Preise & Stipendien 10.12.2018 Ehrung für Markus Rindt

Der Intendant und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker wurde mit dem Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet

 

Am 2. Dezember 2019 wurde Markus Rindt, Intendant und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker, mit dem Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet. Der Presseclub Dresden ehrte damit sein vielfältiges Engagement für eine bessere Verständigung der Völker, gegen Fanatismus und Abschottung und seinen unermüdlichen Einsatz für die Dresdner Sinfoniker, die nunmehr seit 20 Jahren das internationale Kulturleben mit einem positiven Signal aus der Stadt Dresden bereichern. Für Markus Rindt stellt diese Auszeichnung eine sehr große Ehre dar – vor allem unter dem Aspekt, dass der Erich-Kästner-Preis in der Vergangenheit so bedeutenden Persönlichkeiten wie Ignatz Bubis, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher oder Joachim Gauck verliehen wurde. Er dankte seiner Familie, seinem Team und den Musikerinnen und Musikern der Dresdner Sinfoniker, die in der Vergangenheit immer wieder mit viel Engagement und Idealismus bei seinen Projekten mitwirkten. Aus diesem Anlass möchten wir Ihnen das MDR-Klassik-Gespräch vom 29. Oktober 2018 zum Nachhören empfehlen, wo Markus Rindt mit Redakteur Thomas Bille über seine Biographie, seine Neugier auf andere Kulturen, über die politische Bedeutung von Musik und seine Arbeit mit den Dresdner Sinfonikern spricht: https://www.mdr.de/kultur/dresdner-sinfoniker-markus-rindt-100.html

Die 10.000 Euro Preisgeld spendet Markus Rindt übrigens in voller Höhe der Dresdner Initiative »Musaik – Grenzenloses Musizieren«, die im September 2017 von den Musikpädagoginnen Luise Börner und Deborah Oehler gegründet wurde und sich kostenlos an Kinder aus schwierigen ökonomischen oder familiären Verhältnissen richtet. Zudem wollen die Dresdner Sinfoniker eine Kooperation mit dem »neuen Orchester« im Stadtteil Dresden-Prohlis eingehen und die Kinder bei einem Konzert im nächsten Jahr in das Programm einbinden. Darauf dürfen Sie gespannt sein!

Personalia 03.12.2018 Axel Köhler ist neuer Rektor der HfM Dresden

Erweiterter Senat stimmt mehrheitlich für 58jährigen Sänger und Regisseur

 

Axel Köhler ist neuer Rektor der Dresdner Hochschule für Musik. Der 58jährige setzte sich am 3. Dezember in der Wahl durch den Erweiterten Senat im ersten Wahlgang gegen Prof. Stephan Froleyks (Prodekan Universität Münster) durch. Köhler hat bereits erklärt, die Wahl annehmen zu wollen.

Zu Beginn seiner Amtszeit wolle er, so Köhler, als Einstieg in eine gut funktionierende Kommunikation, jeden Mitarbeiter des Hauses kennenlernen und Kontakt zu den Studierenden aufnehmen. »Eine Bestandsaufnahme zum internen mentalen Zustand der Hochschule halte ich für einen gelingenden Start für besonders wichtig.« In der Folge werde er zügig die gemeinsame Diskussion um Leitlinien zur weiteren Ausrichtung und Profilierung der Hochschule eröffnen.

Axel Köhler wurde 1960 in Schwarzenberg im Erzgebirge geboren. Er studierte an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Violinpädagogik und Gesang. Seine musikalische Karriere führte ihn zunächst ins Ensemble der Oper Halle, im Verlauf seiner künstlerischen Karriere als Gast u.a. an die Semperoper Dresden, die Bayrische Staatsoper, die Staatsoper Hamburg, das Royal Opera House London, die Staatsoper Wien sowie zu den Salzburger Festspielen. 1994 wurde er mit dem Händel-Preis geehrt und 1998 zum Kammersänger ernannt. Von 2009 bis 2016 war Axel Köhler künstlerischer Direktor und später Intendant der Oper Halle. Seit 2000 ist Köhler auch als Regisseur tätig, inszenierte u.a. in München, Bayreuth, Innsbruck, Dresden, Palermo und Graz. Seit der Spielzeit 2016|2017 ist er Mitglied des Ensembles der Staatsoperette Dresden.

Wann der neu gewählte Rektor sein Amt tatsächlich antreten kann, wird derzeit noch verhandelt. Die Hochschule für Musik wird nach dem Rücktritt von Amtsvorgängerin Judith Schinker im März dieses Jahres derzeit interimistisch von Rebekka Frömling, Prorektorin für Studium und Lehre, geleitet.

Preise & Stipendien 23.11.2018 Robert-Schumann-Preis 2019

Ragna Schirmer und Janina Klassen erhalten den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau

 

Die Pianistin Prof. Ragna Schirmer und die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Janina Klassen erhalten den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau 2019 zu gleichen Teilen. Die Jury würdigt damit ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung besonders mit Clara Schumann, deren 200. Geburtstag im kommenden Jahr gedacht wird.

