitliche Lösung, die Sachsen über den Bundesrat einbringen könnte: Jeder über die KSK Versicherte und hauptberuflich Tätige erhält über die KünstlerSozialKasse einen aus Bundesmitteln finanzierten nicht rückzahlbaren Existenzsicherungszuschuss für zunächst sechs Monate ab März 2020.(ausführlich dazu)

Vision
Es wird über vieles zu sprechen sein nach der Krise: über den Aufbau unserer Kulturinstitutionen, über Mindesthonorare im Kulturbereich und über Festanstellungen an den kulturellen Bildungseinrichtungen unseres Landes. Bis alle Herausforderungen gemeistert und alle Chancen ergriffen sind, ist jedoch noch Einiges zu tun, damit alle Beteiligten gesund und finanziell abgesichert die kommenden Monate zur Planung neuer Projekte nutzen können. Bleiben wir optimistisch. Bleiben wir kreativ. Und machen wir folgenden Aphorismus obsolet: »Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstler reden ja nur übers Geld«

Prof. Milko Kersten
Präsident des Sächsischen Musikrates

 

Das Bachfest Leipzig erreicht mit dem Livestream einer innovativen kammermusikalischen Fassung von J. S. Bachs »Johannespassion« aus der Thomaskirche an Bachs Grab mindestens 76 Länder auf allen Kontinenten und schreibt Mediengeschichte. Die Aufführung am vergangenen Karfreitag wurde auf den Streaming-Portalen des Bach-Archivs, des Mitteldeutschen Rundfunks und von ARTE weltweit bislang über 500.000-mal angesehen und war auf ARTE Concert während des Osterwochenendes das am meisten abgerufene Konzert. Von Alaska bis Venezuela und von Island über Palästina bis Neuseeland rührte die wahrscheinlich einzige Darbietung einer Bach-Passion während der Karwoche tausende Zuhörer und Mitsänger zu Tränen. Menschen aus der ganzen Welt spendeten 20.000 Euro für freischaffende Musiker.

Die kammermusikalisch besetzte Aufführung am Grab des Komponisten ermöglichte Musikliebhabern, trotz weltweit geschlossener Kirchen, eine Bach-Passion in Zeiten der COVID-19-Pandemie live zu erleben und selbst mitzusingen. Das Konzert war nach der Absage des Bachfestes 2020 vom 13. Juni auf den Karfreitag vorgezogen worden.

Die Passions-Geschichte wurde von nur drei Musikern vorgetragen: Der isländische Tenor Benedikt Kristjánsson erzählte als Evangelist die Leidensgeschichte Jesu und sang mit seiner extrem wandlungsfähigen Stimme zugleich die Partien aller handelnden Personen und die Arien. Cembalistin Elina Albach und Perkussionist Philipp Lamprecht übernahmen den Part des Orchesters. Für die Choräle wurden – neben den fünf Sängern in der Thomaskirche um Thomaskantor Gotthold Schwarz – Bach-Chöre aus St. Gallen (Schweiz), Ottawa (Kanada), Malaysia und Mitglieder des Leipziger Thomanerchors sowie bekannte Künstler, die im (abgesagten) Bachfest Leipzig 2020 eingeladen waren, zugeschaltet. Auf allen Erdteilen verfolgten Menschen die Aufführung vor ihren Bildschirmen und sangen auf der Basis eines digitalen Programmbuchs die Choräle mit.

 

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch hat am 15. April – unter Einhaltung strenger Hygienestandards – rund 40 Akteure aus der sächsischen Kulturlandschaft im Dresdner Hygienemuseum getroffen. Eingeladen waren alle Kultur-Landesverbände, Kulturraumsekretäre und kulturpolitischen Sprecher des Sächsischen Landtags. »Kultur ist gesellschaftsrelevant und maßgeblich für unser Zusammenleben. Der heutige Austausch hat mir gezeigt: Bund und Freistaat haben wichtige Förderprogramme und Hilfspakete auf den Weg gebracht, von denen auch der Kulturbereich profitiert. Diese müssen wir weiter bekannt machen. Gleichzeitig gibt es verschiedene Aspekte, wo aktuell noch Hilfsbedarf besteht. Hier wollen wir schnellstmöglich Abhilfe schaffen und in den kommenden Wochen eine zusätzliche Förderrichtlinie vorlegen. Diese soll dort ansetzen, wo die bisherigen Programme nicht greifen«, so Kulturministerin Barbara Klepsch. Erst in der vergangenen Woche hatte die Staatsregierung einen Beschluss über rund zehn Millionen Euro für den Kulturbereich gefasst. Damit soll unter anderem das Stipendienprogramm »Denkzeit« geschaffen werden, dass sich an Künstler und Kulturschaffende richtet, damit sie die Zwangspause kreativ nutzen und Ideen für die Zeit danach entwickeln können. Zudem soll über die Kampagne »So geht sächsisch.« weiteren Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform geboten werden und neben Künstlerhonoraren auch Ausgaben für Technik unterstützt werden. Für die musisch-kulturellen Bildung in der Fläche sollen in einem ersten Schritt die freien Träger eine finanzielle Unterstützung erhalten. Parallel dazu arbeitet die Staatsregierung an einem Schutzschirm für Kommunen.

