Allgemeines 27.01.2017 350 Jahre Operngeschichte in Dresden

Am 27. Januar 2017 jährt sich die Eröffnung des ersten Opernhauses in Dresden zum 350. Mal

 

Am 27. Januar 2017 jährt sich die Eröffnung des ersten Opernhauses in Dresden zum 350. Mal. Der erste Vorgängerbau der Semperoper wurde an diesem Januartag 1667 feierlich eröffnet. Die Semperoper lädt zusammen mit dem Dresdner Geschichtsverein am 25. Februar zu einem Kolloquium ein, das die Geschichte der Oper in Dresden resümiert.

Die Opernkunst hat in Dresden eine lange Tradition: Vor 350 Jahren wurde am 27. Januar 1667 der erste Vorgängerbau der Semperoper, das »Churfürstliche Opernhaus am Taschenberg« – auch bekannt als »Klengelsches Opernhaus« (nach dem Entwurf des sächsischen Oberlandbaumeisters Wolf Caspar von Klengel benannt) –, feierlich mit Giovanni Andrea Moneglias »I Teseo« eröffnet. Zu Musiktheateraufführungen kam es bereits vierzig Jahre vor diesem historischen Datum, als der Komponist Heinrich Schütz 1627 »Dafne« während einer Fürstenhochzeit auf Schloss Hartenfels bei Torgau mit Dresdner Sängern und Musikern uraufführte. Als Kapellmeister leitete Schütz die Dresdner Hofkapelle, deren Gründungsdatum auf 1548 zurückzuführen ist, und war mit ihr für die Musik am Hofe verantwortlich: geistliche wie weltliche Musik zu unterschiedlichen Anlässen wie Unterhaltung, Feierlichkeiten, Gottesdiensten oder zur politischen Repräsentation. Er lebte allerdings nur bis 1657 in Dresden und erlebte die Eröffnung des »Klengelschen Opernhaus« als drittes festes Opernhaus in Nord-Europa nach Wien und München nicht.

Bereits 1707 wurde auf Geheiß Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) das Klengelsche Opernhaus zu einer katholischen Hofkapelle umgebaut – der Regent war ein paar Jahre zuvor zum Katholizismus konvertiert. Die Opern- und Ballettaufführungen fanden vorrübergehend auf einer provisorischen Bühne im Riesensaal des Schlosses statt. In Vorbereitung auf anstehende Vermählungsfeierlichkeiten wurde 1718 der Grundstein eines neuen festen Opernhauses gelegt. Die italienischen Baumeister Alessandro und Girolamo Mauro errichteten unter Mitwirkung von Matthäus Pöppelmann und Balthasar Permoser (den beiden Schöpfern des Dresdner Zwingers) in nur einem Jahr das »Große Opernhaus am Zwinger«. Das Dreirangtheater, das bis zu 2000 Besucher fasste und damit zu einem der größten und schönsten europäischen Operngebäuden gehörte, wurde am 3. September 1719 mit Antonio Lottis Oper »Giove in Argo« eröffnet. Unter dem Kurfürsten Friedrich August II. und der Leitung von Johann Adolph Hasse erlebte die Opernkunst in Dresden eine Blütezeit.

Etwa fünfzig Jahre nach seiner Eröffnung wurde das Opernhaus nur noch als Ball- und Konzertsaal genutzt. Felix Mendelssohn Bartholdy dirigierte hier 1843 sein Oratorium »Paulus« und Richard Wagner am 5. April 1846 seine denkwürdige Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie. 1849 brannte das Große Opernhaus am Zwinger während des Dresdner Maiaufstands ab und wurde danach nicht wieder errichtet.

Bereits 1755 ließ der Impresario Pietro Moretti in der Nähe des Zwingers ein weiteres Opernhaus errichten: das »Moretti-Theater«, später auch »Kleines Hoftheater« genannt. Hier wirkte Carl Maria von Weber als Hofkapellmeister des »deutsches Operndepartement« in der Zeit von 1817 bis 1826. Auf seine Empfehlung hin wurde 1817 der Dresdner Opernchor gegründet. Als Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Gestaltung des Dresdner Stadtzentrums heranreifte, legte Gottfried Semper einen »Forum-Plan« vor, der die Zwingeranlagen bis zum Elbufer weiterführen sollte. Doch nur der Neubau des Hoftheaters sollte realisiert werden. Baubeginn war 1838; am 12. April 1841 wurde das Erste Königliche Hoftheater mit Webers »Jubelouvertüre« und Goethes »Torquato Tasso« eröffnet. Sempers Rundbau galt fortan als »schönstes Theater der Welt«. Hier wirkte Richard Wagner in den Jahren 1843 bis 1849 als Königlich Sächsischer Kapellmeister, und hier kamen seine Opern »Rienzi« (1842), »Der fliegende Holländer« (1843) und »Tannhäuser« (1845) zur Uraufführung.

Durch eine Brandkatastrophe wird der erste Semperbau am 21. September 1869 zerstört. Nur wenige Wochen später eröffnet noch im Dezember des gleichen Jahres ein rasch errichtetes Interimstheater, das als »Bretterbude« in die Geschichte des Dresdner Operngeschehens einging. In diesem Theater beginnt das Wirken des Generalmusikdirektors Ernst von Schuch, der in den kommenden Jahrzehnten die künstlerische Exzellenz der Dresdner Oper entscheidend prägte.