Janina Klassen wurde 1953 in Bad Salzuflen geboren. Sie studierte Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Italienisch in Freiburg, Wien und Kiel. Nach ihrer Magister-Prüfung arbeitete sie zunächst im Christians-Verlag Hamburg und als Dozentin für Musiktheorie. 1988 wurde sie in Kiel mit einer Dissertation »Clara Wieck-Schumann: Die Virtuosin als Komponistin: Studien zu ihrem Werk« promoviert. Für die Recherchen zu dieser Arbeit kam sie noch zu DDR-Zeiten zu Forschungsaufenthalten ins Robert-Schumann-Haus Zwickau. Seit 1999 lehrt sie als Professorin an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau, wo sie Clara Schumann regelmäßig in Lehrveranstaltungen einbezieht. Ihre 2009 erschienene Clara-Schumann-Biographie erreichte ein weites Leserpublikum. Neben zahlreichen Artikeln hat sie sich auch als Notenherausgeberin mit dem Werk Clara Schumanns, auch durch Erstveröffentlichungen, intensiv auseinandergesetzt.

Ragna Schirmer wurde 1972 in Hildesheim geboren. Sie studierte Klavier in Hannover bei Karl-Heinz Kämmerling sowie in Paris bei Bernard Ringeisen. Sie war Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1996 lebt sie in Halle an der Saale. 2001 bis 2011 wirkte sie als Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim/Heidelberg. Unter ihren mehr als ein Dutzend veröffentlichten CD-Produktionen nimmt die Musik von Clara und Robert Schumann eine besondere Stellung ein. Sie spielte nicht nur Soloklavierwerke, sondern auch das orchesterbegleitete Klavierkonzert Clara Schumanns ein. Für die im Bärenreiter-Verlag erscheinende Ausgabe der Klavierwerke Robert Schumanns steuert sie die Fingersätze bei, wobei sie sich an den Fingersätzen Clara Schumanns orientiert. Im Vorfeld des Clara-Schumann-Jubiläumsjahrs 2019 hat sie sich auf besondere Weise für die Komponistin und Pianistin engagiert, z. B. durch das Clara-Schumann-Projekt des Puppentheaters Halle oder durch Auseinandersetzung mit der im Robert-Schumann-Haus Zwickau erhaltenen Programmzettelsammlung Clara Schumanns, wofür sie vor Ort recherchierte.

Der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau wird seit 1964 von der Stadt verliehen. Ausgezeichnet werden damit hochrangige Dirigenten, Wissenschaftler, Instrumentalisten, Sänger, Klangkörper oder Institutionen des deutschen und internationalen Musiklebens, denen ein besonderer Verdienst um die Verbreitung der musikalischen Werke Schumanns und der Erforschung seines Lebens und Schaffens zukommt. Bis 2002 wurde die Auszeichnung jährlich vergeben, seit 2003 erfolgt die Vergabe alle zwei Jahre. Die Auszeichnungsvorschläge unterbreitet die Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e.V. Der Preis ist mit einer Gesamtsumme von 10.000 Euro dotiert, die bei mehreren Preisträgern geteilt werden kann. Weiterhin gehören eine Bronzemedaille und eine Urkunde zur Auszeichnung.

Zwar wurden auch früher schon Musiker und Musikwissenschaftler für ihre besonderen Verdienste um Clara Schumann mit dem Preis ausgezeichnet, so 1993 der belgische Pianist Jozef De Beenhouwer und 1996 die amerikanische Biographin Nancy Reich, doch steht im kommenden Jahr erstmals Clara Schumann ganz im Zentrum der Preisvergabe. Die Verleihung erfolgt in einer öffentlichen Fest-Veranstaltung im Robert-Schumann-Haus Zwickau am Freitag, dem 12. April 2019.

Kulturpolitik 16.11.2018 Mehr Geld für Kultur

Sachsen plant ab dem Jahr 2019 eine Aufstockung des Kulturetats des Landes

 

Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD haben heute die Pläne für den Kulturetat des Freistaates für den Doppelhaushalt 2019/2020 vorgestellt. Nach Aussagen der beiden kulturpolitischen Sprecherinnen von CDU und SPD, Aline Fiedler und Hanka Kliese wird dieser um 28,5 Mio. Euro, d.h. um 13 Prozent, auf dann 244 Mio. Euro ab dem Jahr 2019 steigen.