»Wir werden den intensiven Austausch fortsetzen und gemeinsam daran arbeiten, dass Kultur eine Zukunft hat. Gleichzeitig wollen wir den Blick nach vorne richten. Die Sehnsucht der Menschen nach erlebbarer Kunst und Kultur ist groß«, so die Ministerin abschließend.

Quelle: Medienservice Sachsen

Corona-Krise 15.04.2020 Zweite Verlosung der Spendengelder aus dem Hilfsfonds

»MUSIKRAT hilft sofort!« konnte bereits 50 Betroffenen mit ingesamt 15.000 Euro helfen

Spendenkonto
Kontoinhaber: Sächsischer Musikrat e.V.
IBAN: DE56850503003120134561
Verwendungsweck: »Spende musikrathilftsofort«

Die Verwaltung und Zuteilung der Spendengelder erfolgt durch den Sächsischen Musikrat. Alle Spender/-innen werden namentlich auf der Website des Sächsischen Musikrats genannt oder können auf Wunsch anonym bleiben.

Bewerben können sich Musiker/-innen und Musikpädagog/-innen mit Hauptwohnsitz in Sachsen, die nicht oder bis höchstens 50% ihrer beruflichen Tätigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Weitere Informationen

 

Heute Vormittag fand die zweite Verlosung aus dem Hilfsfonds statt, den der Sächsische Musikrat unter dem Titel »Musikrat hilft sofort!« ins Leben gerufen hat, um in Not geratene freiberufliche Musiker/-innen und Musikpädagogen/-innen schnell und unbürokratisch finanziell zu unterstützen. Ziel der Aktion ist es, möglichst vielen Betroffenen einmalig 300 Euro aus dem Fonds zukommen lassen. Diese können sich dafür online bewerben. Die Verteilung erfolgt dann über eine wöchentliche Verlosung an jedem Mittwoch.

Dank der fast 100 ersten Spender/-innen standen bisher insgesamt 15.000 Euro zur Verfügung, die bereits an 50 Betroffene vergeben werden konnten – 30 in der ersten Verlosung und weitere 20 heute. Das sind mehr als die Hälfte der bislang eingegangenen Bewerbungen. Diejenigen, die heute nicht gezogen werden, verbleiben im »Topf« – gemeinsam mit den bis 21. April, 12 Uhr, eingehenden neuen Bewerbungen für die dritte Auslosung am kommenden Mittwoch, dem 22. April. Damit auch diese wieder erfolgreich durchgeführt werden kann, ist weiterhin jede Spende herzlich willkommen.

Nach der ersten Verlosung am vergangenen Mittwoch erreichten den Sächsischen Musikrat zahlreiche Rückmeldungen von glücklichen Gewinner/-innen – herausgegriffen sei diese: »mit großer Freude habe ich heute Ihre Mail bekommen […] Vielen Dank für Ihre Hilfe und bleiben Sie gesund«.

Alle Verlosungen werden audiovisuell aufgezeichnet und auf der Website des Sächsischen Musikrats bzw. auf Youtube veröffentlicht.

Corona-Krise 15.04.2020 Digitales für den musikalischen Nachwuchs

Musikschule in besonderen Zeiten – auf dem Weg zu alternativen Unterrichtsformaten

Neue Ideen und Formate für den Musikfernunterricht hat Uli Frefat, BMU-Vorstand Thüringen als Padlet aufgebaut. Da kann kommentiert und ergänzt werden.

 

Derzeit ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Fokus vorrangig auf professionelle Musikern/-innen gerichtet, deren Konzerte und damit Honorare über Wochen und Monate ausfallen. Betroffen sind jedoch nicht nur sie. Auch für den Nachwuchs an den Musikschulen ist nun Vieles anders. Alle Beteiligten stehen gleichermaßen vor den Herausforderungen, die der Wegfall des gewohnten wöchentlichen Unterrichts mit sich bringt. Die allermeisten Musikschulen versuchen, auch in dieser Situation weiterhin ihrem pädagogischen Auftrag gerecht zu werden. Es gilt einerseits, die Schüler/-innen im Arbeitsprozess zu halten und damit zu fördern und andererseits, durch Fortsetzung des Unterrichts – nun in alternativen Formen – Kontinuität zu erzeugen, um somit der Gefahr von Abmeldungen zu begegnen.

Doch der Schritt vom Präsenzunterricht zum digitalen (Fern-)Unterricht ist weder selbstverständlich noch einfach. Einzelne Lehrer/-innen sind mit den technischen Möglichkeiten nicht vertraut und auch der Netzausbau auf dem Land ist alles andere als flächendeckend oder vorhandene Verbindungen sind nicht stabil. Und ganz sicher verfügt nicht jede Familie über genügend technische Geräte, um ihren Kindern die Teilnahme am digitalen Unterricht – gar parallel zum Homeoffice der Eltern – zu ermöglichen.

