11.05.2020

Private Kulturveranstalter fordern Hilfsangebote zum Überleben der Szene

Demonstration am 13. Mai um 11 Uhr auf dem Filmnächte-Gelände am Elbufer in Dresden

Der Freistaat Sachsen hat mit den Musikschulen und Hochschulen eine hervorragende Ausbildung für kreative Künstler geschaffen. Was nützt jedoch die beste Ausbildung, wenn jetzt die Auftrittsmöglichkeiten verboten werden und danach die freien Veranstalter reihenweise in der Insolvenz oder im Konkurs landen. Wir bitten daher um sofortige Weichenstellung für allgemeine, oftmals auch maßgeschneiderte Hilfsangebote in den Dimensionen, die die freie Veranstaltungsbranche und die Künstler zum Überleben benötigen.

Die Forderungen sind am Beispiel der Jazztage Dresden, die ohne direkte Hilfe von mindestens 20% des Vorjahres-Nettoumsatzes nicht mehr überlebensfähig sind, ein Anfang zum kreativen Ideenaustausch mit dem Ziel, eine tatsächliche Substanzsicherung der freien Veranstalter, der Veranstaltungswirtschaft und der freien Künstler zu realisieren. Manche Forderungen ergänzen sich oder greifen ineinander. Überförderungen sind natürlich auszuschließen.

Die Jazztage Dresden mit jährlich rund 40.000 Besuchern stehen vor dem sicheren Schicksal, nach aktuellem Insolvenzrecht ab September 2020 einfach von der Bildfläche zu verschwinden. Um dies bei den Jazztagen und bei vielen anderen zu verhindern, starten die Jazztage Dresden diese Initiative. Die Forderungen werden die Branche, auch in wöchentlichen Demonstrationen, unter dem Motto »Stumme Künstler« zusammenbringen und weitere Fälle von unvermeidlichen Insolvenzen zum Vorschein bringen, wenn nicht umgehend geholfen wird. Die erste Demonstration wird unter voller Einhaltung der Hygienevorschriften am Mittwoch, den 13. Mai um 11 Uhr auf dem Filmnächte-Gelände am Elbufer mit den überlebensgroßen Konzertfotografien der Künstler stattfinden.

Der Freistaat Sachsen hat mit seinen immensen kulturellen Schätzen aus Jahrhunderten hier die Möglichkeit, als lebendiges und kulturell leuchtendes Beispiel gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Für unsere Gesellschaft und mit einer florierenden freien Kulturszene, die weitreichende positive Auswirkungen auf unser soziales Miteinander kreiert, den Tourismus nachhaltig befördert und damit mittelfristig auch wirtschaftlich wieder erfolgreich ist.

Forderungen:

  • Aufnahme von gemeinnützigen Veranstaltern in den Bereich der Empfangsberechtigten des SAB Sofortkredites »Sachsen hilft sofort« über 50.000 bzw. 100.000 Euro.
  • Einführung eines Grundeinkommens für freie Künstler in Sachsen analog Bayern für den Zeitraum, in dem keinerlei Konzerte stattfinden durften (Mitte März bis ...). Danach Erweiterung des Grundeinkommens auf die Monate, in denen der Konzertbetrieb eingeschränktem stattfinden kann analog den geltenden Einschränkungen.
  • Anerkennung der persönlichen Lebenshaltungskosten für Soloselbstständige und Personengesellschaften in Höhe von 1.180 Euro je Monat/Person im Corona Soforthilfeprogramm des Bundes analog Baden-Württemberg. Ausweitung auf die noch folgenden Monate ohne Auftrittsmöglichkeiten. Unternehmerlohn muss möglich sein!
  • Staatlich gezahlte Ausfallhonorare der freien Künstler in Höhe des Kurzarbeitergeldes für vertraglich gesicherte und wegen Corona stornierte Auftritte.
  • Umgehend Richtlinien die nachvollziehbar machen, nach welchen Kriterien Veranstaltungen wieder erlaubt sind. Inklusive der Vorgaben, wann und wie die Abstandsregeln aufgehoben werden. Dies ermöglicht eine erhebliche Schadensminimierung von Seiten der Veranstalter.
  • Sofortige Schaffung rechtlicher Möglichkeiten für Veranstalter, Verträge, die vor der Corona-Krise geschlossen wurden, wegen höherer Gewalt zu stornieren oder nachzubessern.
  • Erlass der KSK Zahlungen für Veranstalter in 2020
  • Umsatzsteuersenkungen um 12 % (analog Gastronomie) für alle Veranstalter, unabhängig vom derzeitigen Umsatzsteuerstatus. Weitere Senkung um 0,33% für jeden weiteren Tag, an dem ab dem 1. Juni Veranstaltungen verboten bleiben oder wegen der Hygieneregeln wirtschaftlich nicht zu betreiben sind.
  • Sofortige kostenlose Insolvenzberatung zur schadensminimierenden Überlebensstrategieplanung.
  • Die Kulturpolitik und die Kulturförderung muß alle Sparten und insbesondere auch die freien Künstler berücksichtigen. Gerade in der freien Szene ist die grundlegende Finanzierung viel zu niedrig. Dies ist eine der Ursachen dafür, dass durch geringe Honorare keine Rücklagen gebildet werden konnten und somit viele, auch hochrangige freien Künstler und Veranstalter gezwungen wären, langfristig in die Grundsicherung zu gehen oder, wenn möglich, die Branche zu wechseln. Im Moment geht ohne Berücksichtigung der oben genannten Forderungen bei Vielen pro Monat Auftrittsverbot mindestens ein Jahr Altersrückstellungen zugrunde, sofern dies überhaupt möglich war.

Kontakt: Kilian Forster, Intendant Jazztage Dresden & freischaffender Musiker




 

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