Kulturelle Bildung 05.09.2017 Künstlerische Grundschule im historischen Komponistenwohnhaus

20 Jahre Freie Grundschule Clara Schumann und 20 Jahre Rettung des Schumann-Hauses

 

Einzigartiges Konzept »Künstlerische Grundschule im historischen Komponistenwohnhaus« wird am 16.09. mit großem Schulfest und Singaktion auf dem Marktplatz gefeiert

Gleich drei Jubiläen geben Grund zu Feierlichkeiten vom 1. bis 17. September 2017 im Schumann-Haus Leipzig: Vor 20 Jahren wurden mit der Fertigstellung der Fassade die ersten Schritte zur Rettung der Grundsubstanz des Schumann-Hauses sichtbar. Ebenfalls 1997 gründete sich die Freie Grundschule Clara Schumann mit künstlerischem Profil, die vier Jahre später in das Schumann-Haus einzog. Die Gründung der Musik- und Kunstschule folgte 2007. Durch die Rahn Dittrich Group und den Schumann-Verein entstand eine einzigartige Symbiose aus Museum, Veranstaltungsort und Ausbildungsstätte, die das einstige Wohnhaus von Clara und Robert Schumann in der Inselstraße 18 zu einer lebendigen Begegnungsstätte macht, welches eine Brücke vom 19. Jahrhundert in die heutige Zeit schlägt. Für die Kinder wird hier aus Historie spannender, künstlerischer Schulalltag. Zum Jubiläum vergibt die Schule insgesamt 20 Stipendien. Dies ermöglicht die Übernahme der Schulkosten für fünf Kinder über vier Jahre.

Am 1. September wurden der neue Chronik-Raum in der Beletage eröffnet. Anschaulich gestaltet, entsteht durch Zeitungsartikel, kurze Texte, Videos und Bilder ein facettenreicher Blick auf die Aktivitäten im Schumann-Haus. Musiker, Wissenschaftler und musikinteressierte Leipziger gründeten Mitte der 90er Jahre eine Initiative zur Rettung des Hauses, in dem von 1840 bis 1844 das Komponistenehepaar wohnte. Mit Unterstützung der Stadt Leipzig sowie der Rahn Dittrich Group, die das Gebäude 1999 käuflich erwarb, konnte nach wechselvoller Geschichte dieses einzigartige Nutzungskonzept umgesetzt werden. »Bei einer Tasse Kaffee«, zu der der Geschäftsführer Gotthard Dittrich Persönlichkeiten der Leipziger Musikszene 1997 einlud, entstand die Idee einer Grundschule mit musikalisch-künstlerischer Prägung. Was mit neun Schulkindern begann, ist heute zu einem attraktiven Bildungszentrum gewachsen. Der Campus Graphisches Viertel umfasst neben der Grundschule eine Musikschule, zwei Kindertagesstätten, eine Oberschule, ein Gymnasium und eine Fachoberschule. 2015 wurde die Grundschule mit dem renommierten Carl-Orff-Preis ausgezeichnet. Durch die Verbindung von Musik, Kunst, Bewegung und neuesten pädagogischen Erkenntnissen erfahren die Kinder wie sie die Welt möglichst ohne Zwänge entdecken können. Zeit, Muße und eine Handbreit Fantasie unter den Flügeln legen den Grundstein für ein erfolgreiches Lernen. Besonderer Hingucker im Chronikraum sind die von den Schülern gemalten Bilder, die Kirchenfenstern ähnelnd den Raum schmücken. Zudem ziert seit heute eine große blaue Schleife den Balkon des Hauses.

Zum großen Geburtstagsfest am 16. September (11–14 Uhr) öffnen Schule und Museum ihre Türen. Neben Besichtigungen des Hauses, Informationen zum Schulkonzept, Livemusik und Catering, können Kinder auf dem Schulgelände in historische Kostüme schlüpfen, Blumensträuße binden, tischlern, Körbe flechten, filzen, Bogen schießen und vieles mehr. Der Erlös der Spielzeugtombola, zusammengestellt von den Schulkindern selbst, kommt dem UNICEF-Programm »Schulen für Afrika« zugute. Der UNICEF AG Leipzig, die ebenfalls am 16. September mit einem Kinderfest auf dem Marktplatz ihr 25-jähriges Bestehen feiert, bringen insgesamt 550 Stimmen der besten Kinderchöre Leipzigs ein Ständchen. Der Leipziger Schumann-Verein organisierte im Rahmen der 16. Schumann- Festwoche gemeinsam mit dem Chor der Grundschule diesen musikalischen Gruß. Unter dem Titel des Clara Schumann zugeschriebenen Kanons »Wenn ich ein Vöglein wär« dürfen ab 15 Uhr alle Sangesfreudigen mit einstimmen. Ihr Kommen bereits zugesagt haben Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung als Schirmherr der AG sowie Christian Schneider von UNICEF Deutschland.