Wie können Musikschüler/-innen und Lehrkräfte dennoch in Kontakt bleiben, um den Fortschritt beim Üben weiterhin zu begleiten – um Inhalte, Perspektiven, Struktur und neue Ziele zu vermitteln? Dazu bedienen sich zahlreiche Musikschulen digitaler Hilfsmittel für den direkten Hör- und Sichtkontakt wie Skype oder Zoom. Aber auch der Versand von Audiodateien und Soundfiles zwischen Musikschüler/-innen und Lehrkräften zum Beurteilen, Auswerten und Hinweisgeben, ist eine Möglichkeit. Manche nutzen die Zeit, um mehr Musiktheorie, in Form von Arbeitsblättern, zu vermitteln. Aber auch das gute alte Festnetztelefon hilft bei der Kommunikation. Die Palette ist groß und die Möglichkeiten individuell. Viele lernen bereits, engmaschiger und strukturierter zu arbeiten. Auch wenn sich Präsenzunterricht damit nicht ersetzen lässt, ist Einiges von dem mehr, als ein »besser als nichts«. Wie sieht nun der Weg zur digitalen Musikschule in konkreten Zahlen aus?

Zu diesem Thema führte Christina Schimmer, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Sächsischen Musikrats, ein Gespräch mit dem Leiter der Kreismusikschule Dreiländereck Sven Rössel. Seine Schule verfügt über neun Standorte ganz im Osten Sachsens von Niesky bis Seifhennersdorf und ist bemüht, ihre Schüler/-innen möglichst überall zu erreichen.

Christina Schimmer: An Ihrer Musikschule lernen rund 3.200 Schülerinnen und Schüler. Wie viele davon werden digital unterrichtet?
Sven Rössel: Konnten zu Beginn nur etwa 25% der Schülerinnen und Schüler digital unterrichtet werden, sind es jetzt [Anm. d. Red.: Stand 14.04.2020] mindestens 68% – das sind ca. 2.100 Schüler pro Woche. Damit haben wir mein persönliches Ziel, 50% des Unterrichts weiterführen zu können, weit übertroffen.

Wie ist denn die Stimmung bei den Lehrkräften?
Ich kann sogar fast von einem Innovationsschub sprechen – Alle versuchen möglich zu machen, was möglich ist. Auch Kollegen, die sich sonst eher als technikfern beschreiben, nutzen die digitalen Unterrichtsmethoden. Und die Eltern sind froh, dass es weitergeht.

Wie setzen Sie das technisch um?
An unserer Kreismusikschule gibt es neun Standorte. Wir haben zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten über die Technik entschieden und Lizenzen für »Zoom« erworben. Ich habe einige Arbeitsplätze mit Webcams ausgestattet für Kolleg/-innen, die zu Hause keine entsprechenden technischen Möglichkeiten haben. Man muss auch bedenken, dass in den Musikschulen und bei den Eltern der Netzausbau nicht flächendeckend gegeben ist.

Hat sich schon eine Unterrichtsroutine eingestellt?
Man kann schon sagen, dass sich die Abläufe jetzt nach vier Wochen eingespielt haben. Die Schülerinnen und Schüler, gerade auch die Jüngeren, sind sehr motiviert und konzentriert. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich feststellen: Wenn das Unterrichtszeitfenster beginnt, ist jetzt der Kontrabass schon ausgepackt und spielbereit. Es kann sofort losgehen. Man arbeitet sehr effektiv.
So können wir die Krise auch als Chance sehen und uns für die Zeit danach eine Offenheit und Solidarität bewahren.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute!

Corona-Krise 09.04.2020 +49 (0)341 99 35 98 66

Corona-HOTLINE des Berufsverbandes Musik DTKV Sachsen in Kooperation mit dem Sächsischen Musikrat

 

Am Telefon sprecht ihr mit Musikern, die selbst beruflich von der Situation betroffen sind und sich für euch organisieren. Wir möchten euch helfen den geeigneten Weg und die geeigneten Mittel zu finden, damit ihr gut durch die Krise kommt. Uns ist bewusst, dass unsere Berufe im besonderen Maße von der derzeitigen Situation betroffen sind. Helft mit, dass Sachsen auch nach der Krise das starke Kulturland bleibt, dass es bisher war.

+49 (0)341 99 35 98 66

Die Hotline ist mit einer Begrüßungsansage sowie auch einem Antwortbeantworter für Rückrufbitten ausgestattet. Die Rückrufe erfolgen auch außerhalb der folgend genannten persönlichen Bereitschaftszeiten durch das Hotline-Team.

Die Hotline ist zu folgenden Zeiten (außer an Feiertagen) besetzt:
Montag: 9–12 Uhr
Dienstag: 9–12 Uhr
Mittwoch: 9–12 Uhr | 15–18 Uhr  
Donnerstag: 9–12 Uhr | 15–18 Uhr | 21–22 Uhr
Freitag: 9–12 Uhr | 15–18 Uhr

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