Gottfried Semper, der mit der Architektur eines neuen Opernhauses beauftragt wurde, lebte in der Emigration in Italien und gab von dort aus seinem Sohn Manfred Anweisungen für den Neubau. Manfred Semper führte die Bauaufsicht bei der Errichtung des zweiten Semperbaus. Am 2. Februar 1878 wurde das zweite Königliche Hoftheater wiederum mit Webers »Jubelouvertüre« und Goethes »Iphigenie auf Tauris« eröffnet. Der zweite Semperbau ist Ort zahlreicher bedeutender Uraufführungen: »Feuersnot« (1901), »Salome« (1905), »Elektra« (1909), »Der Rosenkavalier« (1911), »Intermezzo« (1924), »Die ägyptische Helena« (1928), »Arabella« (1933), »Die schweigsame Frau« (1935), »Daphne« (1938) sind die wichtigsten Werke von Richard Strauss und wurden hier erstmals auf die Bühne gebracht. Auch Opern anderer Komponisten wie Ferruccio Busoni (»Doktor Faust« – 1925), Paul Hindemith (»Cardillac« – 1926), Kurt Weill (»Der Protagonist« – 1926) oder Rudolf Wagner-Régeny (»Der Günstling« – 1935) erlebten hier ihre Weltpremiere. Unter den Kriegsbedingungen musste am 31. August 1944 der Spielbetrieb in der Semperoper eingestellt werden, nachdem Carl Maria von Webers Oper »Der Freischütz« ein letztes Mal gezeigt wurde. Der Bombenangriff auf Dresden zerstörte in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 auch die Semperoper fast vollständig.

Als erste Interimsbühne nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die umgebaute Tonhalle in Dresden-Neustadt genutzt – später als »Kleines Haus« bekannt. Am 22. September 1948 wurde das wiederaufgebaute Schauspielhaus als »Großes Haus der Staatstheater Dresden« mit Beethovens »Fidelio« eröffnet. Bis 1984 beheimatete das Theater die Sparten Oper, Schauspiel und Ballett.

Im Jahr 1977 wurde der Grundstein zum möglichst originalgetreuen Wiederaufbau der Semperoper gelegt. Sieben Jahre später, 1984 wurde das Operngebäude an die Staatsoper zur Aufnahme des technischen und künstlerischen Probenbetriebs übergeben. Am 13. Februar 1985, vierzig Jahre nach der Zerstörung, wurde der dritte Semperbau festlich mit Carl Maria von Webers »Der Freischütz« wiedereröffnet. Die Semperoper Dresden ist eines der schönsten Theaterhäuser der Welt und ist berühmt für ihre herausragende Akustik und ihr künstlerisch hochkarätiges Programm. Sowohl das exzellente Ensemble des Hauses als auch zahlreiche internationale Gäste tragen dazu kontinuierlich bei.

Allgemeines 23.01.2017 Sie singen und lesen gern?

Mittlerweile zum festen Bestandteil der Leipziger Buchmesse geworden, ruft auch in diesem Jahr CLARA, das Jugend-Musik-Netzwerk des MDR gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse und den Hallenser Madrigalisten zur Teilnahme am 3. Buchmesse-Chor auf.

 

Sangesfreudige Messebesucher sind eingeladen als Chor, am Sonntag, 26. März 2017, um 12.00 Uhr in der Glashalle der Leipziger Messe aufzutreten. Wie in den Vorjahren, wird es am Anfang des Messetages von 10.30 bis11.30 Uhr eine Probe in Saal 2 des Kongresscenters geben, um sich auf den öffentlichen Auftritt vorzubereiten.

Gesungen werden gemeinsam mit den Hallenser Madrigalisten unter der Leitung von Tobias Löbner u. a. die baltischen Werke »Sanctus«, »Lietuva«, »Seriau Zirgeli« und »Püha, Püha«.

Melden Sie sich an und gewinnen Sie einen Platz im Chor und damit verbunden eine Freikarte für die Buchmesse am 26.03.2017. Die Noten bekommen Sie nach der Anmeldung zugesandt. Midi-Einspielungen zum Üben gibt es auf der Internetseite der Leipziger Buchmesse zum Herunterladen.

Allgemeines 19.01.2017 Innovativ und International

Die 11. Moritzburg Festival Akademie lädt ein

 

Ab sofort können sich wieder hochtalentierte junge Musiker/innen bis zum 31. März 2017 für die Moritzburg Festival Akademie bewerben. Das ambitionierte Nachwuchsprojekt fördert musikalische Talente aus aller Welt zwischen 16 und 26 Jahren und bietet ihnen die Möglichkeit, sich im Rahmen des renommierten Moritzburg Festivals zu präsentieren.

Die nunmehr 11. Moritzburg Festival Akademie unter der künstlerischen Leitung der Violinistin Mira Wang findet vom 30. Juli bis 11. August 2017 in Moritzburg statt. Das Interesse ist stets groß, die Bewerbungen zahlreich. 2016 wurden aus über 250 Interessenten 44 Instrumentalisten aus 19 Nationen für die Moritzburg Festival Akademie eingeladen. Alle Akademist/innen erhalten ein Vollstipendium. So ist es möglich, junge Menschen unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft zu fördern und sie auf ihrem musikalischen Lebensweg zu inspirieren und zu unterstützen.

