06.06.2016

Mekka für junge Hornisten und Tubisten aus aller Welt

51. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen – Ein Rückblick

Aller vier Jahre wird die Musikstadt Markneukirchen zum Mekka für junge Hornisten und Tubisten aus aller Welt. Sie kommen ins Vogtland, in ein Zentrum des deutschen Orchesterinstrumentenbaus, dessen handwerkliche Tradition 2014 in die Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen wurde.

Markneukirchen war in den 1980er Jahren Vorreiter bei der Schaffung eines hochrangigen internationalen Wettbewerbes für die Tuba als Soloinstrument und hob sie 1984 erstmals auf das Podium eines internationalen Wettbewerbs. Seither wächst die Anziehungskraft dieses musikalischen Wettstreites beständig an und so haben sich für den diesjährigen 51. Internationalen Instrumentalwettbewerb vom 19. bis 28. Mai 2016 insgesamt 233 junge Musikerinnen und Musiker aus 35 Ländern und 6 Kontinenten beworben, davon 118 im Fach Tuba und 115 im Fach Horn – jeweils so viele wie nie zuvor in der Markneukirchen Wettbewerbsgeschichte für diese beiden Instrumente. Im Fach Horn galt es zunächst die Hürde einer CD-Vorauswahl zu meistern, bevor an 83 Bewerber dieser Kategorie Einladungen gesendet werden konnten. Letztlich stellten sich 145 Kandidaten dem 10-tätigen Wettbewerb, 61 im Fach Horn und 84 im Fach Tuba.

Unter der Präsidentschaft von Prof. Peter Damm verfolgten die Mitglieder der internationalen Jurys die drei Auswahlprüfungen und das abschließende Orchesterfinale in jedem Fach sehr aufmerksam und kürten am Ende jeweils drei Preisträger. Den Fachjuryvorsitz übernahmen Prof. Christian Lampert (Deutschland) für das Fach Horn, selbst Preisträger des Markneukirchener Wettbewerbes, sowie Markus Theinert (Deutschland) im Fach Tuba. Im Fach Horn gehörten der Jury an: Prof. Mag. Johannes Hinterholzer (Österreich), Prof. Michael Höltzel (Deutschland), Prof. Herman Jeurissen (Niederlande), Prof. Vladimíra Klánská (Tschechische Republik), Prof. Erich Penzel (Deutschland) und Prof. Frøydis Ree Wekre (Norwegen). Juroren im Fach Tuba waren: Prof. Øystein Baadsvik (Norwegen), Prof. Gérard Buquet (Frankreich), Markus Hötzel (Deutschland, zweimaliger Preisträger des Markneukirchener Wettbewerbes), Prof. Eiichi Inagawa (Japan), Prof. Daniel Perantoni (USA), Prof. Josef Steinböck (Österreich), Stefan Tischler (Deutschland) und Prof. Jörg Wachsmuth (Deutschland, zweimaliger Preisträger des Wettbewerbes in Markneukirchen), der insbesondere als Solist mit der Markneukirchener Riesentuba eine enge Beziehung zur Musikstadt pflegt. Die Schirmherrschaft haben der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden Christian Thielemann, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange sowie Professor Kurt Masur (†) übernommen.

Nach anspruchsvollen Programmen mit Werken verschiedenster Epochen, solo und mit Klavierbegleitung in den drei Auswahlprüfungen, präsentierten sich in der abschließenden Finalrunde die bis dahin Bestplatzierten im Fach Horn mit dem Concerto per Corno (1957) des tschechischen Komponisten Jiří Pauer in Begleitung des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau unter der Leitung von GMD Lutz de Veer. Im Anschluss daran wurden folgende Preise vergeben:

2. Preisträger: Luís Duarte Dias Moreira (Portugal)
2. Preisträger und Publikumspreisträger: Nicolás Gómez Naval (Spanien)
3. Preisträger: Ivo Dudler (Schweiz)

Auch im Fach Tuba vergab die Jury nach Abschluss der Finalrunde mit dem Concerto (1992) for Tuba and Orchestra des armenischen Komponisten Alexander Arutiunian keinen ersten Preis. Es wurden gekürt:

