06.01.2015

Mehr Tanz und Gesang für die Kleinsten

Sächsischer Musikrat veranstaltet in Kooperation mit der Kulturstiftung Fachtag »Musikalische Bildung in Kindertagesstätten«

Kleine Kinder singen gern. So selbstverständlich das klingen mag, so fraglich scheint es, ob sie in den Kindergärten und Kitas dazu Gelegenheit, Anregung und Leitung bekommen. Dabei ist die frühkindliche musikalische Förderung für die musische Entwicklung besonders wichtig, da wesentliche Grundlagen bereits in diesem frühen Alter gelegt werden. »In diesem Bereich der kulturellen Bildung geschieht zu wenig«, meint Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrats e.V. Wie die Situation in den Kitas konkret aussieht, wie Musik, Tanz und Gesang in den Kita-Alltag integriert werden, welche strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten zu erwägen sind und welche kulturpolitischen Forderungen sich daraus ergeben, diese Fragen sollen  auf einem breit aufgestellten Fachtag mit dem Titel »Musikalische Bildung in Kindertagesstätten« diskutiert werden.

Der Sächsische Musikrat lädt dazu am 30. Januar 2015 ab 10 Uhr zu einer offenen Veranstaltung an der Landesmusikakademie auf Schloss Colditz ein. Die Sächsische Kulturstiftung ist zugleich Partner und Förderer des Fachtags. Neben Vertretern des Kultusministeriums sind Vertreter der sächsischen Fachschulen, an denen die Ausbildung der ErzieherInnen derzeit stattfindet, und interessierte Besucher eingeladen, und in Diskussionen und Roundtables Erfahrungen und fachlichen Rat auszutauschen. »Entscheidend ist der dahinterstehende Netzwerkgedanke«, so Tannenberg, »damit ein Austausch von Menschen und Institutionen initiiert wird, den es so sonst nicht geben würde«.

Vor zwei Jahren, im Herbst 2013, hatte der Sächsische Musikrat bereits einen ersten Fachtag zu diesem Thema veranstaltet, bei dem besonders die Situation in den Kindergärten und die Ausbildungsstruktur der KindergärtnerInnen, begrenzt auf den Kulturraum Leipzig, im Zentrum standen. Dabei stellte sich heraus, dass die Ausbildung an den Fachschulen breit gefächert und für die Kinder kaum altersspezifisch unterschieden ist: Ausgebildet werden ErzieherInnen für Kinder und Jugendliche von 0 bis 26 Jahren, also sowohl für die Kinderkrippe als auch für das Jugendhaus. Die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen, so das Ergebnis, werden dabei nicht oder kaum erfasst. Auch ist der musisch-ästhetische Bereich nur ein kleiner Teil der sechs Semester dauernden Ausbildung. Zudem ist das Ausbildungsniveau an den 53 Fachschulen in Sachsen, von denen sich 13 in staatlicher und 40 in privater oder kirchlicher Trägerschaft befinden, auf musikalischem Gebiet sehr unterschiedlich.

Wünschenswert wäre neben einer stärkeren Modularisierung der Ausbildung, so Tannenberg, ein berufsbegleitendes siebtes Semester. Eine weitere Möglichkeit, das Niveau der ErzieherInnenausbildung zu verbessern, sieht der Musikrat darin, fortlaufende Weiterbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. Weiterbildung im musisch-musikalischen Bereich kann helfen, die oft nur geringen Vorkenntnisse der angehenden Erzieherinnen zu erweitern. Bislang sind die Fortbildungsangebote im musischen Bereich eher dünn gesät, außerdem trägerbasiert, anders als bei den staatlich organisierten Lehrerfortbildungen. Um den verschiedenen daraus resultierenden Schwierigkeiten entgegenzuwirken schlägt der Musikrat vor, drei dezentrale fachliche Kompetenzzentren in verschiedenen Regionen einzurichten, die Fortbildungen anbieten können. Torsten Tannenberg umreißt das Ziel des Fachtags so: »Es geht uns nicht um einen Kindergartenchor, sondern um Musik als sozialpädagogisches Konzept, damit Singen, Rhythmus, Tanz, Bewegung in den Alltag integriert werden.«

Auf dem Fachtag sind neben der Analyse der derzeitigen Situation – Wie läuft die Ausbildung an den Fachschulen genau ab? Wie viele Stunden werden dort für die musisch-musikalische Ausbildung verwendet? Unter welchen qualitativen und quantitativen Vorgaben findet sie statt? – Ideen und Lösungen für eine bessere musisch-musikalische Erziehung gefragt. Denn Musik kann nicht nur verborgene Fähigkeiten eines jeden wecken, sondern auch kognitive, soziale, emotionale und kreative Strukturen weiter entwickeln. Das gilt für die kleinen Kinder, die ohnehin unbeschwert gern singen und tanzen, und für die Größeren erst recht. Diese Freude an der Musik zu bewahren und zu fördern ist eine wirklich ernst zu nehmende Aufgabe der ErzieherInnen.


Der Workshop gilt als offizielle Fortbildungsveranstaltung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Reisekosten werden erstattet.

Ausschreibung

Aron Koban

Foto: 123rf.com/profile_marcogovel

 

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