Seit ihrer Gründung im Jahre 2006 hat sich die Akademie einen hervorragenden Ruf als internationale und innovative musikalische »Werkstatt« erarbeitet. Sie ist fester Bestandteil des Moritzburg Festivals, das diesen Sommer zum 25. Mal stattfindet und vom 05. – 20. August in Moritzburg und Umgebung Kammermusik auf höchstem Niveau präsentiert. Die Akademist/innen werden als Festivalorchester bei der Orchesterwerkstatt in den Elbe Flugzeugwerken, beim Tourkonzert in Bad Elster sowie beim Eröffnungskonzert in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden auftreten. In kleineren Kammermusikbesetzungen gestalten die jungen Musiker/innen das Proschwitzer Musik-Picknick und die Lange Nacht der Kammermusik. Engagierte Musikliebhaber/innen können das ambitionierte Nachwuchsprojekt durch die Übernahme einer Patenschaft im Wert von 1.000 € ganz gezielt unterstützen und somit einen Teil der Kosten für ein Vollstipendium übernehmen. Bei der Orchesterwerkstatt haben die Paten die Möglichkeit, ihr musikalisches Patenkind persönlich kennenzulernen.

Kontakt
Johanna Leisgang
(0351) 810 54 95
www.moritzburgfestival.de

Allgemeines 16.01.2017 Viola und Kontrabass im Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen 2017

Monika Grütters übernimmt Schirmherrschaft für die 52. Auflage des Internationalen Instrumentalwettbewerbs

 

Die diesjährige 52. Auflage des Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen findet vom 4. bis 13. Mai in den Fächern Viola und Kontrabass statt. Erstmals wird in diesem Jahr die Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, die Schirmherrschaft über den traditionsreichen Musikwettbewerb in der Stadt der Musikinstrumentenbauer übernehmen. Sie übt dieses Amt gemeinsam mit Christian Thielemann aus.

Die Anmeldefrist für den Wettbewerb läuft noch bis 31. Januar 2017. Eingeladen sind junge Nachwuchskünstler im Alter bis 30 (Fach Viola) bzw. 32 Jahre (Fach Kontrabass) aus aller Welt. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 31.000 Euro sowie Konzertengagements und Sachpreise in Aussicht gestellt. Gestiegene Zuwendungen des Kulturraumes Vogtland-Zwickau sowie der Stadt Markneukirchen machten hier eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren möglich.

Die Präsidentschaft liegt in den Händen von Prof. Julius Berger. Unter seiner Leitung werden die beiden Fachjuryvorsitzenden Prof. Thomas Selditz, Viola (Deutschland) und Prof. Frithjof-Martin Grabner, Kontrabass (Deutschland) gemeinsam mit international anerkannten Musikerpersönlichkeiten und Pädagogen in den beiden Fachjurys wirken. In drei öffentlichen Auswahlprüfungen sowie der abschließenden Finalrunde mit Orchester zeigen die Kandidaten ihr herausragendes Können. Umrahmt wird der Wettbewerb von zahlreichen Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen und Gelegenheiten, mit den vogtländischen Musikinstrumentenbauern in Kontakt zu treten.

Carola Schlegel

Konzerte

Sinfoniekonzert zur Eröffnung des Wettbewerb am 5. Mai 2017, 20.00 Uhr in der Musikhalle Markneukirchen mit dem Sinfonieorchester Markneukirchen und Viktor Spáth, Trompete (Ungarn), 1. Preisträger 2014

Preisträgerkonzert am 13. Mai 2017, 19.00 Uhr in der Musikhalle Markneukirchen mit den Bestplatzierten des Wettbewerbes und der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach

www.markneukirchen.de

Preise & Stipendien 03.01.2017 Robert-Schumann-Preis 2017

Ehrung für den Schweizer Oboisten, Komponisten und Dirigenten Heinz Holliger

 

Am 20. Januar 2017 findet im Robert-Schumann-Haus Zwickau die Verleihung des Robert-Schumann-Preises der Stadt Zwickau 2017 an den Schweizer Oboisten, Komponisten und Dirigenten Heinz Holliger statt.

Die Laudatio wird der Basler Musikwissenschaftler Dr. Michael Kunkel halten. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung übernehmen die Züricher Cellistin Anita Leuzinger und der österreichische Pianist Anton Kernjak. Und auch der Preisträger Heinz Holliger wird sich auf seinem Instrument, der Oboe, hören lassen. Es erklingt Musik von Robert Schumann, die Oboen-Romanzen op. 94 und die Kanonischen Studien op. 56 in der Trio-Bearbeitung von Theodor Kirchner, sowie von Heinz Holliger die Romancendres für Cello und Klavier aus dem Jahr 2003, die durch Robert Schumanns verschollene Cello-Romanzen von 1853 inspiriert wurden. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Heinz Holliger erhält – als erster Bläser – den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau 2017 in Würdigung seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Schumannschen Werk, die das Schaffen des 77-jährigen Schweizers sowohl als Oboisten und Dirigenten als auch als Komponisten auszeichnen. Prägend für die Schumann-Begeisterung des am 21. Mai 1939 im Kanton Bern geborenen Künstlers war ein Konzert, in dem er im Alter von 15 Jahren Hansheinz Schneeberger mit Schumanns 2. Violinsonate hörte. Bereits 1979 entstand Heinz Holligers erste Schumann-Einspielung, in der er mit Alfred Brendel die Oboen-Romanzen op. 94 und weitere Schumannsche Duowerke einspielte. Er nahm wiederholt auf Werke Schumanns Bezug oder ließ sich durch sie beeinflussen, so z. B. 2003 mit seinen »Romancendres«, die auf Schumanns verlorene Cello-Romanzen des Jahres 1853 Bezug nehmen. Clara Schumann hatte deren Manuskript auf Anraten von Johannes Brahms nach Schumanns Tod verbrannt. Von 2013 bis 2016 brachte Holliger als Dirigent eine Gesamteinspielung der Orchesterwerke Robert Schumanns auf fünf CDs heraus. Für sein Schaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 1991 beispielsweise den Ernst von Siemens Musikpreis, 2004 den Preis der deutschen Schallplattenkritik oder 2015 den Schweizer Grand Prix Musik.