2. Preisträger: Henrique Dos Santos Costa (Portugal)
3. Preisträger: Florian Schuegraf (Frankreich)
3. Preisträger: Gergely Lukács (Ungarn)

Zusätzlich zu den Geldpreisen im Gesamtwert von 18.000 Euro, die von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Paracelsus Klinik Adorf-Schöneck, der Volksbank Vogtland, dem Vogtlandkreis und der Merkur Bank gestiftet wurden, können sich die Preisträger nun unter anderem auch über ein Diskanthorn »Hans Hoyer« sowie einen Gutschein zum Kauf einer Tuba der Buffet Crampon Deutschland GmbH, ein Naturhorn – gestiftet von der Sparkasse Vogtland, Konzertengagements bei der Chursächsischen Philharmonie Bad Elster, beim Festival Horn Class Prag sowie im Leubnitzer Schloss, über Dämpfer der Firma Jürgen Voigt, Markneukirchen, Gig Bags für Horn und Tuba von GEWA music, Notengutscheine aus dem Friedrich Hoffmeister Musikverlag Leipzig sowie Bücher freuen.
Neben konzentriertem Arbeiten im Rahmen des Wettbewerbes boten die Tage in Markneukirchen aber auch Unterhaltung in Form von abwechslungsreichen Konzerten sowie Interessantes und Wissenswertes aus dem Bereich des Musikinstrumentenbaus.

Das Sinfoniekonzert zur Eröffnung des Wettbewerbes gestaltete in diesem Jahr erneut das Sinfonieorchester Markneukirchen, diesmal gemeinsam mit der Klarinettistin Bettina Aust. Sie war 2014 erste Preisträgerin des Markneukirchener Wettbewerbes und kehrte jetzt mit Mozarts Klarinettenkonzert an den Ort ihres Erfolges zurück. Auf viel Interesse bei Publikum und Juroren ist der Vortrag »Vom Serpent zur modernen Tuba« von Roland Szentpali gestoßen. Der ungarische Tubist hat, unterstützt durch zahlreiche Musikstücke, die Entwicklungsstufen der heutigen Tuba detailreich und unterhaltsam den interessierten Gästen vermittelt und als mehrfacher Preisträger des Markneukirchener Tubawettbewerbes alle jungen Kandidaten besonders beeindruckt.
Einblicke in die Welt der Musikinstrumente und ihrer Herstellung vermittelten aber auch die Tage der offenen Tür im Studiengang Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH), im Institut für Musikinstrumentenbau Zwota und bei der Buffet Crampon Deutschland GmbH sowie die Schauvorführung zum Geigenbau in der Erlebniswelt Musikinstrumentenbau Markneukirchen und Besuche in den Werkstätten der einheimischen Meister und bei den Ausstellungen in der Musikhalle Markneukirchen.

Ergänzt wurde das Rahmenprogramm durch ein Konzert des Blasorchesters Markneukirchen unter dem Motto »Vive la France«, durch die Museumsnacht in den Musikinstrumentenmuseen der Stadt mit Eröffnung einer Sonderausstellung zu Saxophonen aus dem deutschsprachigen Raum, Konzerten mit Gottfried Sembdner (Orgel), dem Mandolinen- und Gitarrenensemble Markneukirchen, dem Frauenchor Luby und dem Klingenthaler Saxophonquintett. Im Preisträgerkonzert mit den Bestplatzierten fand der 51. Internationale Instrumentalwettbewerb Markneukirchen schließlich einen würdigen Abschluss. Alle Preisträger brillierten in Anwesenheit der Schirmherrin und Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange noch einmal mit Stücken aus dem Wettbewerbsprogramm. Bürgermeister Andreas Rubner wies schon einmal auf den nächsten Instrumentalwettbewerb in Markneukirchen vom 4. bis 13. Mai 2017 hin und lud Musikerinnen und Musiker der Fächer Viola und Kontrabass herzlich nach Markneukirchen ein.

www.markneukirchen.de

Finalisten Tuba (v.l.) Henrique Dos Santos Costa, Gergely Lukács, Florian Schuegraf
Foto: Ellen Liebner

 

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