»Kern des neuen Kulturhaushalts ist die Kulturraumförderung. Nachdem die Mittel mit den vergangenen beiden Doppelhaushalten bereits auf 94,7 Mio. Euro angehoben wurden, werden sie nun auf 104,7 Mio. Euro erhöht. Mit zusätzlichen sieben Mio. Euro pro Jahr können wir so die Theater und Orchester beim Einstieg in eine tarifgerechte Entlohnung der Künstlerinnen und Künstler in den nächsten vier Jahren unterstützen. Zudem werden die Kulturraummittel um drei Mio. Euro pro Jahr aufgestockt und die Kulturräume erhalten weiter jährlich drei Mio. Euro für kleinere Investitionen, zum Beispiel für neue Licht- und Tontechnik oder auch neues Inventar,« so Aline Fiedler. Mit gezielten Maßnahmen werden bestehende Kulturangebote vor Ort unterstützt, aber auch Neues ermöglicht. Ein Schwerpunkt ist die Kulturelle Bildung und hier zentral die Erreichbarkeit von Kultureinrichtungen im ländlichen Raum. Mit zusätzlich 265.000 Euro pro Jahr stehen dann insgesamt 1,5 Mio. Euro jährlich zur Verfügung. Damit werden Mobilitätsangebote für Kinder und Jugendliche beim Besuch von Kultureinrichtung unterstützt, als auch die Mobilität der Künstler und Kultureinrichtungen in die Regionen hinein. Weiterhin erhalten die Musikschulen in Sachsen in den kommenden beiden Jahren jeweils 6,7 Mio. Euro, ein Plus von 700.000 Euro pro Jahr. Mit dem neuen Trägerverein für das Schostakowitsch Festival und des Festival Sandstein und Musik, der Sächsischen Mozartgesellschaft, den Dresdner Sinfonikern und der Leipziger Schaubühne Lindenfels werden vier Einrichtungen neu in die institutionelle Förderung aufgenommen. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hanka Kliese, sagt dazu: »Mit jedem Euro, den wir in Kultur investieren, stärken wir das Fundament für den sozialen Zusammenhalt. Für uns heißt Kulturförderung nicht nur, bestehende Strukturen zu sichern, sondern auch Raum für Neues zu eröffnen. So haben wir uns in der Koalition u.a. darauf verständigt, die Mittel für die Freie Kunst und Kulturförderung um ca. 2,4 Mio. Euro jährlich aufzustocken.« Dies kommt auch dem Instrumentenfonds des Sächsischen Musikrates zugute, der auf 600.000 Euro anwächst und nunmehr auch damit die Musikschulen in Sachsen in diese Förderung einbeziehen kann.

Kinder & Jugend 06.11.2018 10 Jahre Landesjugendchor Sachsen

In einem Festkonzert mit Werken von Bernstein, Brahms, Martin und Poulenc feiert das Ensemble sein Jubiläum

Samstag, 10. November 2018
20 Uhr Thomaskirche Leipzig
Festkonzert »10 Jahre Landesjugendchor Sachsen«

Frank Martin: Messe für Doppelchor
Johannes Brahms: Fest- und Gedenksprüche, op. 109
Leonard Bernstein: Chichester Psalms
Francis Poulenc: Gloria

Shira Patchornik (Sopran)
Landesjugendchor Sachsen
Jugendsinfonieorchester Leipzig
Ron-Dirk Entleutner (Dirigent)

Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, Restkarten ab 60 Minuten vor Konzertbeginn an der Abendkasse.

 

Mit der »Messe für Doppelchor (Frank Martin), den Fest- und Gedenksprüchen von Johannes Brahms, Leonard Bernstein »Chichester Psalms« und Francis Poulenc »Gloria« wird der Landesjugendchor Sachsen des Sächsischen Chorverbandes e.V. am kommenden Samstag, 10. November 2018, in der Thomaskirche zu Leipzig sein 10-jähriges Jubiläum feiern.

Im Landesjugendchor Sachsen singen aktuell 55 der besten jungen Chorsängerinnen und -sänger Sachsens. Vor zehn Jahren war der Chor von dem damaligen Jugendreferenten des Sächsischen Chorverbandes und heute national und international bekannten Chorleiter, Sänger, Kirchenmusiker und Dirigenten Marcus Friedrich gegründet worden. Der Landesjugendchor Sachsen nahm unter Friedrichs Leitung und seit 2015 unter der von Ron-Dirk Entleutner eine eindrucksvolle Entwicklung zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Klangkörper junger Chormusik und zu einem der besten Chöre in Sachsen. Der Chor repräsentiert zugleich die lebendige sächsische Chorszene über die Grenzen des Freistaates hinaus. Sechs Mal im Jahr trifft sich der Landesjugendchor zu Arbeitsphasen in verschiedenen Regionen des Freistaates. Die jungen Sängerinnen und Sänger reisen zu diesen Treffen aus ihren Heimatchören an. Über die Aufnahme in das Auswahlensemble entscheidet ein Vorsingen, das jederzeit an ausgewählten Musikschulen in ganz Sachsen möglich ist (Anmeldung hier). Das Festkonzert am kommenden Samstag, 10. November 2018, 20 Uhr, in der Thomaskirche verspricht ein eindrucksvolles und emotionales Klangerlebnis zu werden. Der Chor wird zu diesem Konzert verstärkt durch 15 ehemalige Sängerinnen und Sänger. Zugleich wird es für einige ChorsängerInnen das letzte Konzert in ihrer Karriere im Landesjugendchor. Sie werden zum Jahresende den Chor aus beruflichen und Altersgründen verlassen, aber weiterhin dem Chorgesang in ihren Heimatensembles treu bleiben. Die jungen Sängerinnen und Sänger sind übrigens in allen Berufsgruppen tätig und singen aus Passion, Lust und Freude in Chören und Ensembles. Ein wichtiger Partner für chorsinfonische Projekte, wie sie auch zum Festkonzert zu hören sein werden, ist das preisgekrönte Jugendsinfonieorchester der Musikschule Leipzig »Johann Sebastian Bach«. 2015 führten beide Klangkörper das erste Mal gemeinsam Edward Elgars »The Dream of Gerontius« erfolgreich auf. Im Herbst 2016 entstand eine gemeinsame CD mit der europäischen Ersteinspielung zu Samuel Barbers »The Lovers« die im Mai 2017 beim Label Rondeau erschienen ist. Ein wichtiger Höhepunkt der Kooperation war die von der Presse umjubelte Aufführung des »Verdi-Requiems« im November 2017 in der Thomaskirche. Die Aufnahmen dazu wird es zum Jubiläum auf CD geben. Das beide Ensembles nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sehr gut harmonieren, wird dieses Jubiläumskonzert zeigen: Das Jugendsinfonieorchester, knapp 23 Jahre »älter« als der Jubilar, wird als Gratulant den Landesjugendchor Sachsen musikalisch begleiten.