Holliger betonte selbst, dass in jedem seiner Werke Schumann präsent wäre. Auf die Frage der ZEIT im Schumann-Jahr 2010, was der 200. Geburtstag des Komponisten für ihn bedeute, antwortete er: »Ich habe zu meinem Freund, dem Pianisten András Schiff, gesagt: Es ist nicht an uns, jetzt besonders viel Schumann zu spielen. Wir haben ständig Schumann-Jubiläum.«

Der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau wird seit 1964 von der Stadt verliehen. Ausgezeichnet werden damit hochrangige Dirigenten, Wissenschaftler, Instrumentalisten, Sänger, Klangkörper oder Institutionen des deutschen und internationalen Musiklebens, denen ein besonderer Verdienst um die Verbreitung der musikalischen Werke Schumanns und der Erforschung seines Lebens und Schaffens zukommt. Bis 2002 wurde die Auszeichnung jährlich vergeben, seit 2003 erfolgt die Vergabe alle zwei Jahre. Die Auszeichnungsvorschläge unterbreitet die Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e. V. Der Preis ist mit einer Gesamtsumme von 10.000 Euro dotiert, die bei mehreren Preisträgern geteilt werden kann. Weiterhin gehören eine Bronzemedaille und eine Urkunde zur Auszeichnung. War der Preis in vergangenen Jahren an Dirigenten wie Daniel Barenboim oder John Elliot Gardiner, Pianisten wie Jörg Demus oder András Schiff, Sänger wie Mitsuko Shirai oder Olaf Bär, Geiger wie Ulf Wallin oder Cellisten wie Steven Isserlis gegangen, so gab es noch nie einen Oboisten oder anderen Bläser, dem der Preis zugefallen wäre. Nicht verwunderlich, denn Schumann hat nur ein originales Kammermusikwerk für Oboe komponiert, die drei Romanzen op. 94.

Mathias Merz

Allgemeines 19.12.2016 Breslau gedenkt erstem Todestag von Kurt Masur

Konzert zur Ehrung des Maestros in seiner schlesischen Heimat

 

 

Mit einem Konzert in Breslau wird am Montag, 19. Dezember 2016 dem ersten Todestag von Kurt Masur gedacht. Zudem ehrt die Stadt Breslau den am 19. Dezember 2015 in Greenwich, Connecticut verstorbenen Maestro mit einer Tafel an der Hauptkirche St. Elisabeth. Masur wurde 1927 in Brieg, nahe Breslau, geboren und erhielt an der Breslauer Musikschule ersten Unterricht. Beide Städte verliehen ihm die Ehrenbürgerschaft. Zeit seines Lebens fühlte er sich seiner schlesischen Heimat verbunden, engagierte sich kulturell und bereiste die Region regelmäßig. Noch im September 2015 hatte er seine Geburtsstadt besucht.

»Meinem Mann hier in seiner Heimat an diesem Tag zu gedenken, ist für mich ein überaus bewegender Moment, der unzählige Erinnerungen weckt. Sein Engagement für diese Region wurde getragen von der Idee der deutsch-polnischen Verständigung. Die persönliche Verbundenheit und die Wertschätzung seiner Aktivitäten durch die Stadt Breslau erfüllen mich mit Dankbarkeit. Sie unterstreichen gerade in diesen unsicheren Zeiten, dass die Kraft der Musik Grenzen überwindet und uns immer verbindet.« (Tomoko Masur). Kurt Masur bereicherte das Kulturleben Schlesiens mit seinem musikalischen Wirken. Er prägte das Internationale Musikfestival EuroSilesia und konzertierte dort mit dem Gewandhausorchester, dem New York Philharmonic, dem Orchestre National de France.

Das Internationale Kurt-Masur-Institut (IKMI), mit Sitz in Leipzig, wurde im April 2016 ins Leben gerufen und dient der Bewahrung und Pflege des künstlerischen und zeitgeschichtlichen Erbes von Kurt Masur, als Dirigent, Gewandhauskapellmeister und Gründungsstifter der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Die Stiftung Internationales Kurt-Masur-Institut dient weiterhin der Förderung musikalischer Bildung und Ausbildung nach dem Vorbild Kurt Masurs und in der Tradition Felix Mendelssohn Bartholdys. Die Räumlichkeiten des IKMI im Mendelssohn-Haus Leipzig werden mit einem Festwochenende im November 2017 offiziell eröffnet. Im Frühjahr 2017 werden in einer Veranstaltung im Mendelssohn-Haus die Arbeit des Institutes und erste Projekte vorgestellt.