Das »Lied« in seiner ganzen Herrlichkeit steht im Mittelpunkt der 16. Schumann-Festwoche (9.–17. September 2017). Unter dem Motto »Herrlich LIEDerlich« werden neben Liedern von Clara und Robert Schumann Kompositionen von Zeitgenossen beleuchtet, selten interpretierte Werke wie »Der Rose Pilgerfahrt« aufgeführt und die Einflüsse auf andere Musikgattungen hörbar gemacht. Mit aufgeräumtem Verstand und spitzer Zunge wird Sebastian Krämer ein »liederliches« Feuerwerk zünden. Er sowie Kitty Hoff zeigen in ihren Konzerten mit größtem musikalischen Vergnügen, wie sich das Chanson als Kunstlied des 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Für kammermusikalische Höhepunkte sorgen international geschätzte Interpreten wie der Cellist Peter Bruns, der Pianist Cédric Pescia, der Tenor Marcus Ullmann und das Signum Quartett.

www.schumann-haus.de
www.grundschule-clara-schumann.de
www.leipzig.unicef.de

Kulturelle Bildung 08.12.2016 Kommunen brauchen Unterstützung bei der Kulturellen Bildung

Ergebnise der Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«, die der Rat für Kulturelle Bildung in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag durchführen ließ.

 

Politisch hat Kulturelle Bildung in Deutschlands Kommunen nach wie vor Konjunktur, indes gibt es Luft nach oben bei der Umsetzung. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«, die der Rat für Kulturelle Bildung in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag (DST) durch die Prognos AG im Sommer unter den 200 unmittelbaren Mitgliedsstädten des Deutschen Städtetages durchführen ließ.

Zwar genießt Kulturelle Bildung knapp zehn Jahre nach der »Aachener Erklärung zur Bildungspolitik« des Städtetages in mehr als drei Viertel seiner Mitgliedsstädte hohe Bedeutung. Eben diese Städte stufen ihr Budget für Kulturelle Bildung in Vergangenheit und Gegenwart wie auch die Zusammenarbeit mit Finanzierungspartnern in signifikanter Weise positiver ein als Städte, die Kulturelle Bildung weniger wichtig finden. Jedoch besteht Verbesserungsbedarf bei der Anwendung von Instrumenten und Prinzipien zur Koordinierung und Auswertung der Angebote Kultureller Bildung. Die Befragung wurde als standardisierte Online-Befragung durchgeführt. Der Fragebogen umfasste 25 Fragen. Bei 12 Fragen gab es offene Antwortmöglichkeiten. Aufgrund fehlender Kennzahlen und Indikatoren in vielen kommunalen Haushaltsplänen wurden gestufte Fragen (zum Erhalt von Rangdaten) eingesetzt. Gleiches galt für Fragen zur Organisation und Koordinierung sowie zur Evaluierung von (kommunal geförderten) Angeboten Kultureller Bildung. Nach Größenklassen betrachtet liegt der Rücklauf bei den Großstädten durchweg bei 60 Prozent und höher. Nach Bundesländern betrachtet zeigten sich beim Rücklauf erhebliche Unterschiede: Die Stadtstaaten haben vollständig geantwortet. Ein besonders hoher Rücklauf von 85 Prozent ist aus Nordrhein-Westfalen erfolgt. Bei den Städten aus den ostdeutschen Bundesländern ist der Rücklauf mit 38 Prozent dagegen unterdurchschnittlich geblieben.

 

ERGEBNISSE

Kommunen brauchen mehr Unterstützung für die Kulturelle Bildung
104 der 200 unmittelbaren DST-Mitgliedsstädte (52 Prozent) beteiligten sich zwischen Juni und August 2016 an der strukturierten Online-Umfrage. Die Stichprobe repräsentiert ein urbanes Feld, in dem rund 22 Millionen Einwohner leben. Professor Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg, zu den Ergebnissen: »Die Kommunen sind einer der wichtigsten Akteure in der Kulturellen Bildung, und das Querschnittsthema ist bereits jetzt ein bedeutsamer Baustein des Miteinanders in den Städten. Die politische Schwerpunktsetzung ist ein entscheidender Faktor bei der Gestaltung Kultureller Bildung auf kommunaler Ebene. Das zeigt die Studie Städte/Geld/Kulturelle Bildung sehr deutlich. Das allein kann aber nicht ausreichen. Mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie den Ausbau der Ganztagsschulen kann Kulturelle Bildung nicht länger als freiwillige Leistung begriffen werden. Wir brauchen mehr Unterstützung für die Kommunen und dazu eine effektivere Aufgabenverteilung und Finanzierung der Kulturellen Bildung vor Ort.«

Länder sind wichtige Partner für Finanzierung
Dr. Eva Lohse, Präsidentin des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein, zu den Befunden: »Die Ergebnisse der Studie belegen einerseits den hohen Stellenwert der kulturellen Bildung in den Städten und das vielfältige Engagement, zeigen aber andererseits auch, dass es in Sachen Finanzierung sowie Konzeption und Steuerung vielerorts noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Die Studie zeigt einmal mehr, dass die Finanzierungsbeiträge der Länder für die Städte von hoher Relevanz und die Länder wichtige Partner der kulturellen Bildungsarbeit in den Städten sind. Die Länder müssen zur Unterstützung des kommunalen Engagements das Niveau ihrer Mitfinanzierung sicherstellen und kontinuierlich ausbauen. Bemerkenswert ist auch, in welchem Maße das sogenannte Kooperationsverbot den Finanzierungsbeitrag des Bundes trotz dessen hoher Finanzkraft kleinzuhalten vermag.«

Finanzierung Kultureller Bildung muss trotz enger Haushalte möglich sein
Professor Dr. Jürgen Schupp, Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung und Direktor der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ergänzt: »55 Prozent der beteiligten Kommunen führen derzeit keine Kennzahlen oder Indikatoren zur Kulturellen Bildung im Haushalt. Ein interkommunaler Vergleich oder die vielfach geforderte Verbesserung der Kulturfinanzstatistik auf Bundesebene ist auf diese Weise nahezu unmöglich. Indes fußt die mittelfristige Finanzplanung der Städte naturgegeben auf Planzahlen, insbesondere auf der Ertragsseite. Die Möglichkeiten Kultureller Bildung dürfen nicht überwiegend von der Ertragssituation der Kommunen abhängen. Auf Dauer ist eine Grundversorgung mit Kultureller Bildung vor allem an den Ganztagsschulen nur machbar, wenn Bund und Länder die Kommunen insgesamt finanziell besser ausstatten.«