Personalia 29.10.2018 Prof. Dr. Christoph Krummacher ist Ehrenmitglied des Deutschen Musikrates

Im Rahmen ihrer Generalversammlung haben die Mitglieder des Deutschen Musikrates dem Präsidenten des Sächsischen Musikrates die Ehrenmitgliedschaft verliehen

 

Im Rahmen ihrer Generalversammlung haben die Mitglieder des Deutschen Musikrates Prof. Dr. Christoph Krummacher am 20. Oktober 2018 in Berlin die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes verliehen.

Nachfolgend finden Sie den Wortlaut der Laudatio von Prof. Eckard Lange (Weimar) auf den Preisträger:

»Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist mir eine besondere Ehre und Freude, hier eine kurze Laudatio für Herrn Prof. Dr. Christoph Krummacher vortragen zu dürfen. Wir kennen uns seit vielen Jahren und arbeiten seit zwölf Jahren als Landesmusikratspräsidenten in Mitteldeutschland eng zusammen. Es gab und gibt regelmäßige Treffen, bei denen wir vergleichbare Strategien beraten und wo ich Ihren vorsichtigen Rat, lieber Herr Krummacher, besonders schätzen gelernt habe. Und wir arbeiten seit Jahren auch unmittelbar bei den Musikratsprojekten zusammen, beispielsweise bei Jugend musiziert oder in gemeinsamen Projekten unserer Landesjugendensembles. Ich kenne ihn schon viel länger, aber ich weiß nicht, ob ich ihm das mal verraten habe. Er ist Jahrgang 1949, wurde ist Berlin geboren und ist in Greifswald aufgewachsen, wo er ersten Orgelunterricht bei Hans Pflugbeil erhielt. Nach dem Abitur studierte er Kirchenmusik (und der Theologie im Nebenfach) in Dresden (Orgelschüler von Hans Otto), Greifswald und Leipzig (u. a. bei Wolfgang Schetelich und Hannes Kästner). Nach seinem Staatsexamen 1975 war er zunächst Domkantor in Brandenburg an der Havel und von 1980 bis 1992 Universitätsorganist und Dozent an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock. Und aus dieser Zeit kennen wir uns, d.h. ich kenne ihn. Ich habe nämlich in dieser Zeit die älteste und schönste Dorforgel in Mecklenburg-Vorpommern, in Basedow, betreuen dürfen und dort hat er u.a. auch einmal konzertiert und ich habe bei ihm registriert. Er beschäftigte sich schon früh mit der Aufführungspraxis Alter Musik, besuchte internationale Meisterkurse von namhaften Organisten, so dass es kein Wunder war, dass ihn sein Weg auch zu dieser Orgel führte, die mitteltönig gestimmt ist und im Chorton steht. Christoph Krummacher promovierte 1991 auf dem Gebiet der Theologie und erhielt im gleichen Jahr den Kulturpreis der Hansestadt Rostock, gehörte er doch bereits in dieser Zeit zu den namhaftesten Organisten im Osten und konnte auf eine internationale Konzerttätigkeit verweisen - so gut das eben möglich war. 1992 erhielt er die Professor für Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und wurde Direktor des dortigen Kirchenmusikalischen Instituts. Er war dann nach Siegfried Thiele der zweite freigewählte Rektor der Hochschule in den Jahren 1997 bis 2003.

Zusätzlich zu seiner umfangreichen Konzerttätigkeit verfasste er zahlreiche Publikationen zu Interpretationsfragen, zu grundsätzlichen Problemen der Kirchenmusik und zum Verhältnis von Musik und Theologie. Sein neustes Buch wird gerade fertig.

Seit 2002 ist Christoph Krummacher ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und seit 2004 außerdem Universitätsorganist der Universität Leipzig. Er ist qua Amt Mitglied im Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks.