Kulturpolitik 09.12.2016 Instrumentales Laien- und Amateurmusizieren in deutschem UNESCO-Verzeichnis

Das »Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren« ist in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

 

Das Expertenkomitee würdigte den von der Bundesvereinigung Deutschen Orchesterverbände über den Deutschen Musikrat eingereichten Vorschlag als intergenerationelle, schichtenübergreifende und interkulturelle Kulturform. Die vielfältigen Organisationsformen sowie die weite Verbreitung seien bemerkenswert und ermöglichten das Mitwirken einer breiten Trägerschaft in ländlichen wie auch urbanen Räumen, so das Expertenkomitee, welches auch die identitätsstiftende und integrative Funktion des Musizierens würdigte. BDO-Präsident Ernst Burgbacher zeigte sich hocherfreut, dass die Kultusministerkonferenz und die Staatsministerin für Kultur und Medien der Empfehlung des Expertenkomitees gefolgt sind: »Das Laien- und Amateurmusizieren prägt die Kultur in Deutschland in ganz besonderer Weise. Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ist eine Anerkennung der wichtigen und großartigen Arbeit in den meist ehrenamtlich geführten Vereinen.« Ernst Burgbacher dankte auch dem Deutschen Musikrat und den beteiligten Landesmusikräten für die Unterstützung bei der Antragstellung und -einreichung.

Das instrumentale Laien- und Amateurmusizieren in Deutschland zeichnet sich durch eine Vielfalt und Breite aus, welche alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt und die kulturelle Identität Deutschlands prägt. Heute spielen rund neun Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit ein Instrument. Die Bandbreite reicht dabei von A wie Akkordeon bis hin zu Z wie Zither, von Jazz-, Popular-, Kirchen- bis hin zur Volksmusik. Eine Vielzahl der Orchester hat ein hervorragendes musikalisches Niveau, das in Wettbewerben und Konzerten immer wieder unter Beweis gestellt wird. Die Vielfalt entwickelte sich aus der kleinstaatlichen Verfasstheit Deutschlands im 17. und 18. Jahrhundert. An den Fürsten- und Königshöfen musizierten zunächst die Herrscher selbst oder ihre Kammer- und Saaldiener - also Laien. Die meisten Laienorchester sind heute in Vereinen organisiert und haben daher nicht nur bezogen auf Kunst- und Traditionspflege, sondern auch unter gemeinschaftsbildenden wie auch jugendpflegerischen Aspekten einen anerkannt hohen gesellschaftspolitischen Stellenwert. So sind z.B. Musikvereine nicht nur als Orte der Musikpflege zu verstehen, sondern auch als Institutionen kultureller Bildung sowie sozialer und kommunikativer Repräsentanz. Darüber hinaus bilden die Orchester einen Nährboden, auf dem Begabungen wachsen, Talente entdeckt sowie in vielen Fällen Voraussetzungen für den späteren Beruf eines Musikers erworben werden. Die Laien- und Amateurmusik hält nicht nur an Überlieferungen fest, sondern entwickelt sich ständig weiter und setzt sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Zusammen mit den vielen neuen Bewohnerinnen und Bewohnern in Deutschland kann Musik etwa als interkulturelle Verbindung genutzt werden und durch gemeinsames Musizieren ein gemeinsames Verständnis füreinander geschaffen werden.

Deutsche UNESCO-Kommission

Landesmusikakademie 09.12.2016 Landesmusikakademie Sachsen – Rückschau und Ausblick

Die Landesmusikakademie Sachsen beendet dieses Jahr mit einer Rekordgästezahl

 

Die Landesmusikakademie Sachsen schließt in den kommenden Tagen für dieses Jahr ihre Tore und kann eine Rekordgästezahl verzeichnen: 11.500 musikalische Übernachtungen zählte das Haus, das sind 15 % mehr Gäste als im Vorjahr; für das kommende Jahr werden bereits 13.000 musikalische Übernachtungen erwartet - ein Drittel mehr als 2015.

38 Chöre, 23 Orchester, sieben Big Bands, vier Rockbands, mehrere Bläserensembles, Musicaldarsteller und verschiedene Kammermusikgruppen brachten das umgebaute Marstallgebäude des Colditzer Schlosses in diesem Jahr zum Klingen. Froh stimmt uns, dass wir wieder zahlreiche Stammgäste begrüßen durften, darunter das Jugendjazzorchester Sachsen mit der beliebten Colditzer Jazz-Night, den Thomanerchor Leipzig und mehrere Schulensembles aus der Region wie die Chöre des Gymnasiums St. Augustin Grimma, des Johann-Walter-Gymnasiums Torgau, des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Taucha und der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg. Aber auch mehrere Schulensembles aus Berlin und Brandenburg finden seit fast fünf Jahren den Weg ins sächsische Colditz. Besonders ausgezeichnet hat uns der zweite Besuch des Bundesjugendorchesters, Deutschlands jüngster musikalischer Elite und wir bedanken uns bei Stadt und Schule Colditz für die Nutzung der Sporthalle am Sophienplatz. Die große Orchesterbesetzung des Ensembles »sprengte« die Akademiemauern. Mit Unterstützung des Netzwerks Kulturelle Bildung und Sprache konnten wir in diesem Jahr die Sommerakademie wieder anbieten: 127 tschechische und sächsische Kinder und Jugendliche lebten und musizierten neun Tage lang gemeinsam auf Schloss Colditz. Dabei lernten sie im doppelten Wortsinn spielend die Sprache des Nachbarlandes Tschechien kennen oder vertieften diese, organisierten mehrere Konzerte in Akademie und Kirche und gestalteten das beliebte Lichterlabyrinth im ersten Hof des Colditzer Schlosses.

