14.04.2016

Günter Neubert zum 80. Geburtstag

Es ist ein schöner kalendarischer Zufall, dass der 80. Geburtstag des Leipziger Komponisten Günter Neubert und das 25-jährige Jubiläum des von ihm gegründeten DKV-Landesverbands Sachsen in dasselbe Jahr fallen. Denn es gilt nicht nur einen bedeutenden Komponisten von Bühnenwerken, Orchesterwerken, Oratorien, Chorkompositionen und Kammermusik zu würdigen, sondern auch eine Persönlichkeit, die Entscheidendes zum Zusammenwachsen der ost- und westdeutschen Komponistenverbände in den Jahren nach der Wende beigetragen hat.

Am 11. März 1936 in Crimmitschau/Sachsen geboren studierte Günter Neubert an der Hochschule für Musik Leipzig und an der Hochschule »Hanns Eisler« in Berlin, wo er 1960 sein Staatsexamen als Tonmeister ablegte. Sein parallel absolviertes Kompositionsstudium vervollkommte er bei Rudolf Wagner-Régeny, später auch als Meisterschüler bei Paul Dessau. Von 1960 bis 1991 arbeitete er als Toningenieur beim Rundfunksender Leipzig, 1992–2000 als Tonmeister beim MDR. Außerdem war er Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und Gründungsmitglied der „Sächsischen Akademie der Künste«.

Auf den Komponisten Günter Neubert wurde ich bereits 1983 aufmerksam, als ich die Uraufführung seines Oratoriums »Laudate Ninive« in meiner damaligen Heimatstadt Hannover miterleben durfte. Ein Kompositionsauftrag aus der früheren Bundesrepublik an einen DDR-Komponisten war damals ein außergewöhnlicher Vorgang, wenn auch Hannover und Leipzig bereits durch eine Städtepartnerschaft auf kommunaler und kirchlicher Ebene verbunden waren. Mich fesselte die geistliche Dimension in Kombination mit dem politisch-gesellschaftskritischen Engagement des Werkes, dessen Aufführung in der damaligen DDR fast verboten worden wäre. Persönlich lernte ich indes Günter Neubert erst Anfang der 90er Jahre kennen.

Als damaliger 2. Vorsitzender des Landesverbands Norddeutschland im Deutschen Komponistenverband habe ich auf den Sitzungen des Erweiterten Vorstands die Gespräche mit Komponistenkollegen der ehemaligen DDR miterlebt. Zu den führenden Persönlichkeiten, die die Verbindung zum DKV suchten, zählte sehr bald Günter Neubert. So gründete er zusammen mit Prof. Wilfried Krätzschmar bereits 1991 die Sektion Sachsen im Deutschen Komponistenverband als dessen ersten ostdeutschen Landesverband und gehörte zusammen mit Prof. Lothar Voigtländer als Vertreter der neuen Länder dem DKV-Bundesvorstand an. Als Vorsitzender des LV Sachsen schuf er Strukturen, die auch heute noch die Arbeit des Landesverbands Sachsen bestimmen. Den Förderpreis für junge Komponisten und Musikwissenschaftler, der aufgrund einer Nachlassregelung bereits zu DDR-Zeiten existierte, konnte er wiederbeleben. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde auch im letzten Jahr wieder verliehen. Mit der Gründung des Sächsischen Musikbunds gab er der von ihm initiierten Konzertreihe »Das außergewöhnliche Konzert«, in der stets auch lebende sächsische Komponisten vertreten waren, den notwendigen organisatorischen Rahmen. Durch die Schaffung eines Arbeitskreises »Junge Komponisten« erhielten Kollegen unter 35 die Möglichkeit, in einen Gedankenaustausch auch zwischen den Hochschulstandorten Dresden und Leipzig zu treten und selbständig Konzerte zu organisieren.

Die sächsischen Komponisten haben Günter Neubert viel zu verdanken. Im Namen des LV Sachsen im Deutschen Komponistenverband  gratuliere ich ihm sehr gern und herzlich zu seinem 80. Geburtstag und wünsche ihm für die vor ihm liegenden Jahre Gesundheit, Schaffenskraft und Gottes Segen.

Prof. Matthias Drude

Günter Neubert im Konzert
Festkonzert für Günter Neubert am 17. April in der Lutherkirche Crimmitschau
Aufführung
eines Werkes von Günter Neubert im Rahmen des Preisträgerkonzertes des Landeswettbewerbes Jugend musiziert am 29. April in Hoyerswerda

 

Werbung