In seine 12 Amtsjahre als Präsident des Sächsischen Musikrates fällt die Eröffnung der Landesmusikakademie als Projekt des Musikrates und die Evaluierung der Arbeit des Dachverbandes durch den Freistaat Sachsen im Jahr 2010, wo es im Evaluationsbericht heißt: »Im Grunde steht der SMR konkurrenzlos in der sächsischen Musik- und Kulturlandschaft. Seine Aufgaben und Arbeitsinstrumente sind klar definiert und seine Vernetzungen und Kooperationsstrukturen sind komplex und effektiv aufgestellt..« Der inhaltliche Schwerpunkt von Präsident Christoph Krummacher war und ist die musikalische Bildung von Kindern im Vorschulalter und in der Grundschule und da werden wir ihn, auch wenn er 2019 nicht wieder als Musikratspräsident kandidieren wird, mehr als je zuvor brauchen. Ich gratuliere herzlich zur Ernennung!«

Allgemeines 26.10.2018 Musik gegen den Krieg – auch jenseits des Äquators

Südafrika-Reise von Singakademie Dresden und Landesjugendorchester Sachsen

 

Am vergangenen Wochenende ging die Südafrika-Reise der Singakademie Dresden, ihres Kinderchores und des Landesjugendorchesters Sachsen zu Ende. Mit dem erfolgreichen Konzert in der Dresdner Kreuzkirche am 11. Oktober startete die Tournee, die weiter ins Leipziger Gewandhaus und danach nach Südafrika führte. Mit der Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst« erklang dabei erstmals ein Werk des Kreuzkantors jenseits des Äquators. Hauptwerk der Konzerte war das War Requiem von Benjamin Britten. An den Aufführungen waren insgesamt vier Chöre, vier Kinderchöre und vier Orchester mit insgesamt ca. 400 Mitwirkenden unter der Leitung von vier Dirigentinnen und Dirigenten beteiligt:

  • die Singakademie Dresden
  • der Symphony Choir Johannesburg
  • der Philharmonia Choir Cape Town
  • die Chanticleer Singers Johannesburg
  • der Kinderchor der Singakademie Dresden
  • der Mädchenchor des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden
  • der St. John’s College Choir Johannesburg
  • die St. Cyprian’s Singers Cape Town
  • das Landesjugendorchester Sachsen
  • Sinfonietta Dresden
  • Mitglieder des Johannesburg Festival Orchestra
  • Mitglieder des Cape Town Festival Orchestra

Der südafrikanische Dirigent Richard Cock, Direktor des Johannesburger Chores und auf afrikanischer Seite verantwortlicher Initiator des Projekts leitete in den Aufführungen jeweils das Kammerorchester, Claudia Sebastian-Bertsch die Kinderchöre. Ekkehard Klemm dirigierte in Dresden und Johannesburg, Milko Kersten in Leipzig und Cape Town. Die Sopranistin Andiswa Makana und der Tenor Siyabonga Maqungo stammen selbst aus Südafrika, Bariton Daniel Ochoa aus Leipzig, wenngleich auch er einen afrikanischen Vater hat.

Finanziell wurde die Reise zunächst durch einen erheblichen Eigenanteil der Mitwirkenden getragen, daneben durch die Unterstützung des Goethe-Instituts, des Sächsischen Musikrates, des Förderkreises der Singakademie, der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Der Singakademie übernahm dabei die Rolle des Antragstellerin.

Der Gedanke von Versöhnung, Vergebung und Verständigung prägte die Reise in vielerlei Hinsicht. Es fanden neben den großen Aufführungen weitere Konzerte in Schulen der Townships statt. Während die Singakademie beeindruckt war von 250 schwarzen Gymnasiasten der Vuleka School JoBurg, die u. a. Schütz’ »Verleih uns Frieden« und Mauersbergers Motette mit gebannter Stille verfolgten, begeisterten das Landesjugendorchester und der Kinderchor der Singakademie Hunderte Grundschüler der St. Matthew’s School in Soweto, die sich ihrerseits mit vitalen Gesängen und Tänzen bedankten! Die deutschen Jugendlichen besuchten ebenso Unterrichtsstunden.

Ein Großteil der deutschen Mitwirkenden – die bereits in Dresden ca. 70 afrikanische Chorsängerinnen und -sänger selbst beherbergt hatten – wurden in Johannesburg und teilweise auch in Cape Town privat untergebracht. Ungezählte Begegnungen wurden dadurch ermöglicht. Auch die Jugendlichen des Orchesters übernachteten in Johannesburg mit Unterstützung der Deutschen Schule privat.

