18.10.2013

Kulturelle Bildung in Sachsen

Die Geschäftsführer der Landesweiten Kulturverbände und Vertreter der Netzwerkstellen Kulturelle Bildung aus den Kulturräumen trafen sich am 17. September 2013 auf Einladung der LKJ Sachsen e.V. im Kulturrathaus Dresden zu einem Fachgespräch mit den kultur-, bildungs- und jugendpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen.

Anlass des Gespräches war die von den CDU/FDP-Fraktionen initiierte Große Anfrage zur Kulturellen Bildung. Die Antworten der Staatsregierung liegen vor, federführend wurden die 43 z.T. sehr umfassenden Fragen auf 71 Seiten durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus beantwortet.

Die Träger würdigten die erstmalige und umfassende Befassung mit dem Thema sowie die komplexe Bestandsaufnahme zur kulturellen Bildung, machten aber auch auf Defizite und Versäumnisse aufmerksam, die u.a. durch die Nicht- oder nur sehr kurzfristige Einbeziehung der Träger hätten verhindert werden können.

Kulturelle Bildung muss als Teil der grundständigen Bildung  sowie der Jugendarbeit verstanden und behandelt werden, was ein Gesamtkonzept und Abstimmungen aller Ebenen und Ressorts erfordert, also eine  tatsächlich ergebnisorientierte und transparente  Zusammenarbeit der in der IMAG vertretenen Ministerien, Kulturräume und Verbände.

Der in der Großen Anfrage immer wieder zitierte dezentrale Ansatz der Staatsregierung, dass die Akteure und finanziell Verantwortlichen auf der kommunalen Ebene selbst entscheiden sollen, ob, in welchem Umfang und mit welcher Schwerpunktsetzung sie im Bereich der kulturellen Bildung tätig werden, wurde heftig hinterfragt. Der Bildungsauftrag gilt für alle, deshalb muss es auch eine Gesamtverantwortung geben. Für eine  gesamtstaatliche Strategie und Vision für den Freistaat braucht es die Steuerungsfunktion des Staates, Handlungsbedarfe und Handlungsrahmen müssen durch die Staatsregierung klar formuliert werden.

Die Einschätzung der Staatsregierung in den Antworten auf die Fragen der CDU/FDP-Fraktion, dass es ein »hinreichendes und zufriedenstellendes« Angebot auf dem Gebiet der kulturellen Bildung in Sachsen gäbe, rief Widerspruch hervor, insbesondere mit Blick auf ländliche Regionen und Zugänge für bildungsbenachteiligte Zielgruppen.

Die freien Träger nahmen den an sie gerichteten Gestaltungsauftrag zum eigenverantwortlichen Handeln an – den sie ohnehin als ihre Kernaufgabe verstehen – und bringen gern ihre Expertise ein, um »zur Verstetigung, Weiterentwicklung und kreativen Ausgestaltung« der kulturellen Bildung (S.68/Große Anfrage) beizutragen. Aber sie brauchen dafür entsprechende Rahmenbedingungen und Ressourcen, auch für die Vernetzung von formalen und nonformalen Lernorten.

Die anwesenden Landesverbände und Kulturraumvertreter sehen die Notwendigkeit, stärker als bisher eine Kultur des offenen Dialoges und einer zielorientierten Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Ministerien und freien Trägern zu praktizieren. Sie appellieren, die Förderpolitik von zeitlich befristeten Modellprojekten  hin zur Verstetigung erfolgreicher Projekte mit einer verlässlichen Finanzierung ohne Zwang zur permanenten Innovation umzustellen. Projekten wohnt keine strukturelle Nachhaltigkeit inne. Eine Landesförderung für die Jugendkunstschulen nach dem Modell der Musikschulförderung sollte geprüft werden. Einigkeit bestand auch darin, dass die in den Antworten dargelegten Strategien der Staatsregierung zur Förderung der Kulturellen Bildung eine gute Grundlage für die Träger darstellen, um aus Sicht der Akteure nachzuhaken, sie mit den eigenen praktischen Erfahrungen abzugleichen sowie auf den sich daraus ergebenden Handlungsbedarf zu verweisen.

Christine Range, LKJ Sachsen e.V.

 

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