26.10.2018

Musik gegen den Krieg – auch jenseits des Äquators

Südafrika-Reise von Singakademie Dresden und Landesjugendorchester Sachsen

Am vergangenen Wochenende ging die Südafrika-Reise der Singakademie Dresden, ihres Kinderchores und des Landesjugendorchesters Sachsen zu Ende. Mit dem erfolgreichen Konzert in der Dresdner Kreuzkirche am 11. Oktober startete die Tournee, die weiter ins Leipziger Gewandhaus und danach nach Südafrika führte. Mit der Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst« erklang dabei erstmals ein Werk des Kreuzkantors jenseits des Äquators. Hauptwerk der Konzerte war das War Requiem von Benjamin Britten. An den Aufführungen waren insgesamt vier Chöre, vier Kinderchöre und vier Orchester mit insgesamt ca. 400 Mitwirkenden unter der Leitung von vier Dirigentinnen und Dirigenten beteiligt:

  • die Singakademie Dresden
  • der Symphony Choir Johannesburg
  • der Philharmonia Choir Cape Town
  • die Chanticleer Singers Johannesburg
  • der Kinderchor der Singakademie Dresden
  • der Mädchenchor des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden
  • der St. John’s College Choir Johannesburg
  • die St. Cyprian’s Singers Cape Town
  • das Landesjugendorchester Sachsen
  • Sinfonietta Dresden
  • Mitglieder des Johannesburg Festival Orchestra
  • Mitglieder des Cape Town Festival Orchestra

Der südafrikanische Dirigent Richard Cock, Direktor des Johannesburger Chores und auf afrikanischer Seite verantwortlicher Initiator des Projekts leitete in den Aufführungen jeweils das Kammerorchester, Claudia Sebastian-Bertsch die Kinderchöre. Ekkehard Klemm dirigierte in Dresden und Johannesburg, Milko Kersten in Leipzig und Cape Town. Die Sopranistin Andiswa Makana und der Tenor Siyabonga Maqungo stammen selbst aus Südafrika, Bariton Daniel Ochoa aus Leipzig, wenngleich auch er einen afrikanischen Vater hat.

Finanziell wurde die Reise zunächst durch einen erheblichen Eigenanteil der Mitwirkenden getragen, daneben durch die Unterstützung des Goethe-Instituts, des Sächsischen Musikrates, des Förderkreises der Singakademie, der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Der Singakademie übernahm dabei die Rolle des Antragstellerin.

Der Gedanke von Versöhnung, Vergebung und Verständigung prägte die Reise in vielerlei Hinsicht. Es fanden neben den großen Aufführungen weitere Konzerte in Schulen der Townships statt. Während die Singakademie beeindruckt war von 250 schwarzen Gymnasiasten der Vuleka School JoBurg, die u. a. Schütz’ »Verleih uns Frieden« und Mauersbergers Motette mit gebannter Stille verfolgten, begeisterten das Landesjugendorchester und der Kinderchor der Singakademie Hunderte Grundschüler der St. Matthew’s School in Soweto, die sich ihrerseits mit vitalen Gesängen und Tänzen bedankten! Die deutschen Jugendlichen besuchten ebenso Unterrichtsstunden.

Ein Großteil der deutschen Mitwirkenden – die bereits in Dresden ca. 70 afrikanische Chorsängerinnen und -sänger selbst beherbergt hatten – wurden in Johannesburg und teilweise auch in Cape Town privat untergebracht. Ungezählte Begegnungen wurden dadurch ermöglicht. Auch die Jugendlichen des Orchesters übernachteten in Johannesburg mit Unterstützung der Deutschen Schule privat.

Wenig Gelegenheit war bei den ständig notwendigen Proben mit den jeweils neu hinzukommenden Ensembles für Sightseeing. Der Schwerpunkt lag auf dem Kennenlernen jener Orte, die auch inhaltlich zum Thema des Projekts – »Musik gegen den Krieg« – passten. So standen Soweto, das Geburtshaus von Nelson Mandela sowie das Apartheid-Museum auf dem Programm. Der Besuch der Gefängnis-Insel Robben Island fiel leider dem stürmischen Wetter zum Opfer – die Fähren konnten nicht ablegen. Dafür rückte das 2017 eröffnete »Zeitz MOCAA«, ein atemberaubendes Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst ins Programm. Hier waren in einem umgebauten Getreidespeicher des Hafens Bilder, Skulpturen, Installationen, Videokunst und vieles mehr zu bewundern, die in besonderer Weise mit dem Geist der Konzerte korrespondierten – zeigten sie doch Kunst, die sich ganz existenziell mit Fragen der Zeit, der Gesellschaft, des Leids durch Gewalt und Krieg auseinandersetzt.

Die kurze Zeitspanne zwischen letztem Auftritt und Abflug nutzten viele zu einem kurzen Ausflug ans Kap der guten Hoffnung, das zunächst »Kap der Stürme« hieß. Bei Windstärke sieben erlebten dort alle die Kraft der Natur am südlichen Ende Afrikas – eine Kraft, die auf die Menschen abzufärben scheint. Mit Energie, Tatendrang und oft genug mit Verzweiflung packen sie die Probleme des Kontinents an. Und mit Begeisterung nahmen sie die europäischen Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker auf, feierten sie mit standing ovations. Mit bewegenden Worten bedankte sich inzwischen Richard Cock: »I want to thank you all for a fantastic two weeks of friendship and music making. It has been one of the great highlights for us in our choir, and a very special moment in our history. We have never tackled a project of this size before, and I am happy that it went as smoothly as it did. The memories of these performances will be with us forever, and it should make us more determined than ever that Peace should prevail in the world, and that war should not be an option. Really all I can say is thank you very much indeed for your wonderful cooperation, for your willingness to join us in this adventure, and for your generosity in all things.«

Diesen Dank können alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur zurückgeben – tief beeindruckt von einer Gastfreundschaft, die uns ins Herz eines Kontinents im Aufbruch blicken ließ, trotz und gerade wegen seiner Probleme und Herausforderungen.

Ekkehard Klemm

Foto: Filip Sommer

 

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