Wenig Gelegenheit war bei den ständig notwendigen Proben mit den jeweils neu hinzukommenden Ensembles für Sightseeing. Der Schwerpunkt lag auf dem Kennenlernen jener Orte, die auch inhaltlich zum Thema des Projekts – »Musik gegen den Krieg« – passten. So standen Soweto, das Geburtshaus von Nelson Mandela sowie das Apartheid-Museum auf dem Programm. Der Besuch der Gefängnis-Insel Robben Island fiel leider dem stürmischen Wetter zum Opfer – die Fähren konnten nicht ablegen. Dafür rückte das 2017 eröffnete »Zeitz MOCAA«, ein atemberaubendes Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst ins Programm. Hier waren in einem umgebauten Getreidespeicher des Hafens Bilder, Skulpturen, Installationen, Videokunst und vieles mehr zu bewundern, die in besonderer Weise mit dem Geist der Konzerte korrespondierten – zeigten sie doch Kunst, die sich ganz existenziell mit Fragen der Zeit, der Gesellschaft, des Leids durch Gewalt und Krieg auseinandersetzt.

Die kurze Zeitspanne zwischen letztem Auftritt und Abflug nutzten viele zu einem kurzen Ausflug ans Kap der guten Hoffnung, das zunächst »Kap der Stürme« hieß. Bei Windstärke sieben erlebten dort alle die Kraft der Natur am südlichen Ende Afrikas – eine Kraft, die auf die Menschen abzufärben scheint. Mit Energie, Tatendrang und oft genug mit Verzweiflung packen sie die Probleme des Kontinents an. Und mit Begeisterung nahmen sie die europäischen Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker auf, feierten sie mit standing ovations. Mit bewegenden Worten bedankte sich inzwischen Richard Cock: »I want to thank you all for a fantastic two weeks of friendship and music making. It has been one of the great highlights for us in our choir, and a very special moment in our history. We have never tackled a project of this size before, and I am happy that it went as smoothly as it did. The memories of these performances will be with us forever, and it should make us more determined than ever that Peace should prevail in the world, and that war should not be an option. Really all I can say is thank you very much indeed for your wonderful cooperation, for your willingness to join us in this adventure, and for your generosity in all things.«

Diesen Dank können alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur zurückgeben – tief beeindruckt von einer Gastfreundschaft, die uns ins Herz eines Kontinents im Aufbruch blicken ließ, trotz und gerade wegen seiner Probleme und Herausforderungen.

Ekkehard Klemm

Allgemeines 18.10.2018 Dem Musikenthusiasten Leonard Bernstein zum 100. Geburtstag

Mit den 28. Leipziger Chopin-Tagen feiert die Neue Leipziger Chopin-Gesellschaft vom 18. bis 21. Oktober 2018 den 100. Geburtstag des universalen Musikgenies.

Drei Konzerte und der Festliche Salon zum Abschluss sind Bernstein sowie seinen amerikanischen Zeitgenossen gewidmet und schlagen selbstverständlich eine Brücke zum Namensgeber des Veranstalters. Einige von Bernsteins komponierten »Geburtstagsständchen«, den »13 Anniversaries«, wählte die Pianistin Katharina Treutler für ihren Klavierabend zur Eröffnung der diesjährigen Chopin-Tage am 18. Oktober im Polnischen Institut.

Die Kooperation mit der Stadt Schneeberg im Erzgebirge wird auch zu den 28. Leipziger Chopin-Tagen mit einem Klaviernachmittag im Kulturzentrum »Goldne Sonne« fortgesetzt (21. Oktober, 16 Uhr). Alexander Meinel spielt u.a. George Gershwins »Rhapsody in Blue«, Melodien aus Bernsteins »West Side Story« sowie Werke von Debussy, Ravel, Beethoven und Chopin. Innerhalb der Chopin-Tage findet alljährlich die Klavier- und Kammermusikwerkstatt für Schüler und Jugendliche statt. Junge Nachwuchsmusiker stellen am Samstag, dem 20. Oktober ab 10 Uhr in der Leipziger Musikhochschule ihr Können unter Beweis. Anliegen Werkstatt ist es, den heranwachsenden Musikern neue Anregungen mit auf den Weg zu geben, Interpretationen zu vertiefen und das kammermusikalische Zusammenspiel zu fördern. Die Teilnehmer aus Sachsen und Sachsen-Anhalt tragen vor Publikum zwei vorbereitete Klavierund/ oder Kammermusikwerke vor und haben im Anschluss die Möglichkeit, mit den Juroren zu arbeiten. Die Jury der 23. Auflage setzt sich aus Professoren und Dozenten der Neuen Leipziger Chopin-Gesellschaft zusammen: Albrecht Hartmann (MLU Halle-Wittenberg), Christian Meinel (Latina, Halle) Andreas Kühn (HfM Dresden), Gudrun Franke, Gerhard Erber, Alexander Meinel, Dietmar Nawroth, Frank Peter, Eva Sperl und Andriy Tsygichko (HMT Leipzig). Die jungen Pianisten und Kammermusikpartner erhalten Sachpreise vom Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig. Für die beste Interpretation eines Chopin Werkes vergibt der Soroptimist-Club Leipzig den Chopin-Preis 2018. Zuhörer und Hospitanten sind herzlich willkommen.