Welche musikalische Gruppe war die größte, die die Akademie in diesem Jahr besuchte: im Schulensemblebereich ist der Spitzenreiter das Paul-Natorp-Gymnasiums aus Berlin, die Schülerinnen und Schüler reisten mit zwei Chören, zwei Big-Bands, einer Musical-AG, einem Orchester, zwei Gitarrengruppen und einer Tontechnikgruppe an, nach der Teilnehmerzahl lagen allerdings die 164 Sängerinnen und Sänger von »Saxonia Cantat« vorn, sie formten für ein Wochenende einen nahezu »grenzenlosen« Rock- und Popchor.

Welche Formation war die lauteste? Hier steht es unentschieden zwischen dem Schalmeienorchester Plauen und den Trommeln der Samba Schule »Samba Universo« aus Dresden. Doch die über einen Meter dicken Schlosswände machen sogar Üben in den Abendstunden möglich. Wer waren die weit gereistesten Gäste? Es waren die Studenten des Instituts für Klangkunst aus Wien, die in der Akademie einen Fotofilm mit einer Tonspur versahen. Und unsere jüngsten Gäste kamen aus Leipzig: die Querstreicher Engelsdorf wandelten mit Bachperücken musikalisch auf den Spuren des großen Leipzigers.

Neben den Gastbelegungen des Hauses standen zwei Ausstellungseröffnungen, acht Konzerte und drei eigenveranstaltete Kurse auf dem Akademieplan, die alle sehr gut besucht waren.

Das Jahr 2017 wird uns neben vielen bekannten auch einige neue Ensembles bringen: erstmals dürfen wir den Landesjugendchor Sachsen, den Kinderchor der Oper Leipzig und die Ensembles der Annenschule Chemnitz begrüßen. Besonders freuen wir uns auf die internationalen Gäste der Sommerphilharmonie Litomerice (CZ), des Jugendorchesters und Gesangsmeisterkurses Haarlem (NL), des englischen College-Kammerchores Farnborough und des Schweizer Jugendchores. Zudem ist das Kursprogramm der Akademie von drei auf fünf eigenveranstaltete Kurse angewachsen: neben dem Musicalcamp für Jugendliche, dem beliebten Jazzworkshop und dem Meisterkurs Trompete bei Prof. Ludwig Güttler wird im kommenden Jahr erstmals ein Jazz-Studienvorbereitungskurs sowie ein Meisterkurs Klavier bei Prof. Ragna Schirmer angeboten. Acht Konzerte und Ausstellungseröffnungen warten auf das Publikum aus nah und fern, darunter erstmals ein klassischer Liederabend, eine Opernaufführung sowie die erste Colditzer Pop-Night.

Wir sind dankbar für die gute Kooperation mit der Europa-Jugendherberge und der Gesellschaft Schloss Colditz sowie der Musikschule und Volkshochschule Muldental, die in diesem Jahr erfolgreich fortgesetzt werden konnten.

Christine Müller (Akademieleiterin)

Kulturpolitik 08.12.2016 Kammergericht gegen Verlegerbeteiligung in der GEMA

Das Kammergericht in Berlin hat am 14. November 2016 entschieden, dass die GEMA ihre Musikverleger nicht mehr wie bisher an den Einnahmen beteiligen darf.

 

Das Kammergericht in Berlin hat am 14. November 2016 entschieden (AZ 24 U 96/14), dass die GEMA ihre Musikverleger nicht mehr wie bisher an den Einnahmen beteiligen darf. Ausgangspunkt für die Entscheidung war die Klage der beiden Urheber und GEMA-Mitglieder Bruno Kramm und Stefan Ackermann. Die Kläger hatten geltend gemacht, dass ihnen neben dem Urheberanteil auch der Verlegeranteil zustehe, da die Nutzungsrechte allein von den Urhebern in die GEMA eingebracht würden. Nach den mündlichen Ausführungen des Kammergerichts Berlin stützt sich die Entscheidung insbesondere darauf, dass in den bestehenden Verlagsverträgen keine eindeutige Aussage zur Beteiligung des Verlegers erkennbar sei. Die Urteilsgründe liegen noch nicht vor. Im April 2016 hatte der Bundesgerichtshof im Fall der VG Wort entschieden, dass eine Ausschüttung von Erträgen auf gesetzliche Vergütungsansprüche an Verleger nur noch in Ausnahmefällen erfolgen kann. Anders als die VG Wort, die Autoren und Buchverlage vertritt, beteiligt die GEMA ihre Musikverleger nicht pauschal, sondern nur dann, wenn Urheber und Verleger eine solche Beteiligung im Verlagsvertrag vereinbart haben.