WEITERE ERGEBNISSE DER STUDIE

Zu geringe Budgets, aber positive Auswirkungen durch politische Schwerpunktsetzung
Zwei Drittel der befragten Kommunen erachten ihr Budget für Kulturelle Bildung als zu gering, während 29 Prozent die zur Verfügung stehenden Mittel als auskömmlich oder gut bezeichnen. 26 Prozent der Städte berichten, ihr Budget für Kulturelle Bildung sei während der letzten Jahre gestiegen; 16 Prozent verzeichneten jedoch einen Rückgang (51 Prozent gleichbleibend). Im Vergleich zum jeweiligen Gesamthaushalt entwickelte sich das Budget für Kulturelle Bildung bei 26 Prozent der Städte während der letzten fünf Jahre negativer als ihr Gesamthaushalt (9 Prozent positiver; 51 Prozent ähnlich). Auch die Erwartungen deutscher Kommunen an die Zukunft ist gemischt: 20 Prozent prognostizieren eine schwächere Entwicklung der Finanzen für Projekte Kultureller Bildung im Vergleich zum Gesamthaushalt, 6 Prozent rechnen mit einer stärkeren Entwicklung (56 Prozent gleichbleibend).

Besonders auffällig ist bei den vorgenannten Ergebnissen, dass jene Städte, die Kultureller Bildung hohe Bedeutung zuschreiben, ihr Budget für Kulturelle Bildung in Vergangenheit und Gegenwart in signifikanter Weise positiver einschätzen und zugleich auch deutlich stärker mit externen Finanzierungspartnern zusammenarbeiten als Städte, die Kulturelle Bildung nicht als Schwerpunkt sehen. »Städte/Geld/Kulturelle Bildung« zeigt überdies signifikante Zusammenhänge zwischen politischer Schwerpunktsetzung und dem Organisationsgrad und der Steuerung von Projekten und Maßnahmen Kultureller Bildung: Je höher der Stellenwert, umso wahrscheinlicher existieren im Haushalt der Kommune auch Kennzahlen für Maßnahmen und Projekte Kultureller Bildung, umso eher ist Kulturelle Bildung auch im Leitbild der Stadt verankert beziehungsweise ist sie Teil einer regelmäßigen Bildungsberichterstattung.

Verbesserungsbedarf bei der Koordination und Organisation
Doch trotz dieser zahlreichen positiven Aspekte gibt es knapp zehn Jahre nach der Aachener Erklärung noch Verbesserungsbedarf: In 59 Prozent der Städte ist Kulturelle Bildung nicht Teil der Bildungsberichterstattung. 55 Prozent der Städte antworteten, es gebe keine zugehörigen Kennzahlen oder Indikatoren im Haushaltsplan. Nur 14 Prozent der Städte schließen durchgängig schriftliche Vereinbarungen mit den Akteuren Kultureller Bildung, lediglich vier Prozent spezifische Zielvereinbarungen hinsichtlich der Bereitstellung von Angeboten. Entsprechend sieht die Mehrheit der befragten Kommunen (61 Prozent) selbst die Notwendigkeit für eine wirksamere organisatorische Koordinierung der Querschnittsaufgabe Kulturelle Bildung.

Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der ALTANA Kulturstiftung, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator.

Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«
Download der vollständigen Studie
Download der zentralen Ergebnisse und Empfehlungen als Kurzfassung

 

 

Kulturelle Bildung 10.12.2015 Kunst vs. Kulturelle Bildung?

Lehrerausbildung in künstlerischen Schulfächern muss ausgebaut werden – Künste und Kulturelle Bildung haben hier gemeinsame Aufgaben

 

Kulturelle Bildung und die Künste stehen weniger im Konflikt um finanzielle und personelle Ressourcen, als aktuelle Debatten dies vermuten lassen. Vielmehr existiert in Deutschland ein massives strukturelles und finanzielles Problem bei der Ausbildung von Lehrkräften für die künstlerischen Schulfächer.

Das ist die zentrale Erkenntnis der gemeinsamen, öffentlichen Podiumsdiskussion des Rates für Kulturelle Bildung und des Kulturrates NRW vom 16. November in der Fritz Thyssen Stiftung in Köln, zum Thema »Kunst vs. Kulturelle Bildung?«

Liegt der Konflikt wirklich zwischen den Künsten und der Kulturellen Bildung?
Moderatorin Anke Bruns richtete die Frage in die Runde, wie bedeutsam die Vermittlung in den Künsten im Vergleich zu den Künsten selbst für die Gesellschaft tatsächlich sei. Prof. Dr. Holger Noltze, Sprecher des Rates für Kulturelle Bildung und Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund dazu: »Seit dem PISA-Schock fragen alle: Sind wir auf dem Weltmarkt überhaupt noch konkurrenzfähig? Die künstlerischen Fächer fallen dabei hinten runter. Diese Fächer werden in Sonntagreden hochgehalten, aber vermutlich die Hälfte des Unterrichts findet nicht regelmäßig statt, wie unsere Allensbach-Studie vom Sommer gezeigt hat. Hier müssen wir die Schulpolitik unter Druck setzen. Und in der Lehrerausbildung müssen wir dafür sorgen, dass Lehrer mit stärkerem Selbstbewusstsein an Schulen gehen können, um zu sagen: Das, was wir hier machen, ist essenziell wichtig.« Eine der zentralen Forderungen der im Oktober vom Rat für Kulturelle Bildung veröffentlichten Denkschrift »Zur Sache. Kulturelle Bildung: Gegenstände, Praktiken und Felder« lautet entsprechend, die Lehrerausbildung in diesen Fächern deutlich auszubauen.