Ihren Abschluss finden die Leipziger Chopin-Tage am Sonntag, dem 21. Oktober um 18 Uhr mit dem Festlichen Salon im Weißen Haus in Markkleeberg. Die Veranstaltung verbindet Musik und Unterhaltung mit Köstlichkeiten für Gaumen und Kehle. Freuen dürfen sich die Gäste auf mehrere kurzweilige Konzertteile. Für südamerikanisches Temperament sorgen Astor Piazzollas Grand Tango (in einer Version für Saxophon und Klavier) und dessen »Vier Jahreszeiten« für Klaviertrio sowie Werke des Brasilianers Zequinha de Abreu und des Kubaners Ernesto Lecuona. Neben weiteren musikalischen Überraschungen bildet auch in diesem Jahr der Galop marche für Klavier zu acht Händen von Albert Lavignac den traditionellen Höhepunkt der Veranstaltung.

Kulturpolitik 17.10.2018 Zu wenige öffentliche Musikbibliotheken in Deutschland

Deutsches Musikinformationszentrum präsentiert neues Online-Angebot

 

1,5 Millionen Schüler allein an kommunalen Musikschulen, 100.000 Teilnehmer an Musikangeboten der Volkshochschulen – aber nur 72 öffentliche Musikbibliotheken. Eine flächendeckende Versorgung mit Medien für die praktische Musikausübung, für das aktive Hören von Musik und für das Lernen über Musik ist in Deutschland vielerorts nicht gewährleistet. Dabei sind öffentliche Musikbibliotheken unverzichtbarer Bestandteil der musikalischen Bildung. Anlässlich der Vorstellung eines neuen Online-Angebots des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ) »Fokus: Öffentliche Musikbibliotheken« äußert sich der Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Prof. Christian Höppner, zu diesem Missverhältnis. »Musikbibliotheken sind Sehnsuchtsorte non-virtueller Erfahrungen. Gerade im Digitalen Zeitalter bedarf es des gut abgestimmten Miteinanders analoger und digitaler Angebote. Die Attraktivität des ›kulturellen Erlebnisortes Musikbibliothek‹ wird wesentllich von der personalen Fachkompetenz und der sächlichen Ausstattung bestimmt. Die finanziellen Rahmenbedingungen für die öffentlichen Musikbibliotheken sind in der viertstärksten Industrienation der Welt vielerorts desaströs. Deshalb sind die Länderparlamente wie Trägereinrichtungen aufgefordert, die bestehenden Einrichtungen adäquat auszustatten und die weißen Flecken durch Neueinrichtungen zu tilgen.« so Höppner.

Das MIZ beleuchtet aber auch, mit welchen kreativen Ideen die Einrichtungen auf die bestehenden kultur- und bildungspolitischen Hürden reagieren und wie sie den Herausforderungen durch den digitalen Wandel begegnen. Öffentliche Musikbibliotheken sind heute viel mehr als Orte, die Noten, Musikbücher und CDs verleihen. Sie stellen ein wachsendes Angebot an Datenbanken, E-Books, Digitalisaten und Streaming-Diensten mit hoher Klangqualität zur Verfügung. Vor allem in den großen Städten setzen sie auf die Aufenthalts- und Erlebnisqualität ihrer Häuser. Fernab virtueller Erfahrungen laden sie mit attraktiven Musikarbeitsplätzen, Musizierräumen mit Instrumenten, Konzerten und Workshops zur aktiven Beschäftigung mit Musik ein. Doch die Finanzierung der Einrichtungen hält mit der Entwicklung nicht immer Schritt: Nach Recherchen des MIZ werden bestehende Bestände vielerorts reduziert oder gar aufgelöst, Bibliotheksstellen nicht oder fachfremd besetzt.

Entstanden ist der »Fokus: Öffentliche Musikbibliotheken« in Kooperation mit der Deutschen Ländergruppe der International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centres. Über eine interaktive Karte können Informationen zu den einzelnen öffentlichen Musikbibliotheken abgerufen werden. Diese umfassen den physischen und digitalen Bestand der Bibliotheken einschließlich ihrer Schwerpunkte und Sondersammlungen. Abgerundet wird der neue Fokus mit weiterführenden Informationen sowie Bilderstrecken, die einen Einblick in die Angebote und Ausstattungen öffentlicher Musikbibliotheken geben.

Allgemeines 06.10.2018 Musik gegen den Krieg

Das Landesjugendorchester Sachsen konzertiert gemeinsam mit der Singakademie Dresden in Sachsen und Südafrika

54. Projekt des Landesjugendorchesters Sachsen Herbst 2018

Konzerte
11.10.2018, 19:30 Uhr, Kreuzkirche Dresden
12.10.2018, 20:00 Uhr, Gewandhaus Leipzig
13.–22. Oktober 2018, Konzertreise nach Südafrika

Mitwirkende
Andiswa Makana (Sopran)
Siyabonga Maqungo (Tenor)
Daniel Ochoa (Bariton)
Sinfonietta Dresden
Großer Chor und Kinderchor der Singakademie Dresden
Mitglieder des Mädchenchors des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden
Symphony Choir of Johannesburg
Landesjugendorchester Sachsen