»Wir halten die Entscheidung für falsch. Besonders bedauerlich ist, dass das Kammergericht allein darauf abstellt, wer die Rechte eingebracht hat. Dieses Prinzip kann je nach Ausgestaltung des Verlagsvertrages auch zulasten der Urheber wirken«, kommentiert Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA. »Entscheidender ist jedoch, dass die Autoren und Verleger sich seit Jahrzehnten darüber einig sind, dass beide wirtschaftlich von den Einnahmen durch die Rechteeinräumung profitieren sollen. Wenn der Urheber den Verleger als Gegenleistung für die verlegerische Tätigkeit entlohnen möchte, ist diese Beteiligung legitim«, ergänzt Dr. Heker. Prof. Dr. Enjott Schneider, Komponist und Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA betont die gelebte Solidarität aller Berufsgruppen: »Autoren und Verleger sitzen bei der GEMA sowie in nahezu allen anderen Verwertungsgellschaften gemeinsam an einem Tisch – weil sie sich gegenseitig brauchen. Nur durch diese Gemeinschaft kann kulturelle Vielfalt entstehen. Glücklicherweise hat die Politik verstanden, dass für eine vielfältige Musik- und Kulturlandschaft die bewährte Zusammenarbeit zwischen Urhebern und Verlegern zwingend notwendig ist und deshalb eine entsprechende gesetzliche Klarstellung erarbeitet werden muss.« Der Umfang der von der GEMA wahrgenommen Rechte ist durch die Entscheidung nicht betroffen, da es sich um eine reine Verteilungsfrage handelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kulturelle Bildung 08.12.2016 Kommunen brauchen Unterstützung bei der Kulturellen Bildung

Ergebnise der Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«, die der Rat für Kulturelle Bildung in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag durchführen ließ.

 

Politisch hat Kulturelle Bildung in Deutschlands Kommunen nach wie vor Konjunktur, indes gibt es Luft nach oben bei der Umsetzung. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«, die der Rat für Kulturelle Bildung in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag (DST) durch die Prognos AG im Sommer unter den 200 unmittelbaren Mitgliedsstädten des Deutschen Städtetages durchführen ließ.

Zwar genießt Kulturelle Bildung knapp zehn Jahre nach der »Aachener Erklärung zur Bildungspolitik« des Städtetages in mehr als drei Viertel seiner Mitgliedsstädte hohe Bedeutung. Eben diese Städte stufen ihr Budget für Kulturelle Bildung in Vergangenheit und Gegenwart wie auch die Zusammenarbeit mit Finanzierungspartnern in signifikanter Weise positiver ein als Städte, die Kulturelle Bildung weniger wichtig finden. Jedoch besteht Verbesserungsbedarf bei der Anwendung von Instrumenten und Prinzipien zur Koordinierung und Auswertung der Angebote Kultureller Bildung. Die Befragung wurde als standardisierte Online-Befragung durchgeführt. Der Fragebogen umfasste 25 Fragen. Bei 12 Fragen gab es offene Antwortmöglichkeiten. Aufgrund fehlender Kennzahlen und Indikatoren in vielen kommunalen Haushaltsplänen wurden gestufte Fragen (zum Erhalt von Rangdaten) eingesetzt. Gleiches galt für Fragen zur Organisation und Koordinierung sowie zur Evaluierung von (kommunal geförderten) Angeboten Kultureller Bildung. Nach Größenklassen betrachtet liegt der Rücklauf bei den Großstädten durchweg bei 60 Prozent und höher. Nach Bundesländern betrachtet zeigten sich beim Rücklauf erhebliche Unterschiede: Die Stadtstaaten haben vollständig geantwortet. Ein besonders hoher Rücklauf von 85 Prozent ist aus Nordrhein-Westfalen erfolgt. Bei den Städten aus den ostdeutschen Bundesländern ist der Rücklauf mit 38 Prozent dagegen unterdurchschnittlich geblieben.

 

ERGEBNISSE

Kommunen brauchen mehr Unterstützung für die Kulturelle Bildung
104 der 200 unmittelbaren DST-Mitgliedsstädte (52 Prozent) beteiligten sich zwischen Juni und August 2016 an der strukturierten Online-Umfrage. Die Stichprobe repräsentiert ein urbanes Feld, in dem rund 22 Millionen Einwohner leben. Professor Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg, zu den Ergebnissen: »Die Kommunen sind einer der wichtigsten Akteure in der Kulturellen Bildung, und das Querschnittsthema ist bereits jetzt ein bedeutsamer Baustein des Miteinanders in den Städten. Die politische Schwerpunktsetzung ist ein entscheidender Faktor bei der Gestaltung Kultureller Bildung auf kommunaler Ebene. Das zeigt die Studie Städte/Geld/Kulturelle Bildung sehr deutlich. Das allein kann aber nicht ausreichen. Mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie den Ausbau der Ganztagsschulen kann Kulturelle Bildung nicht länger als freiwillige Leistung begriffen werden. Wir brauchen mehr Unterstützung für die Kommunen und dazu eine effektivere Aufgabenverteilung und Finanzierung der Kulturellen Bildung vor Ort.«