Inhaltliche und strukturelle Mängel in der Lehrerausbildung
Prof. Dr. Andreas C. Lehmann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie und Professor für systematische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Würzburg, wies auf weitere Missstände in der Lehrerausbildung hin: »Lehrerausbildung kostet viel Geld, Lehrer einstellen ebenfalls. Gerade in den Künsten gibt es extrem teure Ausbildungswege, da möchte man natürlich nicht zu viele Leute drin haben. Und deshalb sehe ich dort ein gewisses Problem in der Ausbildung. Es werden wahrscheinlich gerade im Grundschulbereich nicht genug Leute ausgebildet. Dort muss man genauer hinsehen.« Lehmann sprach damit eine weitere Forderung der aktuellen Denkschrift »Zur Sache« des Rates für Kulturelle Bildung an, die nach der Sicherung einer Grundversorgung mit Kultureller Bildung.

Neben der Frage nach einer hinreichenden Zahl von Lehrerinnen und Lehrern für künstlerische Fächer gibt es zudem massive strukturelle und inhaltliche Probleme bei der Lehrer-Ausbildung. Diemut Schilling, Künstlerin, Professorin für Zeichnung und Druckgrafik am Institut für Schulpädagogik und Lehrerbildung der Alanus-Hochschule sowie Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung: »Kunstpädagogen werden in unserem System von Menschen ausgebildet, die sich für eine Wissenschaftslaufbahn, für Promotion und Habilitation entschieden und naturgemäß nicht viel Zeit in Schulen verbracht haben. Praxiserfahrung an Schulen ist kolossal peripher. Wie soll denn das gehen? Wenn man solche Strukturen nicht ändert, wird man nicht zu einem Kunstunterricht kommen, den wir uns wünschen im Rahmen Kultureller Bildung.«

Reinhard Knoll, stellvertretender Vorsitzender des Kulturrates NRW ergänzte: »Wir brauchen eigentlich eine größere Überschrift, um zwischen Kunst und Gesellschaft mehr Verbindung hinzubekommen. Denn wir wissen durch zahlreiche Erhebungen und Statistiken, in welch prekären Verhältnissen Künstlerinnen und Künstler oft leben. Wenn die aber das Gefühl haben, wir können am besten überleben, wenn wir noch Vermittlung betreiben, dann werden sie sich immer weniger mit ihrer Kunst beschäftigen. Vor dem Hintergrund wäre ein Exzellenz-Cluster im Bereich kultureller Vermittlung an Universitäten und Hochschulen notwendig, damit diese Wertigkeit auch geschaffen wird.«

Über den Rat für Kulturelle Bildung
Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Lage und Qualität Kultureller Bildung in Deutschland analysiert und auf der Basis von Denkschriften und Studien Empfehlungen an Politik, Wissenschaft und Praxis ausspricht. Ihm gehören elf Mitglieder an, die in verschiedenen Bereichen der Kulturellen Bildung verankert sind: Tanz- und Theaterpädagogik, Musik- und Literaturvermittlung, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Kulturwissenschaften, Medien, Kulturelle Bildung, bildende Kunst und Theater. Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative von: ALTANA Kulturstiftung, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, PwC-Stiftung, Siemens Stiftung und Stiftung Mercator.

Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung durch das Kulturradio WDR 3 für »Forum WDR 3«. Sendetermin: Sonntag, 20.12.2015, 19.05 Uhr.

Rat für kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung 27.08.2015 Programm der Deutschen Bläserakademie

Die Deutsche Bläserakademie ist die musikpädagogische Institution der Sächsischen Bläserphilharmonie. Ihr breites Angebot an Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten richtet sich an interessierte Amateur- und Berufsmusiker.

 

Der neue berufsbegleitende Lehrgang »Leitung von Blasorchestern und Ausbildung von Jungbläsern« der Deutschen Bläserakademie beginnt im November 2015. Als Lehrgangsorchester steht wie immer die Sächsische Bläserphilharmonie zur Verfügung, das bis heute einzige deutsche Kulturorchester in ausschließlicher Bläserbesetzung. Der Lehrgang erstreckt sich über ca. 20 Monate. Sechs Akademiephasen in Bad Lausick unter der Leitung von Prof. Gernot Schulz und fünf Praxisphasen am Wohnsitz des Teilnehmers bilden ein Ganzes, dessen Teile systematisch aufeinander bezogen werden. Ziel des Kurses ist die Erweiterung und Vervollkommnung der Fähigkeiten ein Blasorchester zu leiten und Jungbläser auszubilden. Der Lehrgang richtet sich an Dirigenten mit C3-Lehrgangsabschluss der Blasmusikverbände, Instrumentallehrer und Musikstudenten. Der Kurs schließt mit der B-Qualifikation der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen nach dem bundeseinheitlichen System in Kooperation mit der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände ab. Durch die Begrenzung der Teilnehmerzahl findet eine individuelle Betreuung statt. Intensive Probenphasen mit der Sächsischen Bläserphilharmonie runden die erstklassige Ausbildung in Bad Lausick ab. Bereits am 24.10.15 wird eine Aufnahmeprüfung stattfinden. Diese soll gewährleisten, dass schon die erste Lehrgangsphase für die intensive Arbeit der Teilnehmer mit dem Orchester und den Dozenten genutzt werden kann und nicht wie bisher als Orientierungsphase für beide Seiten gilt.

