11.05.2015

Trauer um Albrecht Goetze

Gründer des MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN gestorben

Der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN e.V. und der Sächsische Musikrat e.V. traueren um Dr. Albrecht Goetze. Nach Angaben der Familie starb er am 25. April in Berlin nach langer, schwerer Krankheit. Albrecht Goetze, am 3. Juni 1942 in Leipzig geboren, kam nach Stationen als Theaterregisseur und Künstler in Hamburg, London und München im Herbst 2002 nach Görlitz und arbeitete zunächst als Konzertpädagoge am Gerhart-Hauptmann-Theater. In dieser Zeit arbeitete er intensiv mit Kindern und Jugendlichen aus der gesamten Euroregion zusammen, die er in den Jahren 2004 und 2005 in ein großes grenzüberschreitendes Festival einbezog: »Europa ist Musik«.
Albrecht Goetze war zutiefst davon überzeugt, dass die Kunst im Allgemeinen, die Musik aber im Besonderen ein Lebensmittel für jeden Menschen ist – kein Sahneklecks oder nur eine nette Zugabe. Diese Überzeugung vertiefte sich in der Beschäftigung mit der Musik von Olivier Messiaen (1908–1992), die für ihn Anlass war, im Alter von beinahe 60 Jahren nach Görlitz zu kommen. Während des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren 1940/41, war Messiaen  im Görlitzer Kriegsgefangenlager Stalag VIII A inhaftiert, als einer von letztlich rund 120.000 Soldaten, die in Stadt und Region als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Messiaen vollendete hier eines der herausragenden kammermusikalischen Werke des Zwanzigsten Jahrhunderts, das »Quatuor pour le fin du temps« (Quartett für/auf das Ende der Zeit). Am 15. Januar 1941 führte es Messiaen in der Theaterbaracke gemeinsam mit drei Mitgefangenen des Lagers erstmals auf. In dieser Musik sah Albrecht Goetze einen Beleg dafür, dass der Mensch auch schwierigste Lebenssituationen meistern kann, wenn er sich ganz auf seine innersten Kräfte und Fähigkeiten konzentriert.

Albrecht Goetze entwickelte im Jahr 2005 ein Konzept für einen Erinnerungs- und Zukunftsort, einen Ort der Bildung und der Kultur, ein europäisches Begegnungszentrum auf dem Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers. Er gab dieser Vision den Titel MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN. Im Jahr 2007 gründete er den gleichnamigen Verein und leitete ihn fünf Jahre lang als Präsident. In dieser Zeit fand er Partner auf der polnischen und der deutschen Seite, mit denen er gemeinsam eines der größten EU-Projekte im sächsisch-polnischen Grenzraumes ins Leben rief. Von 2009 bis 2013 entstand das Europäische Bildungs- und Kulturzentrum MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN, getragen unter anderem von der Zgorzelecer Stiftung für Unternehmensförderung als Lead-Partner und dem MEETINGPOINT-Verein als Projektpartner. Die Eröffnung dieses Zentrums am 15. Januar 2015 hat Albrecht Goetze nicht mehr persönlich miterlebt. Bereits zwei Jahre zuvor, im Dezember 2012, hatte sich der geistige Vater und unermüdliche Motor aus gesundheitlichen Gründen komplett aus dem Projekt und aus der Region zurückgezogen.
Für seinen hohen persönlichen Einsatz den Meetingpoint Messiaen als Kristallisationspunkt für Kultur, Geschichte und Versöhnung in seiner Heimatstadt Görlitz zuschaffen erhielt Dr. Albrecht Goetze  am 15. September 2012 die Johann Walter Plakette des Sächischen Musikrates. Grenzüberschreitend hat er damit das zeitgenössische Musikleben in seiner Vielfalt bereichert und durch neue Sichten das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen bereichert. 

MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN e.V.
Sächsischer Musikrat e.V.

Dr. Albrecht Goetze
Foto: Paweł Sosnowski

 

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