Länder sind wichtige Partner für Finanzierung
Dr. Eva Lohse, Präsidentin des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein, zu den Befunden: »Die Ergebnisse der Studie belegen einerseits den hohen Stellenwert der kulturellen Bildung in den Städten und das vielfältige Engagement, zeigen aber andererseits auch, dass es in Sachen Finanzierung sowie Konzeption und Steuerung vielerorts noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Die Studie zeigt einmal mehr, dass die Finanzierungsbeiträge der Länder für die Städte von hoher Relevanz und die Länder wichtige Partner der kulturellen Bildungsarbeit in den Städten sind. Die Länder müssen zur Unterstützung des kommunalen Engagements das Niveau ihrer Mitfinanzierung sicherstellen und kontinuierlich ausbauen. Bemerkenswert ist auch, in welchem Maße das sogenannte Kooperationsverbot den Finanzierungsbeitrag des Bundes trotz dessen hoher Finanzkraft kleinzuhalten vermag.«

Finanzierung Kultureller Bildung muss trotz enger Haushalte möglich sein
Professor Dr. Jürgen Schupp, Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung und Direktor der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ergänzt: »55 Prozent der beteiligten Kommunen führen derzeit keine Kennzahlen oder Indikatoren zur Kulturellen Bildung im Haushalt. Ein interkommunaler Vergleich oder die vielfach geforderte Verbesserung der Kulturfinanzstatistik auf Bundesebene ist auf diese Weise nahezu unmöglich. Indes fußt die mittelfristige Finanzplanung der Städte naturgegeben auf Planzahlen, insbesondere auf der Ertragsseite. Die Möglichkeiten Kultureller Bildung dürfen nicht überwiegend von der Ertragssituation der Kommunen abhängen. Auf Dauer ist eine Grundversorgung mit Kultureller Bildung vor allem an den Ganztagsschulen nur machbar, wenn Bund und Länder die Kommunen insgesamt finanziell besser ausstatten.«

WEITERE ERGEBNISSE DER STUDIE

Zu geringe Budgets, aber positive Auswirkungen durch politische Schwerpunktsetzung
Zwei Drittel der befragten Kommunen erachten ihr Budget für Kulturelle Bildung als zu gering, während 29 Prozent die zur Verfügung stehenden Mittel als auskömmlich oder gut bezeichnen. 26 Prozent der Städte berichten, ihr Budget für Kulturelle Bildung sei während der letzten Jahre gestiegen; 16 Prozent verzeichneten jedoch einen Rückgang (51 Prozent gleichbleibend). Im Vergleich zum jeweiligen Gesamthaushalt entwickelte sich das Budget für Kulturelle Bildung bei 26 Prozent der Städte während der letzten fünf Jahre negativer als ihr Gesamthaushalt (9 Prozent positiver; 51 Prozent ähnlich). Auch die Erwartungen deutscher Kommunen an die Zukunft ist gemischt: 20 Prozent prognostizieren eine schwächere Entwicklung der Finanzen für Projekte Kultureller Bildung im Vergleich zum Gesamthaushalt, 6 Prozent rechnen mit einer stärkeren Entwicklung (56 Prozent gleichbleibend).

Besonders auffällig ist bei den vorgenannten Ergebnissen, dass jene Städte, die Kultureller Bildung hohe Bedeutung zuschreiben, ihr Budget für Kulturelle Bildung in Vergangenheit und Gegenwart in signifikanter Weise positiver einschätzen und zugleich auch deutlich stärker mit externen Finanzierungspartnern zusammenarbeiten als Städte, die Kulturelle Bildung nicht als Schwerpunkt sehen. »Städte/Geld/Kulturelle Bildung« zeigt überdies signifikante Zusammenhänge zwischen politischer Schwerpunktsetzung und dem Organisationsgrad und der Steuerung von Projekten und Maßnahmen Kultureller Bildung: Je höher der Stellenwert, umso wahrscheinlicher existieren im Haushalt der Kommune auch Kennzahlen für Maßnahmen und Projekte Kultureller Bildung, umso eher ist Kulturelle Bildung auch im Leitbild der Stadt verankert beziehungsweise ist sie Teil einer regelmäßigen Bildungsberichterstattung.

Verbesserungsbedarf bei der Koordination und Organisation
Doch trotz dieser zahlreichen positiven Aspekte gibt es knapp zehn Jahre nach der Aachener Erklärung noch Verbesserungsbedarf: In 59 Prozent der Städte ist Kulturelle Bildung nicht Teil der Bildungsberichterstattung. 55 Prozent der Städte antworteten, es gebe keine zugehörigen Kennzahlen oder Indikatoren im Haushaltsplan. Nur 14 Prozent der Städte schließen durchgängig schriftliche Vereinbarungen mit den Akteuren Kultureller Bildung, lediglich vier Prozent spezifische Zielvereinbarungen hinsichtlich der Bereitstellung von Angeboten. Entsprechend sieht die Mehrheit der befragten Kommunen (61 Prozent) selbst die Notwendigkeit für eine wirksamere organisatorische Koordinierung der Querschnittsaufgabe Kulturelle Bildung.

Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der ALTANA Kulturstiftung, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator.

Studie »Städte/Geld/Kulturelle Bildung. Horizont 2016«
Download der vollständigen Studie
Download der zentralen Ergebnisse und Empfehlungen als Kurzfassung

 

 

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