Vom 18. bis 20. September 2015 finden parallel zwei Instrumentalwerkstätten an der Deutschen Bläserakademie in Bad Lausick statt. Beide Workshops richten sich an Anfänger und Fortgeschrittene, Amateure und Profis, Musikstudierende sowie an interessierte Lehrkräfte, die sich auf ihrem Instrument weiterentwickeln möchten und Anregungen für das tägliche Üben benötigen. Ziel ist die Erarbeitung von Ensembleliteratur in unterschiedlichen Besetzungen und aus verschiedenen Epochen, sowie gegenseitiger Austausch und Inspiration. Geleitet werden die Kurse von den Hornisten bzw. Trompetern und Flügelhornisten der Sächsischen Bläserphilharmonie. Die Workshops enden mit einem öffentlichen Abschlusskonzert am Sonntagnachmittag.

Bereits zum dritten Mal findet vom 14. bis 18. Oktober 2015 in der Deutschen Bläserakademie in Bad Lausick das Akademieprojekt Saxophonorchester statt, zu dem sich Saxophonisten aus ganz Deutschland zu einem einzigartigen Projekt treffen. Talentierte Musiker im Alter von 14 bis 27 Jahren sind eingeladen, ein bis zu 30 Musiker umfassendes Saxophonorchester von Sopranino- bis Basssaxophon zu bilden. Angesprochen sind alle Saxophonisten, die ihre orchestralen Erfahrungen um das Zusammenspiel in einem reinen Saxophonorchester erweitern möchten. Voraussetzung an der Teilnahme sind gute bis sehr gute instrumentale Fähigkeiten. Eine zusätzliche Bereicherung des Workshops stellt die Erarbeitung von kammermusikalischen Werken dar. Künstlerischer Leiter ist Michael Böttcher. Die Satzproben und die Arbeit in den kleineren Ensembles werden durch die Mitglieder des Berliner Saxophonquartetts »clair-obscur« durchgeführt.

Nähere Informationen zu allen Kursen der Deutschen Bläserakademie sowie die Anmeldeformulare finden Sie hier.

Kulturelle Bildung 28.01.2015 Fachtag zur Musikalischen Bildung in Kindertagesstätten

3. Fachtag Musik am 30. Januar 2015 in der Landesmusikakademie Sachsen

 

Der 3. Fachtag Musik zum Thema »Musikalische Bildung im Kindergarten«, möchte die öffentliche Wahrnehmung für das Thema  stärken sowie Hinweise und Vorschläge für die Ausbildung und Qualifizierung von ErzieherInnen erarbeiten. Schwerpunkt dieser Tagung ist der Dialog mit den Ausbildungseinrichtungen in Sachsen, die Erzieherinnen und Erzieher ausbilden, mit dem Ziel eine bessere musikalische Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern zukünftig zu ermöglichen.

45 Teilnehmer werden sich im Dialog zwischen Vertretern des Sächsischen Kultusministeriums, Trägern, Ausbildungs- und Kindertageseinrichtungen sowie Verbänden zu  diesem Thema verständigen. Vertreter von insgesamt 19 Fachschulen in Sachsen nehmen teil. Im Rahmen des Fachtages werden Fachschulen Umfang und Inhalte der Ausbildung vorstellen und Erzieher aus ihrer Berufspraxis an Kindertageseinrichtungen berichten. Außerdem werden aktuelle Fortbildungsangebote präsentiert. Der Fachtag knüpft dabei an die Ergebnisse der vorangegangenen Veranstaltung vom November 2013 an.

Der Fachtag Musik ist ein Gemeinschaftsvorhaben des Sächsischen Musikrates und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Ausführliche Informationen

Veranstaltungsort:
Landesmusikakademie Sachsen im Schloss Colditz
Schlossgasse 1, 04680 Colditz

Organisation:
Sächsischer Musikrat
Torsten Tannenberg
Telefon (0351) 802 42 33 | (0172) 353 54 37

Kulturelle Bildung 21.01.2015 Aus AfS und VDS wird BMU

Neuer Bundesverband Musikunterricht e.V. (BMU) entsteht nach Fusion der musikpädagogischen Fachverbände AfS und VDS

 

Seit 1. Januar 2015 ist der Bundesverband Musikunterricht (BMU) e. V. der Nachfolgeverband der bisherigen schulmusikalischen Verbände Arbeitskreis für Schulmusik e.V. und Verband Deutscher Schulmusiker e.V. Der BMU mit Sitz in Mainz wird die bisherige Arbeit von AfS und VDS auf Bundes- wie Länderebene fortführen. Die Mitgliedschaften der rund 5.500 Musikpädagogen in AfS und VDS gingen zum 1.1.2015 auf den neuen Verband über.Der BMU wird von den beiden Präsidenten Prof. Dr. Ortwin Nimczik (ehem. VDS-Bundesvorsitzender) sowie Dr. Michael Pabst-Krueger (ehem. AfS-Bundesvorsitzender) geleitet. Prof. Dr. Dorothee Barth und Evelyn Beißel zeichnen als Vizepräsidentinnen für den BMU verantwortlich.