Leitung
Ekkehard Klemm (11.10.2018)
Milko Kersten (12.10.2018)

 

»My subject is War, and the pity of War,
The Poetry is in the pity …
All a poet can do today is warn.«

(Wilfred Owen, Vorwort zur Partitur)

2018 jährt sich das Ende des 1. Weltkrieges zum 100. Mal. Kunst und Musik haben sich in vielfacher Weise mit dem Thema der Gewalt auseinandergesetzt. Der Text des 1918 gefallenen Dichters Wilfried Owen (1893–1918) ist die Basis für Benjamin Brittens »War Requiem«, eines der eindrücklichsten musikalischen Zeugnisse gegen den Krieg. Geschrieben für die Weihe der neuen Kathedrale in Coventry hat das Werk für die Partnerstadt Dresden eine besondere Bedeutung. Das »War Requiem« steht im Mittelpunkt eines Projekts zwischen Deutschland und Südafrika, denn auch dort endete 1918 der 1. Weltkrieg. Die Reflexionen über Krieg, Diktaturen und Apartheid begegnen sich schicksalhaft in der Auseinandersetzung mit Brittens Werk und den Ausführenden aus zwei Kulturen. In einer Kontinente umspannenden Aufführungsserie begegnet das Landesjugendorchester Sachsen ambitionierten Amateurchören aus Dresden, Johannesburg und Cape Town sowie hochkarätigen deutschen und afrikanischen Musikern. In Begleitprogrammen werden die Ausführenden – insbesondere die jugendlichen Musikerinnen und Musiker – mit der Geschichte von Krieg, Gewalt und Apartheid in den jeweiligen Ländern und Städten sowie über die Geschichte und die Intentionen von Brittens Werk informiert, besuchen Gedenkstätten in Johannesburg und Soweto. Einen ganz besonderen Impuls der friedensstiftenden Begegnung erhält das Projekt dadurch, dass die Musikerinnen und Musiker sich gegenseitig beherbergen und Begegnungen mit den Deutschen Schulen in Johannesburg und Cape Town organisiert werden – damit wird nicht zuletzt auch Brittens Idee der Versöhnung in seinem Sinne musiziert und transportiert.

Die Solisten Andiswa Makana (Sopran), Siyabonga Maqungo (Tenor) und Daniel Ochoa (Bariton) sind junge in Deutschland lebende Sänger mit teils afrikanischem Hintergrund, mit denen ein weiterer kultureller Bogen gespannt wird. Die Singakademie Dresden unter der Leitung von Prof. Ekkehard Klemm wird sängerisch durch den Symphony Choir of Johannesburg unterstützt. Zum Landesjugendorchester Sachsen tritt desweiteren die Sinfonietta Dresden unter der Leitung von Richard Cock hinzu.

Das Landesjugendorchester Sachsen (LJO) ist seit 1992 die Anlaufstelle für ambitionierte junge MusikerInnen aus Sachsen, von denen viele am Anfang einer professionellen Musikerlaufbahn stehen. Die 14- bis 26-jährigen sind der talentierte Nachwuchs der klassischen Musiklandschaft des Freistaats und vielmals »Jugend musiziert«-Preisträger, die in der Probenarbeit lernen, was es heißt, sich auf andere verlassen zu können, zuzuhören, aufeinander zu reagieren und sich inspirieren zu lassen.

In zwei Probephasen im Jahr werden abwechselnd mit dem künstlerischen Leiter Prof. Milko Kersten und ständig wechselnden Gastdirigenten auf professionellem Niveau Programme erarbeitet, die alle stilistischen Bereiche abdecken. Die einzelnen Stimmgruppen arbeiten dabei mit Dozenten aus renommierten sächsischen Orchestern zusammen wie der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig oder der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz. Dabei bekommen die jungen Talente einen Einblick in die Arbeitsweisen und Abläufe im Alltag eines Berufsmusikers. Gerade diejenigen, die vor der Entscheidung stehen, das Musizieren zum Beruf zu machen, profitieren von diesen Erfahrungen.

Aber nicht nur auf musikalischer Ebene entwickeln sich die Jugendlichen weiter, auch persönlich sind die Projekte immer wieder eine Herausforderung, an der sie wachsen. Hier werden ganz grundlegende zwischenmenschliche Werte gefordert. Man lernt, die Leistung anderer zu wertschätzen, Disziplin und Motivation an den Tag zulegen und sich vollkommen auf eine Sache einzulassen, sich und jeden Einzelnen als Teil von etwas Größeren zu erkennen. Die Energie, die dabei entsteht, wird bei den Konzerten nahezu greifbar. Das LJO Sachsen hat sein Publikum bisher nicht nur in Deutschland begeistert, sondern auch in Polen, Russland, Ungarn, Italien, Großbritannien, Zypern, den USA, in Südafrika, China, Karelien oder Peru. In mehreren CD-Aufnahmen ist es gelungen, dieses Ereignis nicht nur im Konzertsaal erlebbar zu machen.

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