In den ersten Monaten 2015 konstituieren sich auch die 16 eigenständigen BMU-Landesverbände. Zentrales Anliegen des neuen Verbandes ist es, den Musikunterricht in allen Schularten gleichwertig zu bedenken, musikpädagogische Themen intensiv zu diskutieren, aber auch musikpraktische Qualifikationen zu vermitteln und die Ensemblearbeit an den Schulen nach außen zu präsentieren. Mit der Zusammenführung der beiden Verbände soll ein national wie international agierendes Netzwerk entstehen. Die über Jahre gewachsene Kooperationen mit Partnerverbänden und Institutionen werden im BMU weiterhin gepflegt.

Im Jahr 2015 führt der BMU im Rahmen seiner Projektarbeit zwei bundesweite Wettbewerbe und ein großes Jugendmusikfestival durch: den Bundeswettbewerb »musik gewinnt!« sowie den Bundeswettbewerb Klassenmusizieren, der vom 19.–21. März in Köln stattfindet. Schließlich werden bei der Bundesbegegnung »Schulen musizieren« vom 28.–31. Mai etwa 600 aus dem gesamten Bundesgebiet angereiste Schülerinnen und Schüler die niedersächsische Hansestadt Lüneburg zum Klingen bringen.

Kulturelle Bildung 06.01.2015 Mehr Tanz und Gesang für die Kleinsten

Sächsischer Musikrat veranstaltet in Kooperation mit der Kulturstiftung Fachtag »Musikalische Bildung in Kindertagesstätten«

 

Kleine Kinder singen gern. So selbstverständlich das klingen mag, so fraglich scheint es, ob sie in den Kindergärten und Kitas dazu Gelegenheit, Anregung und Leitung bekommen. Dabei ist die frühkindliche musikalische Förderung für die musische Entwicklung besonders wichtig, da wesentliche Grundlagen bereits in diesem frühen Alter gelegt werden. »In diesem Bereich der kulturellen Bildung geschieht zu wenig«, meint Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrats e.V. Wie die Situation in den Kitas konkret aussieht, wie Musik, Tanz und Gesang in den Kita-Alltag integriert werden, welche strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten zu erwägen sind und welche kulturpolitischen Forderungen sich daraus ergeben, diese Fragen sollen  auf einem breit aufgestellten Fachtag mit dem Titel »Musikalische Bildung in Kindertagesstätten« diskutiert werden.

Der Sächsische Musikrat lädt dazu am 30. Januar 2015 ab 10 Uhr zu einer offenen Veranstaltung an der Landesmusikakademie auf Schloss Colditz ein. Die Sächsische Kulturstiftung ist zugleich Partner und Förderer des Fachtags. Neben Vertretern des Kultusministeriums sind Vertreter der sächsischen Fachschulen, an denen die Ausbildung der ErzieherInnen derzeit stattfindet, und interessierte Besucher eingeladen, und in Diskussionen und Roundtables Erfahrungen und fachlichen Rat auszutauschen. »Entscheidend ist der dahinterstehende Netzwerkgedanke«, so Tannenberg, »damit ein Austausch von Menschen und Institutionen initiiert wird, den es so sonst nicht geben würde«.

Vor zwei Jahren, im Herbst 2013, hatte der Sächsische Musikrat bereits einen ersten Fachtag zu diesem Thema veranstaltet, bei dem besonders die Situation in den Kindergärten und die Ausbildungsstruktur der KindergärtnerInnen, begrenzt auf den Kulturraum Leipzig, im Zentrum standen. Dabei stellte sich heraus, dass die Ausbildung an den Fachschulen breit gefächert und für die Kinder kaum altersspezifisch unterschieden ist: Ausgebildet werden ErzieherInnen für Kinder und Jugendliche von 0 bis 26 Jahren, also sowohl für die Kinderkrippe als auch für das Jugendhaus. Die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen, so das Ergebnis, werden dabei nicht oder kaum erfasst. Auch ist der musisch-ästhetische Bereich nur ein kleiner Teil der sechs Semester dauernden Ausbildung. Zudem ist das Ausbildungsniveau an den 53 Fachschulen in Sachsen, von denen sich 13 in staatlicher und 40 in privater oder kirchlicher Trägerschaft befinden, auf musikalischem Gebiet sehr unterschiedlich.

Wünschenswert wäre neben einer stärkeren Modularisierung der Ausbildung, so Tannenberg, ein berufsbegleitendes siebtes Semester. Eine weitere Möglichkeit, das Niveau der ErzieherInnenausbildung zu verbessern, sieht der Musikrat darin, fortlaufende Weiterbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. Weiterbildung im musisch-musikalischen Bereich kann helfen, die oft nur geringen Vorkenntnisse der angehenden Erzieherinnen zu erweitern. Bislang sind die Fortbildungsangebote im musischen Bereich eher dünn gesät, außerdem trägerbasiert, anders als bei den staatlich organisierten Lehrerfortbildungen. Um den verschiedenen daraus resultierenden Schwierigkeiten entgegenzuwirken schlägt der Musikrat vor, drei dezentrale fachliche Kompetenzzentren in verschiedenen Regionen einzurichten, die Fortbildungen anbieten können. Torsten Tannenberg umreißt das Ziel des Fachtags so: »Es geht uns nicht um einen Kindergartenchor, sondern um Musik als sozialpädagogisches Konzept, damit Singen, Rhythmus, Tanz, Bewegung in den Alltag integriert werden.«

Auf dem Fachtag sind neben der Analyse der derzeitigen Situation – Wie läuft die Ausbildung an den Fachschulen genau ab? Wie viele Stunden werden dort für die musisch-musikalische Ausbildung verwendet? Unter welchen qualitativen und quantitativen Vorgaben findet sie statt? – Ideen und Lösungen für eine bessere musisch-musikalische Erziehung gefragt. Denn Musik kann nicht nur verborgene Fähigkeiten eines jeden wecken, sondern auch kognitive, soziale, emotionale und kreative Strukturen weiter entwickeln. Das gilt für die kleinen Kinder, die ohnehin unbeschwert gern singen und tanzen, und für die Größeren erst recht. Diese Freude an der Musik zu bewahren und zu fördern ist eine wirklich ernst zu nehmende Aufgabe der ErzieherInnen.


Der Workshop gilt als offizielle Fortbildungsveranstaltung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Reisekosten werden erstattet.

Ausschreibung

Aron Koban

Kulturelle Bildung 23.09.2014 »... und Frohsinn sei auch mit dabei!«

Zur Gründungsversammlung des Bundesverbandes Musikunterricht

 

»Dann halte ich hiermit fest, dass die Gründung des Bundesverbandes Musikunterricht vollzogen ist«. Es war ein bewegender Moment, als der Versammlungsleiter Sebastian Klingenberg das Abstimmungsergebnis über die neue Satzung verkündete und damit der Gründungsakt des Bundesverbandes Musikunterricht (BMU) erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Bewegend auch, als zur »Geburtsstunde« des Verbandes spontan der Kanon »Viel Glück und viel Segen« vierstimmig erklang. Mit über 130 Gründungsmitgliedern und 26 Eintritten im Laufe der Kongresstage verfügt der Verband schon jetzt über eine solide Mitgliederbasis, bevor im Laufe des Jahres 2014 der Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) und der Verband deutscher Schulmusiker (VDS) samt seiner Landesverbände in den Bundesverband Musikunterricht übergehen werden. Dass neben prominenten Vertretern des Musiklebens, wie zum Beispiel dem Präsidenten des Deutschen Musikrates Prof. Dr. Martin Maria Krüger oder dem Präsidenten des Sächsischen Musikrates Prof. Dr. Christoph Krummacher, über 100 weitere Gäste der Einladung zur Gründungsversammlung gefolgt waren, übertraf bei weitem die Erwartungen der Veranstalter. »Es war ein langer Weg, die beiden Verbände zusammenzubringen, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten«, freuen sich die beiden neu gewählten Präsidenten des BMU, Prof. Dr. Ortwin Nimczik und Dr. Michael Pabst-Krueger. »Dem Leitgedanken des Verbandes ›für musikalische Bildung an Schulen‹ folgend, werden wir uns nun noch besser für ein gemeinsames, umfassendes Konzept für musikalische Bildung in jeder Schule in Deutschland und auf der Grundlage von kontinuierlichem Musikunterricht einsetzen können.« Als Vizepräsidentinnen wurden Prof. Dr. Dorothee Barth und Evelyn Beißel gewählt; acht weitere Vorstandspositionen gehen an Helmut F. J. Bencker, Sören Grebenstein, Tilman Heiland, Sebastian Klingenberg, Friedrich Neumann, Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt, Andreas Wickel und Julia Wolf.

Weitere Informationen

Kulturelle Bildung 09.07.2014 Laboratorium La Rhythmique

13. Internationale Rhythmikwerkstatt am Festspielhaus Hellerau Dresden

 

Vom 28. bis 31. August 2014 findet in Dresden die 13. Internationale Rhythmikwerkstatt am Festspielhaus Hellerau statt. Rhythmiker, Pädagogen, Musiker, Bildende und Darstellende Künstler sowie Interessenten aus angrenzenden Berufsfeldern sind eingeladen, sich der in Hellerau geborenen Rhythmik am Entstehungsort Festspielhaus persönlich zu nähern und in Bewegung und Gesprächen neue Kommunikationsfelder für sich und ihr Umfeld zu erschließen!

Veranstalter ist das Institut Rhythmik Hellerau e.V. in Zusammenarbeit mit HELLERAU Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Prof. Christine Straumer (Künstlerische Leitung) zum diesjährigen Thema: »Musik in ihrer Dynamik, Charakteristik und emotionalen Tiefe vermag einen individuellen körperlichen Ausdruck auszulösen, der sich in einer bestimmten Bewegungsqualität zeigt. Diesen Zusammenhängen zwischen Hören und Bewegen widmet sich die diesjährige Rhythmikwerkstatt mit verschiedenen Fragestellungen... Geplant sind mit internationalen Dozenten Vorträge, Lecture Demonstrations, Diskussionsforen, Workshops und Performances.«


Programminformationen und Anmeldung


Kulturelle Bildung 08.04.2014 Für fachliche Qualität und Professionalität

Stellungnahme der Schulmusikverbände zur Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur »kulturellen Kinder- und Jugendbildung«

 

Im Oktober 2013 hat die KMK ihre Empfehlung zur »kulturellen Kinder- und Jugendbildung« beschlossen. Die Musiklehrerverbände Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) und der Verband Deutscher Schulmusiker (VDS) begrüßen ausdrücklich die in diesem Papier verstärkt geforderten Aktivitäten in der außerschulischen kulturellen Bildung – auch mit Blick auf Kooperationen mit allgemein bildenden Schulen. Gleichwohl halten wir einige Schlussfolgerungen, die gezogen werden, für problematisch, da sie weder mit der wissenschaftlichen noch mit der alltagspraktischen Erfahrung in Einklang zu bringen sind. Zudem sehen wir die Gefahr, dass einige der aufgezeigten Konsequenzen gerade nicht zu einer Bereicherung des kulturellen Lebens an Schulen, sondern zu dessen Verarmung bzw. qualitativen Verflachung führen würden. Wir wenden uns daher an die für die allgemein bildenden Schulen zuständigen Ministerinnen und Minister der 16 Bundesländer, damit in zukünftigen Empfehlungen, Verlautbarungen und Diskussionen zum Thema folgende Punkte berücksichtigt werden:

1. Im KMK-Papier und in anderen Papieren zum Thema »Kulturelle Bildung« wird formuliert, »Kulturelle Bildung« müsse allen Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht bzw. überhaupt erst flächendeckend eingeführt werden. Tatsächlich aber findet »Kulturelle Bildung« tagtäglich an nahezu allen Schulen der Bundesrepublik Deutschland statt und der Fachunterricht in Musik, Kunst oder Theater ist de facto der einzige Ort, an dem »Kulturelle Bildung« alle Kinder und Jugendliche – unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen oder kulturellen Herkunft – erreicht. Kulturelle Bildung ist also bereits im Rahmen der künstlerischen Fächer in der Schule verankert, sodass die erste und zentrale Forderung die Sicherung des qualifizierten und von ausgebildeten Fachkräften erteilten Fachunterrichts in diesem Bereich sein muss.

2. Wir bitten darum, in künftigen Empfehlungen die zentrale Rolle der schulischen »Kulturellen Bildung« eindeutiger als bisher zu artikulieren und deutlich herauszustellen, dass es sich bei Angeboten zur »Kulturellen Bildung« außerhalb des Fachunterrichts an allgemein bildenden Schulen in der Regel um Vertiefungen, Ergänzungen oder individuelle Schwerpunktsetzungen in einem Gesamtangebot »Kultureller Bildung« handelt.

3. Die Musiklehrerverbände begrüßen explizit den Ausbau der außerschulischen »Kulturellen Bildung« auch mit Blick auf vielfältige Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen – sei es in Arbeitsgemeinschaften oder anderen zusätzlichen Angeboten in der Ganztagsschule oder auch punktuell mit dem Fachunterricht Musik. Formulierungen in diesem und anderen Papieren zur »Kulturellen Bildung« geben jedoch Anlass zur Sorge, dass der Fachunterricht in Teilen oder auch ganz durch projektartige kooperative Modelle mit außerschulischen Kulturschaffenden ersetzt werden soll oder diese Möglichkeit zumindest in Betracht und als gleich- bzw. gar höherwertiger bewertet wird.

4. Wir fordern deshalb, dass die zuständigen Ministerien die Verantwortung für jedes einzelne künstlerische Schulfach, also den Elementen der kulturellen Bildung, weiterhin übernehmen und dies auch in ihren Positionierungen und Entscheidungen nach außen hin deutlich machen. Der Fachunterricht Musik, für den wir hier sprechen, musste in den letzten Jahren bereits an vielen Stellen deutliche Kürzungen hinnehmen. Er darf in seiner Kontinuität und in seinem curricularen Aufbau, der auf musikdidaktischen Fundamenten ruht und von ausgebildeten Fachlehrern erteilt wird, an keiner Stelle weiter gekürzt, ersetzt oder in andere Weise als »Verhandlungsmasse« in einen allgemeinen Topf der »Kulturellen Bildung« eingebracht werden.

5. Es gibt in diesem und anderen Papieren eine Tendenz, die ästhetischen Fächer zu Lernbereichen, Kulturprofilen o.ä. zusammenzufassen oder neuerdings auch von einer gewünschten »Multiprofessionalität« der Lehrenden zu sprechen. Das Talent, sich in mehreren Künsten ausdrücken zu können, ist jedoch nur sehr wenigen Menschen gegeben und lässt sich vor allem nicht beliebig »anerziehen«. Nicht zuletzt deshalb muss in diesen Feldern die besondere Eignung – auch für die entsprechenden Lehrämter – bundesweit in Eignungsprüfungen an künstlerischen Hochschulen oder Universitäten nachgewiesen werden – was nur in sehr seltenen Ausnahmefällen von einzelnen Personen in mehreren Fächern möglich sein wird.

6. Wir fordern daher auf, künftig deutlicher herauszustellen, dass eine hochwertige fachliche Qualifikation der Lehrenden in- und außerhalb von Schule unverzichtbar für die »Kulturelle Bildung« ist und deshalb weiterhin gewährleistet bleiben muss – gerade und insbesondere auch für die inzwischen allgemein als unverzichtbar angesehene Herstellung künstlerischer Produkte als Voraussetzung Kultureller Bildung, die durch deren Rezeption allein nicht erreicht werden kann. Diese fachliche Qualifikation muss sowohl in der Ausbildung als auch im Einsatz der Lehrenden an den Schulen erhalten bleiben. Einer Entprofessionalisierung im Bereich des Unterrichtsfaches Musik, der weiteren künstlerischen Fächern und damit der Kulturellen Bildung insgesamt ist dagegen deutlich entgegenzutreten.

2. April 2014

Dr. Michael Pabst-Krueger (AfS-Bundesvorsitzender)
Prof. Dr. Ortwin Nimczik (VDS-Bundesvorsitzender)

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